Vor allem die Gabe, Wogen zu glätten, wird der Schaeffler-Manager wohl benötigen, wenn er - wie aus Conti-Aufsichtsratskreisen zu hören ist - am 12. August Karl-Thomas Neumann an die Spitze des weltweit viertgrößten Autozulieferers folgen wird. Wie Neumann ist auch der verheiratete Familienvater Degenhart Marathonläufer. Bei Continental hat Degenhart bereits vor mehreren Jahren gearbeitet, in der Autobranche kennt er sich aus
Der im Januar 1959 geborene Badener hat zwar ein Diplom in Luft- und Raumfahrttechnik. Von 1993 an war er aber fünf Jahre lang beim Autozulieferer ITT Automotive tätig. 1998 wechselte der Manager zur von Continental übernommenen Teves-Gruppe. Dort verantwortete Degenhart die Bremsentechnik und schied nach einem Streit mit der Unternehmensleitung über die richtige Strategie aus. 2004 ging er für knapp anderthalb Jahre zu Bosch, um sich dort um Fahrwerkssysteme zu kümmern, bevor er an die Spitze des Autositzeherstellers Keiper Recaro wechselte. Im August vergangenen Jahres holte ihn schließlich Schaeffler.
„Degenhart ist ein Teamplayer, einer, der offen ist für Argumente“, sagt ein ehemaliger Wegbegleiter. „Aber ob er für den Conti-Posten geeignet ist, weiß ich nicht.“ Degenhart habe sich nie in einer so schwierigen Situationen beweisen müssen wie jener, in der Conti derzeit steckt. „Zudem hat er kaum Erfahrung mit Großkonzernen.“ Bei Recaro war er für 8000 Mitarbeiter verantwortlich, die zusammen 1,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, bei Schaeffler für das Autoteilegeschäft mit einem Umsatz von 6 Milliarden Euro und 40 000 Mitarbeitern.
Conti ist aber nicht nur viermal so groß, sondern hat seit der Übernahme von VDO einen fast 10 Milliarden Euro schweren Schuldenberg und plant nun eine der größten Kapitalerhöhungen in Deutschland in diesem Jahr. Der Umgang mit Banken und Investoren erfordert allerdings ebenso viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung wie der Umgang mit Mitarbeitern, die wohl weitere Kröten werden schlucken müssen. rtr
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