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Rückblick

Der Kampf gegen Pirelli

Von Bernd Haase

Der Continental-Konzern hat seine Erfahrungen mit feindlichen Übernahmeversuchen. 1990 begann ein alles in allem zweieinhalb Jahre währender deutsch-italienischer Wirtschaftskrimi, als der Reifenhersteller Pirelli die Hannoveraner schlucken wollte.

Einiges von dem, was sich vor 18 Jahren zutrug, erinnert an das jetzige Gezerre um die Conti.

Am Anfang wabern Gerüchte. Im Börsengeschäft werden die Conti-Papiere im Lauf des Jahres 1990 immer wieder durch hohe Kurssprünge auffällig, ohne dass man weiß, wer dahintersteckt. Im September tritt dann der geheimnisvolle Aktienaufkäufer hinter den Kulissen hervor. Der italienische Pirelli-Konzern, im Weltmarkt einen Rang hinter Continental auf Rang fünf platziert, macht in Gestalt seines Patriarchen Leopolde Pirelli den Hannoveranern ein Angebot, das nichts anderes als die Ankündigung einer feindlichen Übernahme bedeutet: Conti soll das Reifengeschäft der Italiener übernehmen, diese aber wollen beim Konzern das Sagen haben.

Ministerpräsident Gerhard Schröder empfängt zur allgemeinen Überraschung den Mailänder Pirelli und begrüßt dessen Pläne – ohne zuvor mit der Firmenleitung um den damaligen Conti-Chef Horst Urban sowie dem Betriebsrat gesprochen zu haben. Die Italiener wissen, dass die Conti offene Flanken aufweist. Sie hatte sich mehrere Reifenhersteller wie Semperit oder Uniroyal einverleibt und ist deshalb klamm. Urban will aber von den Plänen Pirellis nichts wissen. Er begibt sich in den Abwehrkampf. Man befürchtet den Verlust der Firmenzentrale und von Arbeitsplätzen sowie den Abzug der für den Standort Hannover immens wichtigen Forschungsaktivitäten.

Das überzeugt auch Schröder, der eine Kehrtwende hinlegt. Der Ministerpräsident hilft, eine Abwehrfront unter Beteiligung deutscher Großunternehmen zu schmieden. Bei der Hauptversammlung des Konzerns 1991 fällt zwar die von Pirelli befehdete Stimmrechtsbegrenzung, aber es folgen juristische Auseinandersetzungen. Ein Jahr später, auf dem Chefsessel bei Conti sitzt mittlerweile Hubertus von Grünberg, wendet sich das Blatt: Pirellis mitten im wirtschaftlichen Abschwung begonnenen Übernahmeaktivitäten laufen ins Leere, weil die Italiener nun selber unter Druck geraten. Sie stecken tief in den roten Zahlen und treten den Rückzug an. Sie bieten ihre insgesamt 33 Prozent der Conti-Anteile im März 1993 zum Verkauf an. Um die Unabhängigkeit der Hannoveraner zu sichern, bildet die Landesregierung den Niedersachsen-Pool: Die Nord/LB, der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI), die Versicherungsgruppe Hannover (VGH) und PreussenElektra übernehmen für 311 Millionen Mark ein 15-Prozent-Paket, für das das Land Kursrisiken absichert. Die anderen 18 Prozent gehen über die Deutsche Bank an Großanleger.

Es wäre angesichts der damals geführten Schlachten ein Treppenwitz, wenn der Pirelli-Konzern nun doch noch in Hannover zum Zuge käme. Das ginge so: Der Conti-Vorstandsvorsitzende Manfred Wennemer hat mehrfach gesagt, das Reifengeschäft für Nutzfahrzeuge sei eigentlich zu klein und ein Verkauf der Sparte daher nicht ausgeschlossen. Marco Tronchetti Provera, der bei Pirelli das Sagen hat, sieht sich eigenen Äußerungen zufolge nach Kaufobjekten um und findet Lastwagenreifen durchaus interessant. Sollte also Schaeffler bei der Conti ans Ruder kommen und den Konzern zerschlagen wollen, hätten die Franken für diesen Bereich einen Ansprechpartner.

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