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19. Oktober 2009

Conti zieht einen Schlussstrich

Von Lars Ruzic

Nach monatelangen Machtkämpfen und Personalquerelen ist die neue Führungsmannschaft des Continental-Konzerns komplett. Der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Autozulieferers nach Bosch wählte am Montag in Hannover Linde-Chef Wolfgang Reitzle zu seinem Vorsitzenden.

Neuer Conti-Aufsichtsratschef: Wolfgang Reitzle.

© ddp

Gleichzeitig wurden die letzten Lücken im Vorstand geschlossen: Finanzchef wird der bisherige Behr-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer. Die Sparte Powertrain (Antriebsstrang) führt künftig Delphi-Manager José Avila.

„Damit ist die Voraussetzung geschaffen, das Unternehmen in eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft zu führen“, sagte Reitzle. Conti-Hausherrin Maria-Elisabeth Schaeffler sieht nun die Chance, „die großen Potenziale, die in dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen Continental und Schaeffler liegen“, auch zu heben. Der fränkische Großaktionär betreibt seit Längerem die Fusion der beiden hoch verschuldeten Zulieferer. Schaeffler hatte im Sommer die Absetzung von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann betrieben und war deswegen in die Kritik geraten. Deshalb musste auch Schaeffler-Berater und Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer zurücktreten. Der Anwalt bleibt allerdings Mitglied des Präsidiums.

Nachdem der Wälzlagerkonzern vor einigen Wochen seine Umschuldung erfolgreich hinter sich gebracht hat, soll nun in Hannover frisches Geld eingesammelt werden, damit Conti einen im August 2010 fällig werdenden Kredit in Höhe von 3,5 Milliarden Euro ablösen kann. Dies wird vordringlichste Aufgabe von Schäfer, der allerdings erst zum Jahreswechsel seinen Job antritt. Bis dahin liefen die Vorbereitungen auch unter der Ägide von Vorstandschef Elmar Degenhart weiter, hieß es aus dem Konzern. Conti plant die Ausgabe neuer Aktien und weitere Kapitalmaßnahmen, um die nötige Summe zusammenzubekommen.

Schäfer habe zwar noch nicht die Finanzen einer Aktiengesellschaft gemanagt, habe jedoch in seiner Zeit bei Behr den Stuttgarter Zulieferer auf Börsenfähigkeit getrimmt, hieß es. Gleichwohl war der 50-Jährige offensichtlich nicht erste Wahl. Conti sucht seit neun Monaten nach einem Nachfolger für Alan Hippe, der zu ThyssenKrupp ging. Die meisten Kandidaten hätten wegen der monatelangen Querelen mit Schaeffler jedoch abgewinkt, ist zu hören.

Den Kolumbianer Avila soll schon Neumann auf der Kandidatenliste für die defizitäre Powertrain-Sparte gesetzt haben. Der Ingenieur ist ein Eigengewächs des jüngst aus der Insolvenz entlassenen US-Zulieferers Delphi, wo er den Bereich Dieselsysteme führte. Mit den Ernennungen wächst der Vorstand auf acht Personen und entspricht damit der Größe eines 20-Milliarden-Euro-Konzerns. Während der Machtkämpfe in den vergangenen Monaten war das Gremium auf drei Köpfe geschrumpft.

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