Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
So prägte Hannover den Unternehmer Siemens

200. Geburtstag So prägte Hannover den Unternehmer Siemens

Erfinder und Unternehmer Werner von Siemens wurde vor 200 Jahren in Lenthe bei Hannover geboren. Die Kindheit auf dem Land prägt ihn nachhaltig. Dennoch zieht es den Techniker nach Berlin zur Ingenieursschule - von dort aus legt er den Grundstein der Industrie 1.0 und gründet eines der größten deutschen Unternehmen.

Voriger Artikel
Zulieferer setzt Investition in Stadthagen aus
Nächster Artikel
250 Leiharbeitsverträge stehen auf der Kippe

1881 realisierte Siemens & Halske die erste elektrische Straßenbahn der Welt.

Quelle: Siemens/dpa/M

Hannover. Irgendwie hatten sie es im Königreich Hannover der 1830er-Jahre noch nicht so mit Start-up-Förderung oder öffentlichem Wagniskapital für High Potentials. In den letzten Jahren der Personalunion waren die Herrschenden eher mit dem britischen Regiment beschäftigt und mit der Jagd im hannoverschen Umland - als sich mit der langsam aufkeimenden industriellen Revolution auseinanderzusetzen.

In seiner alten Heimat soll Werner Siemens keine Chance gesehen haben, seinen technischen Neigungen nachzukommen und eine entsprechende Ausbildung zu erhalten. Mit 18 Jahren schloss er sich dem preußischen Heer an, das eine Ingenieursschule in Berlin unterhielt. Von dort aus sollte er schließlich seinen Erfolgsweg gehen zu einem der Wegbereiter von Industrie 1.0 und den Grundstein legen für eines der bis heute größten und bekanntesten Unternehmen Deutschlands. Am Dienstag feiert Siemens (verfrüht) den 200. Geburtstag seines Gründers in Berlin, mit Festakt und Bundeskanzlerin. Seine hannoverschen Wurzeln werden dann keine nennenswerte Rolle mehr spielen - obwohl sie den Unternehmer, wie er auch selbst immer betonte, geprägt haben.

Aber der Reihe nach. Ernst Werner Siemens wird am 13. Dezember 1816 in Lenthe bei Hannover geboren. Er ist das vierte Kind von Christian Ferdinand und Eleonore Siemens, die als Pächter und Gutsverwalter die Ländereien der Familie von Lenthe bewirtschaften. Im Stammbaum der Familie Siemens, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, belegt er Rang 244. Er selbst schrieb einmal, er entstamme einer „am nördlichen Abhange des Harzes angesessenen, meist Land- und Forstwirtschaft treibenden Familie“.

Das ist arg untertrieben. Denn die Siemens waren über viele Generationen hinweg als Handwerker, Kaufleute und Ratsherren eine der dominierenden Familien in der Harzstadt Goslar. Gleich viermal stellten sie dort sogar den Bürgermeister. Bis heute zeugt das „Siemenshaus“ im Zentrum der Stadt vom großen Einfluss der Familie. Der Brauer und Stadthauptmann Hans Jürgen Siemens ließ den prachtvollen Fachwerkbau 1693 errichten und seinen Leitspruch anbringen: „Ora et labora“ - „bete und arbeite“.

Die heute angeblich gut 150 Köpfe starke Familie ist dem Haus noch immer verbunden. Alle drei Jahre kommen die Mitglieder aus allen Himmelsrichtungen in Goslar zusammen. Das jüngste Treffen fand Anfang September statt, aus Anlass des 200. Geburtstag ihres bis heute wichtigsten Sprosses. Dem verdanken die Nachfahren nicht nur den Adelstitel - von Kaiser Friedrich III. im Jahr 1888 verliehen -, sondern auch auskömmliche Nebeneinkünfte. Bis heute halten die Nachfahren und ihre Stiftungen etwa 6 Prozent der Siemens-Aktien im Wert von zusammen 5,4 Milliarden Euro und kassieren Dividendenausschüttungen von 170 Millionen Euro - pro Jahr.

