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Wintershall befürchtet Ende der heimischen Energieindustrie

Öl- und Gasförderung Wintershall befürchtet Ende der heimischen Energieindustrie

Deutschlands größter Erdöl- und Erdgasproduzent Wintershall fürchtet um die Zukunft der heimischen Energieindustrie. Sollten nicht bald gesetzliche Regelungen zum umstrittenen Fracking gefunden werden, rechnet Vorstand Martin Bachmann im Gespräch mit der HAZ mit drastischen Auswirkungen vor allem für Niedersachsen.

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Martin Bachmann, Wintershall-Vorstand für Europa, befürchtet einen Rückgang der Investitionen im heimischen Energiesektor.

Quelle: Wintershall

Hannover. Hannover. Die Energieindustrie drängt auf rasche Fortschritte in der Debatte um die heimische Erdgas- und Erdölproduktion. ,,Wenn in Berlin nicht bald ein gesetzlicher Rahmen zum Fracking verabschiedet wird, geht vor allem Niedersachsen ein ganz wichtiger Industriezweig verloren", sagte Martin Bachmann, Europa-Vorstand von Branchenprimus Wintershall, am Mittwoch der HAZ: ,,Wir sind an einem Punkt, wo es um das Überleben der Öl- und Gasindustrie in Niedersachsen geht, wo 95 Prozent des deutschen Erdgases herkommt." Am Donnerstag will das Tochterunternehmen von BASF in Kassel seinen Jahresrückblick und den Ausblick auf das kommende Jahr vorstellen.

Gerade hat das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Umfrage bei Industriefirmen in Niedersachsen einen verstärkten Trend zum Gang ins Ausland ausgemacht. Als Gründe wurden unter anderem hohe Produktionskosten, aber auch die hohen Energiekosten genannt. Während Deutschland zunehmend auf - vergleichsweise teure - erneuerbare Energien wie Wind und Wasser setzt, geht der Anteil der heimischen Erdöl- und Erdgasproduktion, mit der der deutsche Bedarf gedeckt wird, immer weiter zurück: Innerhalb der letzten 20 Jahre hat er sich von mehr als 22 auf 11 Prozent halbiert.

Insbesondere die Erdgasförderung sei durch die Diskussion um das umstrittene Fracking, eine Fördermethode mit Chemikalieneinsatz, fast zum Erliegen gekommen, sagt Wintershall-Vorstand Bachmann. ,,Allein bei unserem Unternehmen gibt es in Deutschland einen Investitionsstau von 100 Millionen Euro", berichtet der Geophysiker, ein gebürtiger Schweizer. Da die deutschen Behörden im Rahmen eines Quasi-Moratoriums nicht einmal mehr das seit Jahrzehnten etablierte konventionelle Fracking in mehr als 3000 Meter Tiefe genehmigten, sei die Gasförderung allein seit 2011 um ein Drittel gesunken.

,,Bisher leiden darunter vor allem die Subunternehmer und die Zulieferindustrie in Celle," sagte Bachmann. Wintershall sei gut aufgestellt, habe seine rund 400 Arbeitsplätze in Niedersachsen noch halten können und bis zuletzt zweistellige Millionenbeträge investiert, vor allem in das Forschungszentrum in Barnstorf (Kreis Diepholz), das als Erprobungsstandort für das internationale Geschäft wichtig sei. ,,Auch dort liegt die Erschließung weiterer Erdgasvorkommen auf Eis", berichtet der Vorstand.

Zwar sei Fracking bei der Ölförderung in Deutschland kein Thema, doch ein Ende der heimischen Gasförderung würde den Energiestandort insgesamt infrage stellen: ,,Die Frage ist, ob die Ölförderung allein unsere Industrie stützt." Die Branche habe sich mit einem Gesetzentwurf einverstanden erklärt, der weitreichende Einschränkungen und große Rücksichtnahme auf den Trinkwasserschutz vorsehe, sagt Bachmann. Auch bei der Sanierung von Altlasten und den Erdbebenmessungen habe man sich stets kooperativ gezeigt.

Die niedersächsische Landesregierung setze sich seit Jahren vorbildlich für eine gesetzliche Regelung ein, meint der Wintershall-Vorstand, der auch für das Geschäft im Mittleren Osten zuständig ist. Nun sei die Bundesregierung am Zug und müsse den Entwurf endlich in den Bundestag einbringen: ,,Wir sind mit unserer Geduld bald am Ende."

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