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Niedersachsen Ende der Zuckerquote heizt Tarifstreit an
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ende der Zuckerquote heizt Tarifstreit an
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00:18 13.07.2018
Angestauter Unmut: 300 Beschäftigte der Zuckerindustrie demonstrierten gestern vor der Arbeitgeberzentrale in Hannover. Quelle: Foto: Schaarschmidt
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Hannover

Der Organisationsgrad der Belegschaften in der Zuckerindustrie ist fast so hoch wie bei Volkswagen, die Streikbereitschaft hingegen orientiert sich eher an Amazon: Entsprechend schwer tut sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gasstätten (NGG), ihre Mitglieder in der kleinen Branche zum Arbeitskampf zu animieren. Dass es ihr gelungen ist, rund 300 der insgesamt 5500 Beschäftigten zu einer Kundgebung nach Hannover zu locken, sei deshalb ein guter Gradmesser für den angestauten Unmut, sagte NGG-Verhandlungsführer Thomas Bernhard am Dienstag: „Die Arbeitgeber hatten nur völlig unzureichende Angebote abgegeben.“

Die Gewerkschaft forderte eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen um 5,5 Prozent rückwirkend ab 1. April 2018 – und nannte das „moderat“. Man habe dabei schon berücksichtigt, dass sich die Lage der Branche nach dem Auslaufen der EU-Zuckermarktordnung nachhaltig verändert habe, hieß es. „Wir werden es jedoch nicht zulassen, dass die Arbeitgeber den selbst herbeigeführten Preisverfall für Zucker nutzen und sich weigern, die Löhne auf ein Niveau anzuheben, das den üblichen Tarifabschlüssen nahe kommt“, erklärte NGG-Vize-Chef Guido Zeitler vor der dritten Verhandlungsrunde in Hannover. „Die enorme Steigerung der Produktivität muss sich auf die Einkommen der Beschäftigten auswirken.“

Das sieht die Industrie anders. Das Ende der alten Zuckermarkt-Ordnung bedeute eine Zeitenwende, hieß es beim Arbeitgeberverband der Zuckerfabriken Norddeutschlands. Nach dem Ende der Zuckerquote haben die Bauern deutlich mehr Rüben angebaut, in der Folge sind die Preise abgestürzt – in der EU von 550 auf 363 Euro je Tonne Zucker, auf dem Weltmarkt werden derzeit nur noch 296 Euro gezahlt. „Die Lage ist wirklich ernst“, hatte Nordzucker-Chef Lars Gorissen kürzlich bei der Hauptversammlung erklärt. Der Konzern stelle sich spätestens für das nächste Geschäftsjahr auf „einen ganz erheblichen Verlust“ ein.

Dass die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Tarifverhandlungen weit auseinander liegen, ist nicht ungewöhnlich – doch die Zuckerbranche muss sich erst daran gewöhnen. So lange die EU ihren Markt gegen die weltweite Konkurrenz abschotten konnte, profitierten Mitarbeiter wie Rübenbauern gleichermaßen von den hohen Gewinnen der Zuckerproduzenten.

Gestern nachmittag haben sich beide Seiten doch noch auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt: Rückwirkend zum 1. April gibt es für die Beschäftigten 2 Prozent mehr Geld, die Laufzeit beträgt zwölf Monate. Einen Streik hatte die NGG ohnehin ausgeschlossen. „In den Betrieben gibt es ein besonderes Verständnis von Sozialpartnerschaft“, sagte ein Gewerkschafter. „Für einen Arbeitskampf sind unsere Leute einfach noch zu zufrieden.“

Von Jens Heitmann

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