Von solchen finanziellen Möglichkeiten war Werner Siemens Lichtjahre entfernt - vor allem während seiner Kindheit in Lenthe. Sein Vater entstammt einem Familienzweig, der sich auf die Pacht und Bewirtschaftung fremder Ländereien verlegt hat. 1810 arbeitet Christian Ferdinand Siemens als Ökonom auf der Domäne Bokeloh bei Wunstorf, als er sich in die älteste Tochter des Gutsbesitzers, die damals 18-jährige Eleonore Deichmann, verliebt. Zwei Jahre später heiraten die beiden in der Kirche von Neustadt-Bordenau.

Sein Schwiegervater verschafft Siemens eine Pacht für das Obergut des hannoverschen Staats- und Kabinettsministers Ernst Ludwig Julius von Lenthe. Die Familie kommt im Nebenhaus des Guts unter. Hier werden in den nächsten Jahren mehrere Kinder geboren, darunter Ernst Werner 1816. Die ersten Jahre sollen für die Geschwister unbeschwert gewesen sein - und doch müssen sie früh auf dem Gut mithelfen. Die Eltern haben finanzielle Sorgen. Die Pacht ist für damalige Verhältnisse vergleichsweise hoch. Gleichzeitig sinken beständig die Preise für landwirtschaftliche Produkte.

Hinzu kommen Probleme vor Ort. Die bewirtschafteten Felder erleiden wiederholt Wildschäden - was Siemens dazu bringt, ein komplettes Rudel Hirsche einzufangen und einzusperren sowie das Forstamt Wennigsen auf Schadensersatz zu verklagen. Damit bringt er die hannoverschen Behörden gegen sich auf. Schließlich sollen die dafür Sorge tragen, dass die Welfen und der britische Adel rund um den Deister immer ordentlich Beute beim Jagen machen können.

Es sind die Konflikte mit seinen Verpächtern und den Behörden, verbunden mit finanziellen Schwierigkeiten, die Siemens schließlich die Flucht gen Norden antreten lassen. Im Mai 1823 zieht die Familie um ins mecklenburgische Menzendorf - Werner ist zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Gleichwohl muss den Unternehmer die Zeit geprägt haben. Im hohen Alter stellt er seinen „Lebenserinnerungen“ eine Anekdote aus Lenthe voran, in der er als Fünfjähriger seine ältere Schwester vor einem angriffslustigen Gänserich rettet. „Unzählige Male“, schreibt Siemens, „hat mich in späteren schwierigen Lebenslagen der Sieg über den Gänserich unbewusst dazu angespornt, drohenden Gefahren nicht auszuweichen, sondern sie durch mutiges Entgegentreten zu bekämpfen.“

Siemens gestern und heute

Der berühmte Zeigertelegraf, zu sehen im Siemens-Geburtshaus in Lenthe.

Der berühmte Zeigertelegraf, zu sehen im Siemens-Geburtshaus in Lenthe. 

Quelle: Franson

Beim preußischen Militär interessierte man sich vor allem für eine schnelle und sichere Datenübermittlung. Die konnte Werner Siemens bieten – mit einem besonders zuverlässigen Zeigertelegrafen, der bisherigen Apparaten deutlich überlegen war. Im selben Jahr dieser Erfindung – 1847 – gründete er gemeinsam mit dem Feinmechaniker Johann Georg Halske die „Telegraphen-Bau-Anstalt von Siemens & Halske“, aus der der Siemens-Konzern hervorging. Das Unternehmen verlegte Telegrafenleitungen weltweit, sogar per Schiff über den Atlantik. Siemens & Halske war einer der ersten global tätigen Betriebe in Deutschland.

Mit diesem Schiff wurden 1874 Kabel zwischen Europa und den USA verlegt.

Mit diesem Schiff wurden 1874 Kabel zwischen Europa und den USA verlegt.

