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Niedersachsen „VW ist elementar für Niedersachsen“
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen „VW ist elementar für Niedersachsen“
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00:17 27.09.2015
Von Lars Ruzic
Niedersachsens Wirtschafts­minister Olaf Lies.  Quelle: dpa
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Herr Lies, eine niedersächsische Redewendung sagt: „Wenn VW hustet, bekommt das Land eine Grippe.“ Worauf müssen wir uns denn dann angesichts des Abgas-Skandals einstellen? 
Es gilt jetzt, alles dafür zu tun, dass es höchstens eine kleine Erkältung wird. Die aktuellen Sorgen sind verständlich, und die Auswirkungen dieser Affäre sind auch wirklich noch nicht absehbar. Aber wir arbeiten intensiv daran, die Grundlagen dafür zu legen, dass die Kunden Volkswagen wieder vertrauen können. Fast jeder dritte Industriearbeitsplatz hängt in Niedersachsen an der Autobranche. Allein VW hat hier weit mehr als 100.000 Beschäftigte. Wir wissen also genau, wie elementar dieses Unternehmen für das Land ist.

Die ersten Kommunen in Niedersachsen stellen schon ihre Haushaltsberatungen zurück, weil sie um ihre Gewerbesteuereinnahmen fürchten. Ist das übertrieben?
Zu glauben, der zu erwartende Gewinneinbruch bei Volkswagen in diesem Jahr hätte keine Auswirkungen, wäre blauäugig. Alle Beteiligten müssen jetzt daran arbeiten, die Folgen durch konsequentes Handeln im Griff zu halten. Wir müssen lückenlos aufklären und den Kunden erklären, dass sich die Affäre auf einen Motor von gestern beschränkt, die Maschinen in den neuen Fahrzeugen also gar nicht betroffen sind. Dann können wir auch wieder Vertrauen zurückgewinnen. VW ist ein großartiges Unternehmen mit einer großartigen Mannschaft.

Die Beschäftigten hat der Skandal tief verunsichert. Was kann man tun?
Es muss klar sein, wie es weitergeht. Das wollen wir bei der Aufsichtsratssitzung regeln - mit einem neuen Vorstandsvorsitzenden und einem externen Ausschuss, der alle Vorgänge aufklärt. Wir wollen den Mitarbeitern zeigen: So dramatisch die Situation auch ist - wir haben sie im Griff. Die Belegschaft ist die Grundlage für den Erfolg des Konzerns. Jetzt geht es darum, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Sie fordern Aufklärung und personelle Konsequenzen. Ist man zum Kern des Problems überhaupt schon vorgedrungen?
Ich erwarte mir von der Aufsichtsratssitzung am Freitag jedenfalls deutlich mehr Informationen. Bisher habe ich das meiste noch aus der Zeitung erfahren. Dann muss es sehr zügig Konsequenzen geben - nicht nur personell. Wir müssen die Informationswege und Entscheidungsstrukturen im Konzern hinterfragen und wenn nötig reformieren.

Interview: Lars Ruzic

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