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Vorerst kein Kaliabbau in Giesen

Neustart verschoben Vorerst kein Kaliabbau in Giesen

Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S verzichtet auf den Kaliabbau am Standort Siegfried-Giesen bei Hildesheim – zumindest vorerst. „Unter den absehbaren Marktgegebenheiten ist eine zeitnahe Wiederinbetriebnahme des bisherigen Reservebergwerkes nicht sinnvoll“, erklärte die Geschäftsführerin der K+S Kali GmbH, Alexa Hergenröther.

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Kaliabbau wird es vorerst im Werk Giesen nicht geben.

Quelle: dpa

Hannover. Mit der Entscheidung von Dienstag stehen mehrere Hundert Jobs am Standort Wunstorf auf der Kippe: Nach den bisherigen Plänen sollte mindestens die Hälfte der 750 Mitarbeiter aus dem Werk Sigmundshall nach Giesen wechseln, wenn in Wunstorf die Förderung in einigen Jahren eingestellt wird.

K+S hatte die Mine in Giesen 1987 stillgelegt, weil es auf dem Weltmarkt Überkapazitäten gab. Vor fünf Jahren revidierte der Konzern seine Einschätzung der Lage: In einer Machbarkeitsstudie kam man zu dem Schluss, dass die wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln das Geschäft mit Düngemitteln ankurbeln werde. Das Werk verfügt über Kali-Reserven für maximal 40 Jahre. Seit 2012 läuft ein Planfeststellungsverfahren beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, mit einer Genehmigung zur Reaktivierung von Giesen rechnete K+S Anfang nächsten Jahres. Es war von Investitionen von einer halben Milliarde Euro die Rede. Die Produktion sollte Ende dieses Jahrzehnts starten.

Das hätte gut zum Zeitpunkt der geplanten Schließung von Sigmundshall gepasst, wo die Vorräte allmählich zur Neige gehen. Dass K+S die Reaktivierung von Giesen auf die lange Bank schiebe, hätten die Bergleute in Wunstorf bereits vor Kurzem in einer Mitarbeiterversammlung erfahren, hieß es Dienstag. „Wir halten diese Entscheidung für fatal und falsch“, sagte der Landesbezirksleiter Nord der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Ralf Becker. „Wenn nur noch im Ausland investiert wird, verabschieden wir uns von der deutschen Kali-Industrie.“

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen glaubt K+S noch immer daran, dass die Nachfrage nach Kaliumchlorid stark anziehen wird - aber wohl erst ab Mitte des kommenden Jahrzehnts. Es ist der wichtigste Dünger der Bauern, um Weizen- und Zuckerrübenerträge zu steigern. In der Konzernzentrale spielt man auf Zeit: „Es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen“, sagte Kali-Geschäftsführer Rainer Gerlin. Nach Vorlage eines unanfechtbaren Planfeststellungsbeschlusses werde K+S innerhalb der gesetzlichen Umsetzungsfrist von fünf Jahren entscheiden, ob Giesen wieder hochgefahren werde.

Für das Werk in Wunstorf bedeutet diese Verzögerung nichts Gutes. Es sei erkennbar, dass Giesen „als möglicher Anschluss für die Beschäftigten des Kaliwerks Sigmundshall (...) aufgrund der zeitlichen Abläufe nicht mehr möglich sein wird“, teilte K+S mit. Man sei bestrebt, „einen guten Weg für alle Beteiligten“ zu finden. Arbeitnehmervertreter kündigten bereits harte Verhandlungen über einen Sozialplan an. Nötigenfalls müsse man die Werksschließung so teuer machen, dass sich eine Reaktivierung von Giesen doch noch rechne, hieß es.

Vorbereitung ist teuer

Kleines Team vor Ort: Bisher hat K+S für die mögliche Wiederinbetriebnahme des Kaliwerks in Giesen nur wenige Mitarbeiter abgestellt. Unter Tage waren knapp zwei Dutzend Bergleute, Elektriker und Schweißer vor allem damit befasst, die verzweigten Stollengänge von insgesamt 300 Kilometern Länge zu verbreitern.
83 Millionen Tonnen Kieserit lagern in dem Salzstock – ein Magnesiumsulfat, aus dem hochwertige Düngemittel für Sonderkulturen wie den Weinbau hergestellt werden. Diese Vorbereitung kostet 30 Millionen Euro.

jen

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