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Wirtschaft glaubt nicht an goldenen Herbst

Konjunkturaussichten Wirtschaft glaubt nicht an goldenen Herbst

Die Wirtschaft im Großraum Hannover droht den Anschluss an den Rest der Republik zu verlieren. Während das Wachstum bundesweit kräftig an Fahrt gewonnen hat, stehen Hannovers Firmen auf der Bremse.

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Auch die Baubranche rechnet in Niedersachsen mit einem Ende des Booms. Foto: dpa

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. „Von einem goldenen Konjunktur-Herbst sind wir in unserer Region erkennbar entfernt“, sagte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. Im Gegensatz zum Bundestrend sind die Auftragseingänge der hannoverschen Industrie rückläufig, haben sich die Erwartungen in fast allen Branchen deutlich verschlechtert.

Im HAZ-Hannover-Trend, der gemeinsam mit Arbeitsagentur, Creditreform und IHK entsteht, hat sich das Konjunkturklima im dritten Quartal deutlich eingetrübt. Der entsprechende Indexwert sank um sechs auf 110 Punkte. Zum Vergleich: Der bundesweit ermittelte Ifo-Index ist vor wenigen Tagen auf ein Zwei-Jahres-Hoch gestiegen. Gleichzeitig wuchs in der Region die Zahl der Pleiten - ebenfalls gegen den Bundestrend. Erstmals seit 2014 haben wieder mehr als 200 Firmen in einem Quartal einen Insolvenzantrag gestellt. Zwar wurden im selben Zeitraum mehr als doppelt so viele Firmen gegründet, doch das dritte blieb hinter den Vorquartalen zurück.

Den „kühlen Ausblick“ der Industrie erklärte Schrage damit, dass derzeit ausgerechnet die wichtigsten Exportmärkte der hannoverschen Unternehmen schwächelten: die Niederlande, Großbritannien, Frankreich. Außerdem bekommen Zulieferer und Dienstleister zunehmend die Sparpolitik von Volkswagen zu spüren. „Die Auswirkungen sind noch lange nicht komplett absehbar“, sagte Hannovers Creditreform-Chef Holger Bissel.

Wohl auch deshalb haben sich gerade die Erwartungen der Zulieferer besonders stark eingetrübt. Hier gehen inzwischen mehr Befragte von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus als von einer Verbesserung. Auch die unternehmensnahen Dienstleister, die vor allem von der heimischen Industrie leben, rechnen nicht mit weiterem Wachstum.

Auffallend ist zudem, dass die sommerliche Sektlaune der Einzelhändler verflogen ist. Der Branchenindex stürzte um fast 20 auf 95 Punkte ab. Selbst die boomende Baubranche stellt sich inzwischen auf stagnierende Geschäfte ein. „Der Schwung aus der ersten Jahreshälfte ist verflogen“, umschrieb Schrage die Lage. „Es wäre töricht, von einem ,Weiter so‘ auszugehen“, ergänzte Bissel. Zumal die Finanzkraft der mehr als 40 000 Firmen in der Region weiter zu wünschen übrig lässt: Der Bonitätsindex von Creditreform verharrt seit gut zwei Jahren mehr oder weniger auf einem Allzeittief.

Einzig der Arbeitsmarkt lässt sich von den Konjunkturschwankungen nicht beeindrucken. Mehr als 8500 Stellen wurden der Arbeitsagentur im dritten Quartal gemeldet, so viele wie im Vor- und mehr als im Vorjahresquartal. „Der Bedarf an Fachkräften kann nur mit zeitlicher Verzögerung gedeckt werden“, sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Leiterin der Arbeitsagentur in Hannover. Das gelte vor allem für den Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Metallverarbeitung und die Logistikbranche. Jedes dritte Unternehmen brauche inzwischen mehr als zwei Monate, um offene Stellen zu besetzen, berichtete IHK-Mann Schrage. „Der Fachkräftemangel ist zu einem immer größeren Risiko für die regionale Wirtschaft geworden.“

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