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9. Oktober 2009

VW-Investor reibt sich an Fusion

Von Stefan Winter

Der norwegische Pensionsfonds übt als erster größerer Investor heftige Kritik an der im Juli vereinbarten Fusion von Volkswagen und Porsche.
Rund drei Monate nach der Fusion von Volkswagen und Porsche hat der erste große Investor Kritik daran geübt.

Rund drei Monate nach der Fusion von Volkswagen und Porsche hat der erste große Investor Kritik daran geübt.

© ddp

Die VW-Minderheitsaktionäre würden bei dem geplanten Zusammenschluss benachteiligt, heißt es nach Angaben der norwegischen Internetzeitung „E24“ in einem Brief an den VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch: „Die geplante Transaktion, wie sie dem Markt präsentiert worden ist, hinterlässt den Eindruck, dass sie die Bedürfnisse der Porsche-Familie auf Kosten von Minderheitsaktionären bei Volkswagen befriedigt.“

Die Fusion, die in mehreren Schritten bis 2011 vollzogen werden soll, dient nicht zuletzt der Rettung Porsches, nachdem sich das Familienunternehmen mit seinem Übernahmeversuch bei VW völlig verhoben hat. Da die Familien Porsche und Piëch in beiden Unternehmen Schlüsselpositionen besetzen, sahen Kritiker von vornherein Interessenkonflikte in den Verhandlungen. Die Zustimmung der Hauptversammlungen zu der Fusion gilt angesichts der Mehrheitsverhältnisse als sicher. Es wird deshalb damit gerechnet, dass Gegner des Geschäfts vor Gericht ziehen werden.

Der norwegische Staatsfonds hat nach eigenen Angaben 2,7 Milliarden Kronen (324 Millionen Euro) in VW-Aktien investiert und spielt mit weniger als einem Prozent Anteil keine wesentliche Rolle im Konzern. Allerdings ist der Fonds eine Macht in der Finanzwelt: Er verwaltet im staatlichen Auftrag rund 420 Milliarden Dollar aus den Öleinnahmen des Landes und ist damit einer der größten Kapitalanleger weltweit.

In dem Schreiben an Piëch kritisiert die Verantwortliche für Unternehmensbeteiligungen bei der norwegischen Zentralbank, Anne Kvam, auch den Kaufpreis. „Wir meinen, dass Volkswagen (für Porsche) einen fürchterlich hohen Preis zahlt. Wir fragen uns, wie man auf diesen Preis gekommen ist, besonders mit Blick darauf, dass Porsche ein Unternehmen mit Problemen ist. Da sollte es wohl möglich sein, einen guten Preis auszuhandeln.“

Für die Transaktion wird Porsche mit 12,4 Milliarden Euro bewertet. VW erwartet bei einem Zusammenschluss Synergieeffekte von 700 Millionen Euro. Die hohen Porsche-Schulden verbleiben bei einer Holding im Familienbesitz, die vorerst nicht übernommen wird.

Der Pensionsfonds habe von VW trotz mehrfacher Anfragen bisher keine zufriedenstellenden Antworten bekommen, hieß es. „Wir haben den Verdacht, dass die Familien auf Kosten anderer Aktionäre bevorzugt werden. Man muss wohl auch ein Fragezeichen hinter das Verhalten der Aufsichtsratsmitglieder setzen“, erklärte Kvam. Im VW-Aufsichtsrat sitzen vier Miteigentümer von Porsche. Nach Ansicht des Fonds zeigt die geplante Fusion, dass die deutsche Gesetzgebung fragwürdig sei.

Volkswagen sei wie andere deutsche Großunternehmen abhängig davon, Investoren gut zu behandeln, sagte Kvam. „Geschieht das nicht, werden die Kapitalkosten für deutsche Unternehmen so hoch, dass sowohl für die Unternehmen als auch ihre Mitarbeiter negative Konsequenzen entstehen.“

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