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01. September 2009

Abwrackprämie lässt Werkstätten bluten

Freie Kfz-Werkstätten verlieren immer mehr Kunden, da viele ältere Autos verschrottet werden.
© Felix Fontane / ddp

Sei 25 Jahren betreibt Hans-Georg Büschleb seine Werkstatt in Kirchrode. Doch so eine schlimme wirtschaftliche Situation wie jetzt habe er noch nicht erlebt, sagt der 64-Jährige. „Zurzeit habe ich etwa 20 Prozent weniger Umsatz“, sagt er. Wenn Kunden hörten, dass die Reparatur des Auspuffs und der Bremsen ihres alten Autos 900 Euro kostet, winkten sie gleich ab. „Die denken nur noch an die Abwrackprämie“, sagt Büschleb. „Aber genau diese Reparaturen sind das Alltagsgeschäft, von dem wir leben.“

Büschlebs Misere ist kein Einzelfall. Nach Berechnungen des Statistischen Landesamts gingen die Umsätze der Reparaturbetriebe in Niedersachsen von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent zurück. Bundesweit sind die Umsätze der Reparaturbetriebe im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent geschrumpft. Viele Besitzer lassen ihre älteren Autos früher als geplant verschrotten.

Das Schlimmste stehe seinem Betrieb im nächsten Jahr noch bevor, glaubt Büschleb. Dann werden die Kunden, die sich ein neues Auto gekauft haben, zu den Vertragswerkstätten wechseln. Denn die Neuwagen haben bis zu zwei Jahre Garantie. In dieser Zeit könnten die Kunden gar nicht in seine Werkstatt kommen, sagt Büschleb. „Die Abwrackprämie hat uns volle Breitseite getroffen.“

Dionys Terzis geht es nicht anders. Er hat seit 24 Jahren eine Kfz-Werkstatt mit acht Mitarbeitern in der Nordstadt. Wegen der Abwrackprämie habe er schon 20 Stammkunden verloren, sagt er. Auch er erlebt, dass Kunden ihr altes Auto lieber verschrotten lassen als hohe Reparaturrechnungen zu bezahlen. Wenn Terzis alle ausgefallenen Arbeiten zusammenzählt, kommt er auf etwa 20 000 Euro Umsatzeinbuße in diesem Jahr. Aber er gibt nicht auf: „Ich muss immer positiv denken“. In diesem Jahr haben die Autohändler in Niedersachsen von Januar bis Juni 9,6 Prozent mehr Neuwagen bis 3,5 Tonnen verkauft, heißt es aus dem Statistischen Landesamt. Dass es immer weniger alte Autos gibt, zeigt sich auch auf Hannovers Straßen. Eine Statistik der Kfz-Zulassungsstelle belegt, dass die Zahl der Neuzulassungen von Autos im ersten Halbjahr 2009 angestiegen ist. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 kauften die Hannoveraner 1304 Autos mehr. Insgesamt verzeichnet die Stadt im ersten Halbjahr dieses Jahres 10 125 Neuzulassungen. Ob dieser Anstieg auf die Abwrackprämie zurückzuführen sei, könne anhand der Statistik zwar nicht geklärt werden, aber es sei durchaus zu vermuten, sagt ein Stadtsprecher.

Für Heinz Holze ist es eine Tatsache, dass die Abwrackprämie seinen Betrieb mit zwei Mitarbeitern in der List schadet. „Ende des Jahres wird es richtig schlimm werden“, sagt er. Wenn die Kunden zu den jährlichen Inspektionen nicht mehr kommen oder die Winterreifen nicht mehr wechseln lassen, weil sie zu den Vertragswerkstätten gewechselt haben. Heinz Holze ist sich sicher: „Wir kleinen Werkstätten bleiben auf der Strecke.“

von Sarah Pancur

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