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Niedersachsen Wird Rossmann zum IhrPlatz-Retter?
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19:04 18.07.2012
Nun ist es offiziell: Rossmann will 104 der IhrPlatz-Filialen übernehmen, die Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Quelle: dpa
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Burgwedel

Rossmann als Retter in der Not - diese Botschaft dürfte Drogerie-Guru Dirk Roßmann angesichts des Dauerwettstreits um die Zukunft der Schlecker-Tochter IhrPlatz gefallen. Erst grundsätzliches Interesse an bis zu 80 Läden, dann ein vorläufiger Rückzieher wegen vorpreschender Konkurrenten, nun das Aufstocken des Übernahmeplans auf 104 Filialen: Der Gründer von Deutschlands zweitgrößter Drogeriekette hat sich die Entscheidung zum Einstieg bei dem insolventen früheren Rivalen nicht leicht gemacht.

Doch selbst wenn der Hobby-Philosoph aus Burgwedel bei Hannover nach der Zustimmung der Kartellbehörden zum Zug kommen sollte, ist die Lage der meisten IhrPlatz-Beschäftigten alles andere als rosig. Denn das gesamte Netz des einstigen Schlecker-Ablegers aus Osnabrück umfasst mit bundesweit 490 Geschäften fast das Fünffache der Filialzahl, die Rossmann konkret im Visier hat. Übernimmt ein zweiter Investor den gesamten Rest? Bleibt der Name IhrPlatz? Geht das Rosinenpicken weiter und wird der Rest hinten runter fallen?

Für die Beschäftigten bleibt Unsicherheit, längst sind nicht alle Fragen geklärt. Nach dem Aus für Schlecker - die Schließungen kosteten bis Ende Juni 25 000 Mitarbeiter den Job - sowie für die Tochter Schlecker-XL mit 1100 Beschäftigten droht IhrPlatz seit Mittwoch eine Aufspaltung. Zwar haben diejenigen, die zu Rossmann wechseln, eine feste Perspektive: „Im Rahmen des Vertrags werden alle Mitarbeiter dieser Filialen übernommen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung mit IhrPlatz-Insolvenzverwalter Werner Schneider. Rund 800 Jobs sollen langfristig gesichert werden.

Klar ist aber ebenso: Während die übernommenen IhrPlatz-Läden relativ rasch in die Strukturen der deutschen Nummer zwei einzubauen sein dürften, stehen die übrigen der insgesamt gut 4000 Angestellten noch ohne greifbares Ergebnis da. Sie müssen auf weitere Bewerber aus der Gruppe möglicher Investoren hoffen, die sich einen Wettlauf um die Filetstücke aus dem ehemaligen Schlecker-Reich liefern. Der Branchenprimus dm hat sich bereits neun Filialen gesichert, auch die Badener wollten sich bis zu 80 Verkaufsstellen genauer ansehen. Branchenkreisen zufolge sollen auch die österreichische MTH Retail Group (Pfennigpfeiffer, Mäc-Geiz) und der Münchner Investor Dubag weiter im Rennen um die 386 restlichen IhrPlatz-Filialen sein.

Außerdem hat die fränkische Textilhandelskette NKD ein Auge auf IhrPlatz geworfen. Dort wollte man sich auch nach dem Durchsickern der Rossmann-Offerte nicht näher in die Karten schauen lassen. Das Projekt sei zur „unverbindlichen Prüfung“ angeboten worden, berichtete NKD-Personalleiter Jörg Roßberg. „Wir bitten um Verständnis, dass wir deshalb weder zu dessen geplantem Umfang noch zu dessen Ausgang etwas sagen können.“

Dass die ohnehin in heftigen Preiskämpfen geübte Branche mit dem Rossmann-Einstieg bei IhrPlatz noch stärker durcheinandergewirbelt wird als bisher, halten Beobachter eher für unwahrscheinlich. „Es ging in den letzten Monaten ziemlich hin und her. dm und Rossmann haben jedoch immer gesagt, dass sie nicht das ganze Schlecker-Netz haben wollen, sondern sich nur für attraktive Innenstadt-Lagen interessieren“, sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE).

Die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt dürften dem HDE-Mann zufolge auch deshalb gering bleiben, weil die Konkurrenz durch Lebensmittel- Discounter hoch bleibe: „Es sind viele Anbieter im Drogeriegeschäft unterwegs, da wird es keine großen Verschiebungen geben.“ Und die Schlecker-Pleite habe den anderen Anbieter schon Vorteile verschafft.

Für den Patriarchen des einstigen Drogerie-Imperiums wird es derweil eng. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft startete am Mittwoch Untreue-Ermittlungen gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte. Bei den vielerorts auf der Straße stehenden Schlecker-Frauen dürfte sich die Wut auf die alte Chefriege noch erhöhen: Eine staatliche finanzierte Transfergesellschaft hatte die Politik auch mit der Begründung abgelehnt, dass man mögliche Ungereimtheiten im Hause Schlecker zunächst einmal juristisch klären müsse.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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