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00:35 15.06.2018
Junge Gründer: Tiberius Treppner (16) und Phillipp Müller (24) wollen mit ihrem Start-up „Halbestundeueben.de" das Musiklernen revolutionieren. Quelle: Mario Moers
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Hannover

Sie kommen, um für sich zu werben, Märkte umzukrempeln und Geld zu sammeln. Junge Gründer bilden auf der Cebit eine eigene Spezies. Stets bereit, ihre bestenfalls revolutionäre Geschäftsidee zu präsentieren, verändern sie die Messe. Deren Organisatoren haben Einiges getan, um Gründern ein Cebit-Erlebnis zu bieten, dass der unkonventionellen Geschäftsmentalität der Szene entspricht. Mit Tischfußball-Turnieren, Speed-Dating und sogenannten Fuck-Up-Nächten für Gescheiterte prägt die Start-up-Kultur das neue Bild der Computermesse.

Tiberius Treppner hat eine Vision. Halbestundeueben.de heißt die von ihm entwickelte Online-Plattform – sie soll frustrierten Musikschülern das Leben erleichtern. Treppner ist 16 Jahre alt und aus einem Siebzig-Seelen-Dorf in Mecklenburg-Vorpommern zur Cebit gereist. „Wir treffen hier unseren Investor und wollen uns als Team besser kennenlernen“, sagt der Schüler mit dem Lockenkopf.

Untergebracht ist er zusammen mit seinem Geschäftspartner Phillipp Müller nicht etwa in einem Hotel. Die waren bereits ausgebucht und „viel zu teuer“, sagt Müller. Stattdessen haben die beiden sich eine kostenlose Unterkunft über die Sofa-Börse Couchsurfing gesucht. Ihrem Gastgeber haben die Gründer eine Kiste Bier mitgebracht.

Am ersten Messetag waren die beiden bereits Surfen und Riesenrad fahren. Nach dem langen Messetag gehen sie zusammen zu den Konzerten, die dieses Jahr im Rahmenprogramm Festival-Feeling erzeugen sollen. „Wir haben uns und auch den Investor über eine Gründerplattform kennengelernt und sehen uns hier zum ersten Mal live“, erzählt Treppner bei einer Partie Tischfußball. Und das Geschäft? „Kontakte knüpft man doch am besten, während man etwas gemeinsam unternimmt“, sagt Müller.

Kicker statt VIP-Lounge

„IT braucht Entwickler und Entwickler brauchen Tischfußball“, erklärt Alexander von Rothkirch, der das Kickerturnier am Stand der Softwarefirma Silpion mit entwickelt hat. Die jungen Gründer bevorzugen offene Treffpunkte. „Unser Chef hat früher selber in Hamburger Kiezlokalen gekickert und gemerkt, wie viele aus der Branche er dort getroffen hat“, sagt der Standbetreuer. Inzwischen organisiert das Unternehmen bundesweit Netzwerk-Kickerturniere. „Wir waren schon cool, jetzt will es auch die Cebit werden“, erklärt er die Genese des Messeturniers.

Eine weitere Kontaktmöglichkeit ist die sogenannte Fuck-Up-Night. Dort treffen sich Start-up-Erfahrene, deren Idee nicht gezündet hat. Bei einer Limo erzählen sie sich vom eigenen Scheitern und lernen aus den Fehlern der anderen.

Treppner und Müller gehen auch zu den sogenannten Founders Fights, einem Wettstreit der Gründer. Über drei Runden bekämpfen sich zwei Teams rhetorisch, Publikum und Jury entscheiden über den Sieger. Und dazwischen auf vielen Bühnen: Pitches, Pitches, Pitches. Der englische Begriff bezeichnet die Vorstellung und Bewerbung der eigenen Geschäftsidee vor potenziellen Partnern und Investoren.

„Fundgrube für Investoren“

„Das ganze Leben ist ein Pitch. Schon als Baby versucht man doch, den anderen in möglichst kurzer Zeit von seinem Anliegen zu überzeugen“, sagt Johannes Matthias. Der 33-Jährige Harvard-Alumni ist CEO des Berliner Company Builders Alpha Beta. Das Unternehmen investiert und kooperiert mit 100 Start-ups. Am Stand des Bundeswirtschaftsministeriums wirbt Matthias selbst. „Wir suchen Investoren, die mit 1,5 Millionen Euro bei unserer Versicherungs-Auktions-Plattform einsteigen“, sagt er.

Für Tischfußball hat der Profi-Gründer keine Zeit. „Die Cebit ist eine Fundgrube für Investoren. Ich gehe erst aus der Halle, wenn ich tot ins Bett falle“, sagt er.

Treppner und Müller ziehen weiter zu einem Roboterkonzert. „Für uns steht in dieser Phase das Kennenlernen im Vordergrund“, sagt Treppner. Nächste Woche geht es dann nach Berlin. Sein Schülerpraktikum absolviert er bei seinem Investor.

Von Mario Moers

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