„Das war der besucherstärkste Tag“, bilanziert Hartwig von Saß, Sprecher der Deutschen Messe AG. Wie an allen Tagen der CeBIT habe es auch am Sonnabend einen leichten Besucherzuwachs gegeben. „Insgesamt hatten wir dieses Jahr 334.000 Besucher auf dem Messegelände.“
Aber nicht alle Besucher zeigten sich mit dem Messeangebot zufrieden: „Man merkt schon, dass das vor allem eine Messe fürs Fachpublikum ist“, meint Jürgen Mähl, der mit seinem Sohn extra aus Essen angereist ist, um sich ein Bild von der Konsumententechnik der Zukunft zu machen. „Der Verbraucher kommt zu kurz. “ Zudem sei die Messe ziemlich unübersichtlich. Enttäuscht waren auch Sven Petschull und Sabine Büchner aus Dresden. Die beiden waren am Mittag am Messegelände angekommen – und stießen bald auf Aussteller, die ihre Stände bereits abbauten. „Wenn man viele Kilometer fährt und viel Geld für die Karten bezahlt, ist das echt ärgerlich.“ Gestört fühlten sich die Dresdener auch von dem vielem Müll, den unachtsam weggeworfenen Faltblättern und leeren Flaschen, die etwa auf der „Golden Mall“ am Nachmittag herumlagen. „Nicht gerade einladend.“
Für viele andere jedoch endete die CeBIT erfolgreich: Besonders Jugendliche, die während der Woche keinen Zugang zur Messe hatten, nutzten den Tag, um sich bei den Ausstellern über Ausbildungsmöglichkeiten und Praktika zu informieren. „Ich habe mich bei Microsoft über die Jobmöglichkeiten erkundigt und weiß jetzt, was ich beruflich machen will“, sagt Michael Ahrens aus Hamburg.
Wie die Schule der Zukunft aussieht, schaut sich Referendarin Franziska Kretzer an. Im digitalen Klassenzimmer von Microsoft schiebt sie auf dem berührungsempfindlichen Tisch Quizkarten hin und her, begutachtet das Whiteboard und die Schüler-Netbooks. „So eine technische Ausstattung eröffnet uns Lehrern ganz neue Möglichkeiten“, sagt die 23-Jährige begeistert.
Für viele Besucher steht der spielerische Umgang mit der Technik im Vordergrund. So bedient Roman Lossa eine gesamte Küchenzeile mit wenigen Fingerzeigen. Seine Bewegungen werden von einer Infrarotkamera gefilmt. Ganz ohne eine Berührung schaltet er den Ofen an und lässt die Küchenlampe aufleuchten. Eine Handbewegung genügt – und auf dem Monitor öffnet sich ein virtuelles Kochbuch. „Das will ich auch haben“, sagt der CeBIT-Besucher am Stand des Fraunhofer Instituts.
Auch die 20-jährige Sandra Klausmeier ist nach Hannover gekommen, um zu sehen, was die Zukunft bringt. Mit 3-D-Brille auf der Nase bekam sie zumindest einen Vorgeschmack darauf, wie demnächst ferngesehen wird. „Wie tief und scharf das Bild ist, ist wirklich faszinierend. Als würde man mittendrin stehen.“ Die CeBIT ist eben zukunftsweisend.
Händler und Hoteliers ziehen positive Bilanz
Besser als im Vorjahr: Sowohl die Händler in der Innenstadt als auch die hannoverschen Hoteliers ziehen nach der CeBIT eine positive Bilanz – und zeigen sich mit dem diesjährigen Messegeschäft zufrieden. „An einigen Tagen waren die Hotels in Hannover zu 100 Prozent ausgebucht“, sagt Benjamin Wirtz, Leiter der Zimmervermittlung von der Hannover Marketing- und Tourismusgesellschaft (HMTG). Durch viele kurzfristige Buchungen mussten die CeBIT-Besucher teilweise sogar auf Hotels in Celle, Hameln oder Göttingen oder auf Privatzimmer ausweichen. „So eine große Nachfrage hatte keiner erwartet – und wir haben manchmal händeringend nach freien Zimmern gesucht“, sagt Wirtz. Die CeBIT habe nach wie einen Einzugsbereich von über 100 Kilometern, betonte Hans Christian Nolte, Geschäftsführer der HMTG. Insgesamt sei das CeBIT-Geschäft für die Hotels in Hannover deutlich besser gelaufen als noch im Vorjahr. Mit durchschnittlich 200 Euro pro Übernachtung lagen die Preise für Hotelzimmer allerdings rund 20 Euro unter dem Vorjahresschnitt.
