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Wer legt sich da eigentlich mit VW an?

Zulieferer Prevent Wer legt sich da eigentlich mit VW an?

Von Montag an stehen bei VW in Wolfsburg die Montagebänder für den Golf still. So weit ist der Streit mit dem Zulieferer gediehen. Wer steckt aber hinter den beiden Mittelständlern, die VW die Teile verwehren? Es ist ein Firmenkonglomerat mit bosnischen Wurzeln. Eine Spurensuche.

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Kleiner Nachbar von VW: Die Zulieferfirma Prevent hat ihr Bürogebäude in Wolfsburg. Zu Prevent gehören die sächsischen Unternehmen ES Automobilguss in Schönheide und Car Trim in Plauen, die sich weigern, den Autokonzern zu beliefern.

Quelle: Julian Stratenschulte

So nah und doch so fern. Vom ihrem Bürohaus an der Hannoverschen Straße in Wolfsburg-Warmenau haben die Prevent-Mitarbeiter ihren wichtigsten Kunden immer im Blick. Ein paar Hundert Meter südlich erstreckt sich das gewaltige Gelände des Volkswagen-Werks, der größten zusammenhängenden Autofabrik der Welt. Jahrelang hat man eng mit dem Riesen nebenan zusammengearbeitet - jetzt dürfte das Verhältnis unwiederbringlich zerstört sein.

Seit Tagen fehlen den Prevent-Managern die Worte, wenn sie nach einer Stellungnahme zum Streit mit Volkswagen gefragt werden. Man arbeite daran, heißt es. Dies werde wohl noch dauern. Rein formal wird Volkswagen ohnehin von zwei Firmen aus Sachsen lahmgelegt - dem Sitzbezugshersteller Car Trim und ES Automobilguss. Mit denen sei man juristisch gar nicht verbunden, und man habe auch keinen Zugriff auf sie, ließ die deutsche Führungsgesellschaft Prevent DEV GmbH wissen. Dies ist freilich eine sehr formalistische Sicht der Dinge.

Prevent ist ein Konglomerat unzähliger Firmen der bosnischstämmigen Familie Hastor - und seit wenigen Monaten gehören auch Car Trim und ES dazu. Familienunternehmen sprechen gern von einer „Gruppe“, wenn sie nicht näher auf die Verzweigungen ihrer Beteiligungen eingehen wollen. Die Prevent-Gruppe komme weltweit auf 12 000 Mitarbeiter an 30 Standorten, erklärte der sächsische Zulieferer Car Trim in einer Mitteilung, nachdem er von Prevent übernommen worden war. Neben der Autozulieferung ist Prevent auch in den Geschäftsbereichen Bekleidung, Möbel und Heimtextilien aktiv.

Es gibt noch mehr Verbindungen zu VW

Mit dem Leder- und Textiliengeschäft ist Prevent in der bosnischen Heimat der Familie Hastor zum größten privaten Arbeitgeber des Landes aufgestiegen. Die deutsche Dependance Prevent DEV befasst sich - dafür steht die Abkürzung im Firmennamen - eher mit Design, Entwicklung und Vertrieb. Firmenpatriarch Nijaz Hastor und seine Söhne Damir und Kenan sollen ihren Lebensmittelpunkt schon lange in Wolfsburg haben, sind bosnischen Medien zufolge aber auch häufig in Sarajevo anzutreffen. Die beiden Brüder sollen das Geschäft inzwischen vom Vater übernommen haben.

Die Verbindungen zu Volkswagen sind mannigfach. Prevent ist nicht nur ein wichtiger Zulieferer für Sitzbezüge. Man betreibt auch gemeinsam das VW-Werk in Sarajevo, das Motor- und Fahrwerkskomponenten produziert. Vor rund zehn Jahren, als ein Verkauf der VW-Sitze-Tochter Sitech erwogen wurde, warf Prevent ebenfalls seinen Hut in den Ring. Sitech blieb am Ende aber doch im Volkswagen-Konzern - und wartet heute verzweifelt auf Sitzbezüge aus dem Prevent-Reich.

In VW-Kreisen wird darüber spekuliert, dass die neue Konfliktfreude der Gruppe mit dem Generationswechsel bei den Hastors zusammenhängen könnte. Die beiden Brüder, die auch die Prevent Holding GmbH von Wolfsburg aus führen, sind offenbar dabei, die Firmengruppe neu zu organisieren. So wird derzeit der Möbel-Zweig des Firmengeflechts gestärkt. Im vergangenen Jahr erwarb eine Prevent-Tochter einen Polsterhersteller in Hochstadt. Und eine von Kenan Hastor geführte Firma namens Tahoe Investors - ebenfalls mit Sitz in der Hannoverschen Straße - steigt gerade in großem Stil beim angeschlagenen Küchenhersteller Alno ein. Man hat sich den Zugriff auf gut 14 Prozent der Anteile gesichert und verspricht Alno Kredite im Gesamtvolumen von 35 Millionen Euro. Alno-Chef Max Müller freute sich bereits über „einen strategischen Großinvestor“.

Kunden bangen um pünktliche Lieferung

Wegen des angekündigten Produktionsstopps bei Volkswagen bangen Autokäufer um die Lieferung ihrer Autos. „Wir haben die ersten Anrufe von Kunden, die sich Sorgen machen, ob ihr Auto pünktlich kommt“, sagte VW-Händler Ernst-Robert Nouvertné aus Solingen. Nouvertné sitzt auch im Vorstand des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Aufgrund des Streits mit dem Zulieferer muss VW im Wolfsburger Stammwerk die Bänder für das Modell Golf anhalten. In Emden steht wegen des Problems bereits Kurzarbeit an.

In einem Schreiben an die Händler hieß es vom VW-Vertrieb, das Unternehmen rechne mit einer Entspannung der Lage. Bei einzelnen Fahrzeugen könne es aber zu Verzögerungen kommen. Falls nötig will sich VW zusammen mit den Händlern darum bemühen, dass die Kunden mobil bleiben. Der Konzern will die Händler auf dem Laufenden halten: „Sollte es in Abhängigkeit der weiteren Entwicklung nicht zu der prognostizierten Entspannung kommen, werden wir uns unverzüglich bei Ihnen melden.“ Laut Nouvertné sollen Fahrzeuge, deren Lieferzeitpunkt bereits zugesagt wurde, pünktlich kommen. Am Freitagmorgen seien die Liefertermine in dem EDV-System, mit dem Hersteller und Händler gemeinsam planen, noch unverändert gewesen.

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