Hannover. Hannover. Es klingt ein bisschen wie ein Hilferuf. "Große Industrieunternehmen und mittelständische suchen verzweifelt nach innovativen Ideen", sagt Ulrich Dietz, Vorstandsvorsitzender des IT-Unternehmens GFT. Manche großen Unternehmen etwa würden viel Geld ausgeben, um ihr Unternehmen zu erneuern, und kämen trotzdem nicht recht voran. "Mittelständische Unternehmen haben gar nicht erst ein Strategie-Budget." Viele Firmen suchten daher Ideen bei Start-Ups, also gerade gegründeten Unternehmen. "Und wir kümmern uns jetzt richtig um die", erklärt Dietz.
Er ist der Initiator des internationalen Wettbewerbs "Code_n", den auch die Deutsche Messe unterstützt. 50 Finalisten haben sich dabei für die Cebit qualifiziert und dürfen nun in Halle 16 gratis an kleinen, eigenen Ständen ihre Ideen vorstellen. "Junge Unternehmen haben kein Geld und brauchen Freunde", sagt Dietz, der ihnen auf der Cebit eine "Logistikplattform für ihre kreativen Geschäftsideen" bieten will.
Eines der Start-Up-Unternehmen ist Yavalu. Gründer Matthias Lamberti hatte die Idee von einer Finanzplattform, auf der Kunden einfach und verständlich private Geldanlagen planen können. Zusammen mit drei Studenten, die er von der Munich Business School kannte, gründete er Yavalu. "Bei uns kann man mit einem Programm in sieben Fragen klären, wo man sein Geld anlegt", erklärt Adi Hadzimuratovic. "Anschließend kann der Kunde zur Bank gehen und sein Geld nach unseren Tipps anlegen." Yavalu überwacht dabei die Aktienkurse, alarmiert den Anleger bei Zwischenfällen und gibt Ratschläge, was dann zu tun ist. "Bei vielen Banken werden Kunden nur nach Provision beraten, bei uns kostet die Beratung nichts", sagt Hadzimuratovic.
Vom Wettbewerb haben Lamberti und er über ein soziales Netzwerk erfahren. "Jetzt hier umsonst unsere Idee vorzustellen, ist schon toll", sagt Hadzimuratovic. Für eine Messeteilnahme hätte das junge Unternehmen sonst kein Geld. "Wir stecken alles in unser Produkt."
Auch Oliver Lünstedts Idee entstand während des Studiums. Der Hildesheimer schrieb an der TU Berlin seine Diplomarbeit über Elektromobilität und Carsharing. So entstand die Idee von einem privaten Carsharing-Unternehmen. Zusammen mit Kommilitonen setzte er die Idee in die Tat um. "Im Sommer geht’s los", sagt Lünstedt. Carzapp, heißt die Firma, bei der Kunden ihre privaten Autos an andere ausleihen können. Lünstedts Idee besteht darin, dass die Übergabe der Autos nicht nur per Schlüsselübergabe erfolgt, sondern per Code über das Smartphone. "Mit einer App kann die Autotür geöffnet werden, und im Wagen sind dann die Schlüssel", sagt der 27-jährige Jungunternehmer, der auch eine elektronische Wegfahrsperre mitentwickelt hat, die mittels Türöffnung per App aufgehoben wird. "Auf der Cebit suchen wir jetzt Testkunden und Investoren."
"Die Cebit ist einfach super, um Kontakte zu knüpfen", sagt Fabian Seewald, Jung-Direktor von Dundu, einem Teambuilding-Konzept, das aus einem Stuttgarter Kunstprojekt hervorgegangen ist. Dabei wird eine Puppe an Stäben von unterschiedlichen Leuten gelenkt - oder online über Apps von verschiedenen Smartphones. Für Wettbewerbs-Initiator Dietz bedeuten diese und die anderen Ideen nicht nur "innovative Geschäftsmodelle", sondern auch "eine Menge Spaß", sagt Dietz. "Wenn man Neues will, muss man experimentieren."
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