Auch das Resümee der Innenstadthändler fällt positiv aus: „Gerade an den letzten Tagen, also am Donnerstag, Freitag und Sonnabend, hat sich die Messe sehr positiv auf die Innenstadt ausgewirkt“, sagt Dirk Aigner, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Die Mehrheit der Geschäfte habe bessere Umsätze gemacht als bei der CeBIT im Vorjahr. „Die Messebesucher haben sehr gut eingekauft.“ Besonders stark nachgefragt wurden nach Angaben von Aigner Stahlwaren wie Töpfe und Pfannen, Parfümerieartikel, Bekleidung und Geschenkwaren. „Die CeBIT hat der Innenstadt sehr gut getan“, sagt Aigner. Erfreulich viele Händler und Gastronomen hätten sich auch an der Plakataktion („CeBIT Welcome“) beteiligt. Zwar seien die Zeiten vorbei, in denen die Messebesucher busweise in Bars einfielen. „Aber die CeBIT-Besucher waren in der Stadt präsent“, meint auch Nolte.
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Kommentare
@Marcus Schwarze und gesamte HAZ-Redaktion Robert – 15.03.10
Ich schätze die in unserem Grundgesetz verbriefte Meinungs- und Pressefreiheit und respektiere deshalb die offene und ehrliche Antwort Ihrer gesamten Redaktion auf meinen nachstehenden Kommentar "CEBIT 2010 hat aus Winnenden nicht gelernt“. Allerdings akzeptiere ich Ihre Antwort in keiner Weise und bleibe unverändert bei meiner Meinung. Das, was Sie als „Daddelbude“ (und so wird wohl im Volksbund eher ein Raum oder eine Halle mit Glückspielautomaten bezeichnet) auf der CEBIT bezeichnen, hat auf mich bei meinem geschilderten Besuch dieser CEBIT-Halle eher als Videoraum eines Terrorcamps gewirkt.Ihre Auffassung hat mich veranlasst, im Buch von Erich Fromm mit dem Titel "Wege aus einer kranken Gesellschaft" sowie im Internet und anderen Medien ganz viel über die unterschiedlichen Meinungen zur Wirkung von Killerspielen auf (auch junge) Menschen zu lesen. Ein amerikanischer Militärpsychologe sagte z.B., derartige Killerspiele würden bei der Militärausbildung die Reaktionsfähigkeit verbessern und die Hemmschwelle des Tötens erheblich senken. Ich las den Brief der Eltern der von dem 17jährigen Amokläufer getöteten Schüler aus Winnenden mit der Forderung, Killerspiele zu verbieten. Ich las auf der Webseite des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, das von Eltern der Opfer geleitet wird, dass u.a. die Anhänger von Killerspielen die Trauernden im dortigen Kondolenzbuch beschimpften, weil sie sich für ein Verbot dieser Spiele aussprachen.
Ich las in der Printausgabe der Neue Presse Hannover am 12.03.2010 ein Interview mit Professor Dr. Pfeiffer, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in dem er auf die Frage „Warum war es einfacher, das Waffenrecht zu ändern als den Zugang zu Killerspielen?“ sagte: "Die Computerspiel-Lobby ist stärker. Sie ist wirklich mächtig, weil sie über riesige Geldumsätze verfügt. Die Argumente waren da, aber sie hatten keine Chance, sich durchzusetzen, obwohl die Beweise weltweit erdrückend sind, das gefährdete, hasserfüllte Jugendliche durch solche Spiele in ihrer Gewaltbereitschaft gestärkt werden. Sie stumpfen ab, verlieren Hemmungen. Vorschläge, wie die Indizierung von Gewaltspielen breiter gestaltet werden könnte – keine Werbung, kein öffentlicher Verkauf und nur an Erwachsene -, wurden nur diskutiert, aber nicht umgesetzt“".
Ich stellte fest, dass die Neue-Presse-Hannover-Online-Redaktion meinen dort eingestellten selben Kommentar, wie er hier nachstehend zu lesen ist und wie er dort bis zum Jahrestag von Winnenden auch für jedermann sichtbar war, danach aus dem offenen in den nur mit Benutzernamen zugänglichen geschlossenen Bereich verschoben hat. Was will die NP-Redaktion verbergen?
