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Niedersachsen Überblick über die wichtigsten Siegel
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19:22 06.02.2019
Ferkel in einem nach der "Initiative Tierwohl" ausgestatteten Stall in Hilter (Niedersachsen) Quelle: dpa
Hannover

Markennamen wie „Hofgut“, Werbebotschaften wie „artgerecht“ und „tierfreundlich“ – das klingt nach traditioneller Tierhaltung in kleinen Betrieben. Tatsächlich verbirgt sich hinter solchen Begriffen aber oft nur der gesetzliche Mindeststandard, kritisieren Verbraucherschützer regelmäßig. Anders ist es bei bekannten Siegeln wie Bio, Bioland, Demeter und Initiative Tierwohl. Dahinter stecken klare Kriterien, die von unabhängigen Kontrolleuren überprüft werden.

Auf dieses Prinzip setzt nun auch die Bundesregierung. Sie hat am Mittwoch ihr seit Langem erwartetes „staatliches Tierwohlkennzeichen“ vorgestellt. „Verbraucher wollen wissen, wo mehr Tierwohl drinsteckt, sie wollen das beim Einkauf auch erkennen können“, sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Doch mit jedem weiteren Siegel dürfte es für Verbraucher schwieriger werden, den Überblick zu behalten. Eine kleine Einkaufshilfe:

Bio-Siegel

Wer steht dahinter? Das Bio-Siegel könnte man ebenfalls als staatliches Label bezeichnen. Denn die Mindestanforderungen hat die EU in ihrer Öko-Verordnung festgelegt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche private Verbände, die auf dieser Grundlage noch höhere Anforderungen stellen. Dazu gehören etwa Demeter, Naturland und Bioland.

Wie lauten die Kriterien? Schon das staatliche Bio-Siegel ist vergleichsweise streng. Es erlaubt zum Beispiel die Haltung von maximal 10 Masthühnern pro Quadratmeter – im gesetzlichen Mindeststandard sind es circa 26. Auslauf ist Pflicht. Bio regelt nicht nur die Gestaltung der Ställe, sondern zum Beispiel auch Futtermittel und die Behandlung von Krankheiten. Unter den privaten Bio-Siegeln gilt Demeter als besonders streng. Der Verband untersagt zum Beispiel auch das Enthornen von Rindern.

Wie etabliert ist es? Das Bio-Siegel ist zwar sehr bekannt, jedoch sind nur wenige Verbraucher bereit, den nötigen Aufpreis für die strengen Kriterien zu zahlen. Bio-Produkte machen lediglich rund fünf Prozent des Gesamt-Absatzes aus, bei Fleisch sind es sogar nur um die zwei Prozent.

Staatliches Tierwohllabel

Wer steht dahinter? CDU/CSU und SPD haben die Schaffung eines staatlichen deutschen Labels in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart – Ernährungsministerin Julia Klöckner setzt diesen Plan jetzt um. Aus Sicht der Politik haben Verbraucher in ein staatliches Label ein besonders hohes Vertrauen.

Wie lauten die Kriterien? Klöckner nennt das Bio-Siegel als Vorbild für ein gut funktionierendes, freiwilliges Siegel. Das neue deutsche Label soll jedoch weniger streng werden, um mehr Landwirte und damit auch mehr Verbraucher zu erreichen. Vorgesehen sind drei Stufen. Die ersten beiden Stufen garantieren Mastschweinen mehr Platz im Stall als gesetzlich vorgeschrieben – aber weniger als das Bio-Siegel. Die dritte Stufe geht in diesem Punkt leicht über Bio hinaus. Kriterien für Geflügel sollen folgen.

Wie etabliert ist es? Die ersten Produkte mit dem Siegel sollen 2020 in den Handel kommen, verspricht Klöckner – ob das klappt, ist noch offen.

Initiative Tierwohl

Wer steht dahinter? In der Initiative haben sich die Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und fast alle großen deutschen Supermarktketten zusammengeschlossen. Finanziert wird das Tierwohl-Label aber nur von den Supermärkten, darunter Rewe, Edeka, Aldi und Lidl. Sie zahlen rund 130 Millionen Euro jährlich an Bauern, die ihre Ställe an die Kriterien anpassen.

Wie lauten die Kriterien? Sie sind deutlich laxer als bei Bio oder dem neuen Staatslabel: Schweine und Hühner haben nur mindestens zehn Prozent mehr Platz als gesetzlich gefordert. Hinzu kommen einige weitere Anforderungen, zum Beispiel „ein Mindestmaß an Tageslichteinfall in den Ställen“. Die Supermarktketten haben außer ihrem eigenen Label (siehe Bild) auch eine vierstufige Kennzeichnung der Haltungsform entwickelt. Dieses soll ab April zusätzlich zu anderen Siegeln aufgedruckt werden und sie sortieren. Das eigene Tierwohl-Label entspricht dabei Stufe 2, Bio entspricht der höchsten Stufe 4.

Wie etabliert ist es? Die Initiative Tierwohl hat sich aufgrund der relativ laxen Kriterien schnell durchgesetzt: Über 2800 Schweinemäster und über 1200 Hähnchenmäster nehmen teil. Gemessen an der Zahl der insgesamt in Deutschland geschlachteten Tiere deckt die Initiative 70 Prozent des Geflügels und 25 Prozent der Schweine ab.

„Für Mehr Tierschutz“

Wer steht dahinter? Das Label wurde vom Deutschen Tierschutzbund entwickelt. Auf diesem Wege könne man den Tierschutz in der Landwirtschaft „konkret, direkt und unmittelbar“ vorantreiben, argumentiert der Verein.

Wie lauten die Kriterien? Es gibt zwei Stufen. Die „Einstiegsstufe“ garantiert Mastschweinen rund 45 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und liegt damit unter dem Bio-Standard. Die „Premiumstufe“ verlangt ähnlich viel Platz wie Bio, geht aber in vielen anderen Punkten weniger weit.

Wie etabliert ist es? Der Tierschutzbund kann keine konkreten Zahlen nennen. Der Marktanteil sei „gering“, sagte eine Sprecherin lediglich. Produkte mit dem Label sind aber bei zahlreichen Supermärkten erhältlich.

Von Christian Wölbert

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