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Niedersachsen Niedersachsens Mittelstand hält wenig von Robotern
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00:15 29.04.2017
Hilfe bei der Entwicklung von Produktionsanlagen: Eine Mitarbeiterin von Lenze demonstriert den Einsatz einer VR-Brille.  Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Wenn es ein Sinnbild für Industrie 4.0 gibt, dann sind es die Roboter, die mit den Menschen zusammenarbeiten - die sogenannten Cobots. Auf der Hannover Messe sieht man sie an jeder Ecke, doch wer sich bei mittelständischen Unternehmen auf der Industrieschau umhört, stellt fest: Die breite Masse der deutschen Betriebe nutzt solche Roboter noch lange nicht.

„Das Thema wird gehypt ohne Ende, aber der Mittelstand tickt anders“, sagt zum Beispiel Michael Weper, IT-Chef des hannoverschen Magnetventile-Herstellers Nass Magnet. Die Investition müsse sich rentieren - und dies sei schlichtweg nicht der Fall. Auch weitere Industrieunternehmen aus Niedersachsen wie die Aerzener Maschinenfabrik, Lenze und Jäger setzen bisher keine Cobots ein.

„Wir stehen im breiten Schnitt sicher noch am Anfang der Entwicklung“, sagt Volker Schmidt vom Arbeitgeberverband Niedersachsen-Metall, der vor allem Mittelständler vertritt. Arbeitsplätze, an denen Mensch und Roboter zusammenarbeiten, seien „absolute Hightech“. Nicht nur die Roboter selbst seien teuer, sondern auch die nötigen Sensoren für die Arbeitssicherheit. „Gerade für den industriellen Mittelstand muss sich die Einführung wirtschaftlich auszahlen“, betont Schmidt.

Auch das zweite große Hype-Thema - die Virtuelle Realität (VR) - spielt für die meisten Mittelständler noch keine Rolle. Eine Ausnahme ist der Automatisierungsspezialist Lenze in Aerzen-Groß Berkel bei Hameln. Er bietet seinen Kunden eine Software, mit der sie Maschinen und Fertigungsstrecken während der Entwicklung mit einer VR-Brille im virtuellen Raum begutachten können.

Das heißt aber nicht, dass die Mittelständler die Industrie 4.0 ignorieren. Der Rundgang auf der Hannover Messe zeigt: Auch sie vernetzen zunehmend ihre eigene Produktion sowie ihre Produkte.

Vernetzte Produktion: So hat zum Beispiel Nass Magnet vor Kurzem eine Software eingeführt, mit der Mitarbeiter den gesamten Maschinenpark während der Produktion überwachen können. Am PC sehen sie, welche Maschine welche Arbeit verrichtet, wie die Aufträge abgearbeitet werden - und welche eventuellen Störungen es gibt. Sie müssen nicht mehr zu den einzelnen Maschinen gehen, um diese Informationen zu erhalten - und können die Produktion besser steuern.

Die Vernetzung der Maschinen in der eigenen Fabrik steht auch für den hannoverschen Kunststoff- und Gummispezialisten Jäger im Vordergrund. „Mit Sensordaten von den Maschinen treffen wir Aussagen über die Lebensdauer - und halten die Maschinen vorbeugend instand“, erklärt Geschäftsführer Andreas Jäger. Im Industrie-4.0-Jargon nennt man dies „Predictive Maintenance.“

Für die nähere Zukunft erwartet Jäger, dass Aufträge der Kunden auf elektronischem Weg direkt in den Produktionsprozess eingehen. Momentan gäben Kunden ihre Bestellungen noch per Fax oder Mail auf, sodass Mitarbeiter die Daten manuell in ein Programm eintippen müssten - dieser Schritt werde irgendwann überflüssig sein. Die Beschäftigten in der Auftragsabwicklung will Jäger dann für kreativere Tätigkeiten qualifizieren, zum Beispiel für die Akquise von Aufträgen und für Planungsaufgaben. In der Produktion sieht Jäger weniger Automatisierungspotenzial als in der Verwaltung. Auch Cobots seien kein Thema, sagte er.

Vernetzte Produkte: Die Mittelständler vernetzen aber nicht nur ihre Produktion, sondern auch ihre Produkte. Auch dabei geht es vor allem um eine vorausschauende Wartung. Jäger bietet Pumpenmembranen mit Dehnungssensor und Funkchip an. Mit dem Sensor kann man den Verschleiß der Pumpen erkennen, der Funkchip macht diese Daten ablesbar. Nass Magnet hat ein ähnliches System für seine Produkte geprüft, setzt es aber noch nicht ein. Die nötigen Chips würden Standard-Magnete, die typischerweise unter 10 Euro kosten, zu stark verteuern, erklärt die Firma. Auf Kundenwunsch könne man die Technik aber nutzen.

Die Aerzener Maschinenfabrik hat ihre Produkte schon vernetzt: Die Luftverdichter des Unternehmens, die zum Beispiel in Kläranlagen eingesetzt werden, können aus der Ferne überwacht werden. Rechtzeitig vor drohenden Defekten werden Service-Mitarbeiter alarmiert. Montiert werden die Luftverdichter von Menschenhand. In der Komponentenfertigung werden klassische Maschinen eingesetzt. „Roboter werden Sie bei uns nicht finden“, sagt Vertriebsmanager Steffen Glindhaus.

Von Christian Wölbert

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