Ich las auf der Webseite unseres Bundespräsidenten dessen Ansprache am 11. März 2010 in Winnenden, die er dort anlässlich des ersten Jahrestages des Amoklaufes hielt und in der u.a. sagte: „Zunächst müssen wir uns eingestehen, so schwer das auch fällt: Es gibt keine endgültigen Antworten, keine letzte Sicherheiten vor solchen Gewalttaten. Aber wir wollen uns sicher sein, dass wir alles, wirklich alles Menschenmögliche tun, um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten“ und er äußerte dann konkrete Erwartungen an alle Bürgerinnen und Bürger, an die Medien, an den Besitz und Umgang von Menschen mit Waffen, an den Schutz der Jugendlichen vor Videospielen, bei denen es (so seine Worte) „darum geht, anderen Menschen Gewalt anzutun, ihnen Schmerzen zuzufügen, sie zu töten. Unabhängig davon, ob solche Spiele Handlungsanleitungen für potentielle Täter sind oder nicht – die Meinungen in der Wissenschaft gehen in dieser Frage auseinander. Ich finde, hier müssen wir uns gegen eine drohende Verrohung unserer Gesellschaft gemeinsam zur Wehr setzen und Grenzen ziehen“.
Um dieses „Grenzen ziehen“ ging und geht es mir, sehr geehrte HAZ-Redaktion, und deshalb bat ich Sie in meinem nachstehenden Kommentar um Ihre Mithilfe, leider vergebens.
Re: CEBIT 2010 hat aus Winnenden nicht gelernt Marcus Schwarze (HAZ) – 09.03.10
@RobertWir haben in der CeBIT-Redaktion durchaus darüber diskutiert, wie wir mit der Daddelhalle umgehen. Und ich verstehe ihre Kritik. Ich bin selbst Vater eines Sohnes in jenem Alter, in dem man sich heute zunehmend dafür interessiert, am Computer seine Freizeit zu verbringen.
Persönlich möchte ich solche Spiele nicht generell verdammen. Im Grunde ist es mir sogar lieber, wenn die Jungs von heute derart kontrolliert ihre Neigungen ausleben.
Unabhängig von meiner persönlichen Einschätzung darf man sicher hinterfragen, ob eine Messe der richtige Ort für eine Zurschaustellung von Gewaltspielen ist.
Jetzt werde ich Sie vermutlich überraschen: Denn ich meine - ja, die Messe ist der beste aller denkbaren Orte für die Präsentation von Counter Strike und Co.
Nirgendwo kontrollierter und sinnvoller gibt es eine Öfentlichkeit für diese Freizeitvergnügen als auf der CeBIT. Und nirgendwo sonst kann man sich als Außenstehender ein Bild davon machen. Was sind das für Menschen? Warum sind die so begeistert davon? Man kann hingehen und mit ihnen sogar ins Gespräch kommen.
Mit Blick auf Winnenden hätten wir als Zeitung sicher ausführlicher darüber berichten können. Ihren Beitrag habe ich im kollektiven Gedächtnis unserer Redaktion gesondert markiert (sprich: mit einem Ausrufezeichen an Kollegen gemailt), damit wir beim nächsten Mal ausführlicher und hinterfragender werden. Dafür kann ich zunächst einmal nur Danke sagen.
Beste Grüße
Marcus Schwarze
Redaktion HAZ
CEBIT 2010 hat aus Winnenden nicht gelernt Robert – 08.03.10
Es ist sehr beeindruckend, wie und was die HAZ-Redaktion auf Seite 8 der HAZ-Printausgabe vom 08.03.10 anlässlich des bevorstehenden ersten Jahrestages des Amoklaufes des Tim K. in der Albertville-Realschule in Winnenden und Umgebung unter dem Titel: „Die Lücke ist wahnsinnig groß“ berichtet. Über die Opfer (15 Menschen starben), deren Angehörige, deren Freundinnen und Freunde und Bekannte, über die Mit-Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch über den Täter, dessen Eltern und die von Gutachtern festgestellten Ursachen. U.a. heißt es im HAZ-Bericht vom 08.03.10, dass der Ablauf des Amoklaufs nach Meinung des Psychiaters Reinmar du Bois durch zwei Killerspiele geprägt sei: „Counter Strike“ und „Far Cry 2“. In der Inhaltsangabe zu „Fair Cry 2“ heiße es: „Die zahlenmäßige Überlegenheit und Feuerkraft des Gegners kannst du nur durch List, Überrumpelung, Täuschung und natürlich brutale Gewalt wettmachen“. Das Spiel habe Tims Mutter ihm zu Weihnachten geschenkt.Diese Killerspiele haben mich, der älteren Generation angehörend, an meinen diesjährigen Besuch der CEBIT am Mittwochnachmittag, 03. März 2010, auf dem hannoverschen Messegelände und meinen Besuch der Halle 23 erinnert. Das, was ich dort sah, hat mich sehr geschockt. Eigentlich hätte ich noch am selben Tage gegenüber der Messeleitung protestieren müssen. Erst der v.g. Bericht der HAZ führt nun dazu, was schon am letzten Mittwoch hätte meinerseits geschehen müssen, nun auf diese Weise. In Halle 23 ganz viele Stuhlreihen, über 200 Jugendliche über 16 Jahre (Altersgruppe Tim K., der 17 Jahre jung war), fast ausnahmslos junge Männer, wenige junge Frauen, Stadion-Atmosphäre, Kommentator, auf der Bühne viele Spielcomputer, Fernsehkameras mit Publikumskameras. Auf einer Riesen-Leinwand wird gezeigt, wie sich die weltbesten Computerspieler an den Spielcomputern auf der Riesenbühne , einzeln werden sie vorgestellt und auf der Leinwand und per großer Lautsprecheranlage wie beste Kämpfer dargestellt, beim neuesten „Counter Strike“ (neueste Ausgabe) messen. Ich erlebte zum ersten Mal dieses Spiel genauso, wie es die HAZ im v.g. Bericht über den Amoklauf von Winnenden schildert und mehr: Kampfszenen, die an die Gänge und Räume einer Schule erinnern. Sogenannte Kämpfer, die ein Gebäude stürmen, jede Menge Schüsse aus allen möglichen Waffen, viele Tote, immer im Vordergrund auf allen Videobildern zwei Hände, die eine mit einem Kampfdolch und die andere mit einer Schusswaffe zu sehen.
