Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Wird Nordsee-Fischerei drastisch eingeschränkt?

Pläne Wird Nordsee-Fischerei drastisch eingeschränkt?

Nie wird in Deutschland mehr Fisch gegessen als in der Karwoche. Ausgerechnet jetzt sind Pläne des Bundes bekannt geworden, dass die Nordsee-Fischerei drastisch eingeschränkt werden soll. Damit soll verhindert werden, dass weiterhin so viele Schweinswale und Vögel qualvoll in Fischernetzen verenden.

Voriger Artikel
Berater suchen Investor für die EDC
Nächster Artikel
Half die Nord/LB bei Steuerhinterziehung?

Der Bund will die Fischerei in der Nordsee drastisch einschränken.

Quelle: dpa

Berlin. Zum Schutz von Schweinswalen, Vögeln, Riffen und Kleingetier am Meeresboden will der Bund in großen Gebieten der Nordsee die Fischerei teils ganzjährig verbieten. Verbände der Fischer reagierten am Mittwoch mit scharfer Kritik, weil sie Einbußen befürchten. Nach ihrer Ansicht schießen die Pläne über das Ziel hinaus. Widerspruch gibt es auch aus der Landespolitik.

Betroffen ist vor allem die Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen in den Schutzgebieten Östliche Deutsche Bucht und Sylter Außenriff vor der schleswig-holsteinischen Küste, Borkum Riffgrund vor Niedersachsen und Doggerbank, die noch weiter draußen liegt. "Es ist gut für die Natur, aber es ist auch gut für die Fischer, wenn es Schutzzonen gibt, in denen sich die Bestände erholen können", sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die zunächst über die Pläne berichtet hatten.

Hendricks erntete harsche Kritik: Wenn der Bund 30 Prozent der deutschen Nordseefläche sperren wolle, sei das nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist so, als nähme man einem Bauern ein Drittel seiner Fläche weg." Deutschland sollte wie andere Länder die Verbotszonen präziser definieren und nicht riesige Flächen ausweisen. Der Verband hält die Pläne zum Teil für rechtswidrig.

Die Netze sind das Problem

Für ein zielgenaueres Vorgehen ist auch der Kieler Fischerei- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die heimischen Krabbenfischer drohten unverhältnismäßig stark belastet zu werden. Er werde sich dafür einsetzen, dass dies verhindert wird. Insgesamt begrüßt die Landesregierung laut Habeck aber die Absicht, Schweinswale, Seevögel, Riffe und Sandbänke besser zu schützen.

Das Bundesumweltministerium argumentiert so: Mit teils tonnenschweren Grundschleppnetzen werde der Meeresboden bis zu 20 Mal im Jahr umgepflügt, um Fische aufzuscheuchen und im Netz zu fangen. Darunter litten Muscheln, Schnecken und Seeigel, das Meeresökosystem werde dauerhaft geschädigt. In langen Stellnetzen zum Fang von Kabeljau und Plattfischen wiederum verfingen sich Schweinswale und Seevögel, die diese Fische jagen. Schweinswale ersticken und Vögel ertrinken.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) betonte, Fischerei sei abhängig von einer intakten Umwelt. "Eine verlässliche Zukunft für die Fischwirtschaft kann es nur geben, wenn die Fischerei nachhaltig, das heißt, im Einklang mit der Natur und in Vorsorge für künftige Generationen betrieben wird." Die geplanten Maßnahmen seien ein guter Ausgleich zwischen Naturschutzzielen und den Interessen einer nachhaltigen, wirtschaftlich auskömmlichen Fischerei. Die Pläne müssen noch mit den anderen Nordsee-Ländern abgestimmt werden.

Greenpeace begrüßt die Pläne

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Pläne grundsätzlich, forderte aber auch ähnliche Regelungen für die Ostsee und mehr Einschränkungen für die Krabbenfischerei. Fischereiexperte Thilo Maack kritisierte, Deutschland habe es nach der Ausweisung der Schutzgebiete im Jahr 2007 in sechs Jahren nicht geschafft, dort die menschlichen Aktivitäten zu beschränken und sich deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren der EU eingehandelt. "Das hängt jetzt wie ein Damoklesschwert über der Bundesregierung und ist der Hintergrund für die jetzigen Vorschläge."

Die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven lehnt das Unterfangen ab. Wenn 30 Prozent der Fangfläche gesperrt werden, senke das nicht den Fischereidruck, sagte Geschäftsführer Kai-Arne Schmidt. "Die Fischerei verlagert sich nur auf die übrigen 70 Prozent, was für diese Gebiete auch Konsequenzen hätte." Auch werde beim bodennahen Krabbenfischen nicht unterschieden, welches Schleppgerät zum Einsatz kommt. Es mache einen Unterschied, ob ein vier bis fünf Tonnen schweres Geschirr über den Meeresboden gezogen wird oder ob es nur 500 Kilogramm wiege.

Krabbenfischer befürchten Probleme

Der Fischereibiologe Philipp Oberdörffer, der das operative Geschäft für die Erzeugergemeinschaft leitet, befürchtet große Probleme für die Krabbenfischer: "Es wäre vielleicht nicht der Todesstoß, aber ein weiterer Spatenstich". Schon durch projektierte Windparks falle ein großer Teil der Fanggebiete weg. Schmidt mahnte mehr Augenmaß an. Es sei nicht nachvollziehbar, dass etwa beim Sylter Außenriff 2500 Quadratkilometer gesperrt werden sollen, wenn der eigentliche Schutzbereich nur 150 Quadratkilometer umfasse.

Die EU-Mitglieder hatten sich im Dezember 2015 auf die Fangmengen für die Nordsee in diesem Jahr geeinigt. Demnach dürfen die Fischer rund 36 Prozent mehr Schellfisch fangen als 2015, 19 Prozent mehr Scholle, 16 Prozent mehr Hering und 15 Prozent mehr Kabeljau. Bei Seelachs bleibt die Quote konstant. Bei der Makrele sinkt sie um 14 Prozent.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Nach dem großen VW-Abgasskandal sind etwa 2,4 Millionen Kunden bundesweit von der gigantischen Rückrufaktion betroffen. Einer von ihnen ist HAZ-Redakteur Enno Janssen. In einer Serie berichtet er, wie es nun für ihn und die anderen Kunden wirklich weitergeht. mehr

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 65,66 +0,27%
CONTINENTAL 175,37 +2,90%
DELTICOM 15,71 +2,58%
HANNO. RÜCK 96,00 +1,58%
SALZGITTER 24,83 +4,23%
SARTORIUS AG... 68,63 +2,82%
SYMRISE 61,62 -0,07%
TALANX AG NA... 27,22 +1,72%
TUI 10,77 +4,82%
VOLKSWAGEN VZ 113,81 +4,36%
DAX
Chart
DAX 9.761,00 +0,84%
TecDAX 1.616,50 +0,97%
EUR/USD 1,1130 +0,24%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

VOLKSWAGEN VZ 113,81 +4,36%
THYSSENKRUPP 18,83 +4,11%
CONTINENTAL 175,37 +2,90%
ALLIANZ 127,31 -1,51%
BEIERSDORF 83,92 -1,40%
DT. BÖRSE 72,99 -1,08%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
AXA IM Fixed Incom RF 210,09%
Bakersteel Global AF 178,90%
Stabilitas PACIFIC AF 174,84%
Stabilitas GOLD+RE AF 138,71%
Structured Solutio AF 115,18%

mehr