Noch zeigen die Zulassungszahlen bei Neuwagen nach oben – doch schon jetzt spüren die Automobilhändler das Auslaufen der sogenannten Abwrackprämie. Hannoversche Händler berichten von Einbrüchen bei den Verkaufzahlen von bis zu 50 Prozent. „Schon am ersten Tag nach Ende der Prämie haben wir den Unterschied gemerkt“, sagt ein Händler.
Am Freitag vermeldete der Verband der Automobilindustrie (VDA) für den September noch Zuwächse bei den Neuzulassungen von 316.000 Stück oder 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch gegenüber dem August war das ein Plus von 15 Prozent. Zurückzuführen sei dieser Boom noch auf die Abwrackprämie. Viele Käufer hatten mit Blick auf den staatlichen Förderbeitrag von 2500 Euro ihren Neuwagen im September bestellt, aber noch nicht erhalten und angemeldet.
Seit Auslaufen der Prämie klagt die Branche jetzt über einen spürbaren Einbruch. Martin Winkler von der Car Union-Filiale in Döhren, die die Marken Renault und Dacia vertreibt, spricht von einem Rückgang der Verkaufszahlen von 50 Prozent. Vor allem die preiswerte Marke Dacia sei von dem Einbruch betroffen, die Verkäufe bei Renault-Fahrzeugen lägen bei 85 Prozent des vorherigen Niveaus. Thomas Fischer von Peugeot in Mittelfeld beziffert den Rückgang der Vertragsabschlüsse auf 20 Prozent, schöpft aber wieder Hoffnung. Er sehe schon jetzt eine „gute Tendenz“. Bei Peugeot begegne man der Absatzkrise mit „lukrativen Angeboten“ und damit, alte Autos „vernünftig anzukaufen“.
Im Autohaus Marquardt in Langenhagen, einem VW-Vertragspartner, sei man zwar darauf eingestellt gewesen, dass der Markt nach Ablauf der Umweltprämie einbricht. „Dass es aber so extrem wird, hatten wir nicht erwartet“, sagt Vertriebleiter Huberth Korth. Der Kunde sei in den vergangenen Wochen verwöhnt worden. „Zusätzlich zur Abwrackprämie hat VW eine eigene Umweltprämie draufgelegt. Die Käufer konnten so 5000 Euro sparen“, sagt Korth. Nach Auslaufen der doppelten Prämie hielten viele Kunden die derzeitigen Angebote für unattraktiv. Ohnehin gebe es kaum noch eine Nachfrage für Neuwagen. Eines aber lässt Korth außer Zweifel: „Wir haben sehr stark von der Abwrackprämie profitiert.“
Das gilt jedoch nicht für alle deutschen Autohersteller. Teure Marken wie BMW, Mercedes oder Audi konnten ihre Absatzzahlen durch die Abwrackprämie bei Weitem nicht so steigern wie die Hersteller günstiger Kleinwagen. „Mit dem Ende der Abwrackprämie spüren wir daher auch keine großen Veränderungen“, sagt Lars Bremer von der Mercedes-Benz-Niederlassung in Hannover. Er spricht von einer mittelbaren Wirkung der Prämie, von der auch Mercedes-Benz profitiert habe. „Das Interesse am Automobil hat wieder zugenommen. Die Besucherfrequenz in unseren Ausstellungsräumen ist gestiegen – und das in einer für die Branche schweren Zeit“, sagt Bremer.
Deutschlandweit lagen die Auftragseingänge aus dem Inland laut VDA im September um zwölf Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Export sei wegen der weltwirtschaftlichen Flaute und dem Auslaufen vergleichbarer Prämien um elf Prozent eingebrochen.
Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt machen sich die Folgen der Prämie bemerkbar. „Der Markt ist völlig eingebrochen, vor allem Autos um die 5000 Euro laufen überhaupt nicht“, sagt Frank Erhardt von Suzuki in Laatzen, der auch Gebrauchtwagen vermittelt. Viele Kunden mit Preisvorstellungen in dieser Höhe hätten sich mit Neuwagen versorgt. Umgekehrt sei auch das Preisgefüge auf dem Gebrauchtwagenmarkt durcheinandergekommen. „Dadurch dass die Werbung suggeriert hat, man könne für 5000 Euro einen Neuwagen bekommen, will nun niemand mehr einen Gebrauchten zu so einem Preis kaufen.“
von Vivien-Marie Drews und Felix Harbart
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