Und dann lese ich ebenfalls am 08.03.10 in der HAZ unter der Überschrift „Zukunft im Visier: Besucherstärkster Tag auf der CEBIT“, dass viele Jugendliche die CEBIT besuchten, um sich über die neueste 3-Technik, Schüler-Netbooks, das digitale Klassenzimmer von Microsoft usw. zu informieren. Aber über das, was in Halle 23 gezeigt wurde, berichtet die HAZ nicht. Etwas offener, aber nur ein klein wenig, ist da ihre Schwester, die hannoversche Neue Presse. Diese berichtet am selben Tag auf einer ganzen Seite unter „Der Ansturm auf die junge CEBIT“ u.a.: „Für die Jüngsten (Besucher)ist schon am Eingang (der Halle 23) Schluss: „Wegen der Gewaltdarstellungen einiger Spiele ist der Zutritt erst ab 16 Jahren gestattet“ und beschreibt dann, wie es in Halle 23 atmosphärisch zugeht. Aber auch die NP berichtet nicht über die Gewaltdarstellungen in dieser Halle.
Das alles fast ein Jahr nach Winnenden auf der CEBIT 2010 in Hannover. Fast das gesamte Bundeskabinett, an der Spitze unsere Bundeskanzlerin (die vor einem Jahr unter den Gästen der bewegenden Trauerfeier in Winnenden saß) , der niedersächsische Ministerpräsident, der hannoversche Oberbürgermeister, Landes- und Bundespolitiker, die Spitzen der Computer-Industrie und andere Prominente mit insgesamt 334.000 Besucherinnen und Besucher haben die CEBIT besucht und sicher auch viele die Halle 23. Vielleicht wurde dort nur am besagten Mittwochnachmittag einmal „Counter Strike“ gespielt. Nach meiner Auffassung war es einmal zu viel. Solche Gewaltspiele gehören nicht auf die CEBIT, nach meiner Meinung nicht produziert, nicht verkauft und soweit vorhanden, geschreddert und entsorgt. Die CEBIT hat doch auch gezeigt, dass junge Menschen mit anderen Dingen begeistert werden können. Die Gewaltspiele in Halle 23 hätten nicht geschehen dürfen und die CEBIT der Zukunft im Visier (Titel der HAZ) heißt auch: „Aus Winnenden lernen – die Zukunft gestalten“. Noch etwas: Ebenfalls heute am 08.03.2010 suchte ich auch die Spiele-Abteilung von Saturn in Altwarmbüchen auf. Dort im Regal steht sie auch, die neueste Ausgabe von „Counter Strike“, obwohl doch ganze Verkaufsketten nach Winnenden erklärten, solche Killerspiele aus den Regalen zu entfernen.
Es wäre schön, wenn HAZ- und NP-Redaktion meinen Kommentar zum Anlass nehmen und auf Messe-Leitung und weitere für die CEBIT-Verantwortliche einwirken, dass sich so etwas nicht wiederholt, und auf die Firmen einzuwirken, ihre Versprechen nach Winnenden einzuhalten: Kein Verkauf von Killerspielen. Gewalt und Killerspiele sind shit. Und Shit gehört nicht gekauft, nicht in die Verkaufsregale, nicht auf den Geschenketisch, nicht auf die CEBIT, nirgendwohin, ohne wenn und aber.