Quelle: Siemens

Trotz der unternehmerischen Aufgaben widmete sich Siemens weiterhin der Forschung. 1866 gelang ihm die wohl wichtigste Entdeckung – mit dem dynamoelektrischen Prinzip legte er die Grundlage für die Nutzung der Elektrizität zur Energieversorgung. Davon ausgehend kamen immer neue Erfindungen aus dem Unternehmen – etwa die erste elektrische Eisenbahn oder die erste elektrische Straßenbahn. Als Werner von Siemens – inzwischen in den Adelsstand erhoben – im Jahr 1892 starb, setzte sein Unternehmen rund 20 Millionen Mark um.

1881 realisierte Siemens & Halske die  erste elektrische Straßenbahn der Welt.

1881 realisierte Siemens & Halske die erste elektrische Straßenbahn der Welt.

Quelle: Siemens

Heute kommt der Konzern auf Erlöse von 80 Milliarden Euro und mehr als 350 000 Mitarbeiter. Rund 700 davon arbeiten in der Niederlassung Hannover, die ihren Sitz in Laatzen hat. Der größte Siemens-Standort in Niedersachsen ist das Bahntechnik-Werk in Braunschweig. In Cuxhaven entsteht eine Fabrik für Offshore-Windturbinen.

Geburtshaus in neuem Glanz

Rechtzeitig zum 200. Geburtstag des Unternehmers erstrahlt das Geburtshaus Werner von Siemens’ in neuem Glanz. Das Pächterhaus auf dem Obergut in Lenthe wurde von Grund auf restauriert und birgt auf 100 Quadratmetern eine Vielzahl von Bildern, Schriftstücken und originalgetreue Nachbauten der berühmtesten Siemens-Erfindungen, darunter auch der Zeigertelegraf und die Dynamomaschine, mit deren Konstruktion Siemens den Grundstein für die Nutzung der Elektrizität zur Energieversorgung legte. Anhand der Exponate sind die wichtigsten Stationen im Leben des Erfinders nachzuvollziehen.

Werner von Siemens kommt übrigens auch selbst zu Wort. Basierend auf seiner Autobiografie „erzählt“ er in animierten Kurzfilmen einige Episoden aus seinem ereignisreichen Leben: von seinen Erlebnissen als Offizier im Deutsch-Dänischen Krieg, seinen Erfolgen als Erfinder auf dem Gebiet der elektrischen Telegrafie oder den Herausforderungen beim Verlegen von Nachrichtenkabeln auf hoher See.

Das Haus steht bis heute auf dem Anwesen der Familie von Lenthe, die sich auch um die Bewirtschaftung des Museums kümmert. Modernisierung und Ausstattung hat im Wesentlichen die Werner-Siemens-Stiftung mit Sitz im schweizerischen Zug finanziert. Der Besuch ist kostenlos. Geöffnet hat das Geburtshaus in Lenthe sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Näheres im Internet unter www.siemens-geburtshaus-lenthe.de.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 81,33 -1,21%
CONTINENTAL 182,11 +0,06%
DELTICOM 17,76 -1,60%
HANNO. RÜCK 103,12 -0,07%
SALZGITTER 34,60 -1,46%
SARTORIUS AG... 69,17 +0,95%
SYMRISE 56,55 +1,41%
TALANX AG NA... 31,57 +0,10%
TUI 13,17 +0,39%
VOLKSWAGEN VZ 126,46 -1,28%
DAX
Chart
DAX 11.149,00 -0,27%
TecDAX 1.740,50 +0,43%
EUR/USD 1,0627 +0,13%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

FRESENIUS... 70,04 +2,56%
FMC 76,25 +2,20%
MERCK 93,94 +1,50%
DT. BANK 17,53 -2,16%
VOLKSWAGEN VZ 126,46 -1,28%
THYSSENKRUPP 23,77 -1,24%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Stabilitas PACIFIC AF 164,92%
Structured Solutio AF 163,72%
Crocodile Capital MF 122,39%
Stabilitas GOLD+RE AF 112,08%
Fidelity Funds Glo AF 98,25%

mehr