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Konjunktur

Ein Fünftel mehr Pleiten in der Region Hannover


In der Region Hannover hat das konjunkturelle Tauwetter eingesetzt. Es gibt gleichzeitig den Blick frei auf eine steigende Zahl von ausgezehrten Unternehmen, denen die tiefen Minuswerte der vergangenen Monate an die Substanz gegangen sind.
© dpa (Symbolbild)

Während sich das Konjunkturklima im vierten Quartal 2009 weiter aufhellte, verdüsterte sich die Bonitätslage im HAZ-Hannover-Trend, der gemeinsam mit Arbeitsagentur, Creditreform und IHK Hannover entsteht.

Drei von vier Firmen im IHK-Bezirk bewerten ihre aktuelle Geschäftslage inzwischen als mindestens befriedigend. Der Klimaindex legte um acht auf 98 Punkte zu. „Wir befinden uns in einer seit neun Monaten andauernden Erholungsphase, die sich jetzt einem konjunkturellen Normalniveau nähert“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Wilfried Prewo. Selbst in der zuletzt gebeutelten Industrie verbessert sich die Auftragslage.

Damit steigt auch die Zahl der Firmen, die damit rechnen, ihr Personal halten zu können. Ende des Jahres sprach in der Industrie nur noch jeder dritte Befragte von einem Stellenabbau, im Herbst war es noch jeder zweite. Neue Jobs stehen allerdings nicht auf der Tagesordnung. Die Arbeitsagentur registrierte im letzten Quartal 2009 mit 6190 offenen Stellen gut 10 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Auf Jahressicht kamen gerade 26 000 Jobs zusammen, ein Viertel weniger als noch im Boomjahr 2006.

Den meisten Firmen steht der Sinn noch lange nicht nach Erweiterungsinvestitionen und neuen Arbeitsplätzen. In der Industrie sind die Kapazitäten weit von Vollauslastung entfernt, vielerorts herrscht noch Kurzarbeit. Zudem sind die eigenen Reserven oftmals aufgebraucht. „Vielerorts hat die Krise die Kassen der Unternehmen geleert, und die schlechten 2009er Bilanzen, verbunden mit noch nicht so prall gefüllten Auftragsbüchern, werden für weitere Betriebe das Aus bedeuten“, sagt Holger Bissel, geschäftsführender Gesellschafter der Creditreform Hannover-Celle.

Dass Zahlungsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität zusehends leiden, zeigt der Bonitätsindex der Auskunftei. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der Wert um zehn auf 260 Punkte verschlechtert. Beziehe man dabei ein, dass der Wert von über 40 000 Firmen gemittelt werde, zeige „diese Tendenz die Dramatik in der Entwicklung“, wie Bissel sagt. Die Auskunftei stuft jedes Unternehmen auf einer Skala von 100 (sehr gut) bis 600 (insolvent) nach seiner Fähigkeit ein, seinen Zahlungsverpflichtungen auch nachzukommen. Bereits bei einem Wert von 300 gilt die Beurteilung als so risikoreich, dass viele Lieferanten ihre Zahlungsbedingungen umstellen. „Die schwachen Unternehmen von heute sind – wenn nicht die Insolvenzen von morgen – so doch zumindest gezwungen zu reagieren, das heißt Kosten zu reduzieren und die Produktivität zu steigern.“

Viele Unternehmen mussten bereits im vergangenen Jahr die Segel streichen. Unabhängig von einer saisonal üblichen Entspannung im vierten Quartal zeigt der Insolvenztrend nach oben. Im zurückliegenden Jahr zählte Creditreform in der Region 762 Firmenpleiten, das sind 21 Prozent mehr als 2008. Bissel macht keinen Hehl daraus, dass er für 2010 mit einem noch höheren Wert rechne. „Auch wenn die Region um Hannover sicherlich nicht zu den am heftigsten betroffenen Gebieten im Land gehört, sind die mit den steigenden Firmenpleiten verbundenen Kosten und Folgen der Kapitalvernichtung krisenverstärkend.“

Insgesamt rechnet der Creditreform-Chef allenfalls Ende 2010 mit einer Entspannung. IHK-Hauptgeschäftsführer Prewo erwartet eine „kraftvolle Entwicklung, die jedoch weniger steil verlaufen wird“ als zuletzt.

Lars Ruzic

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