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Weltweite Finanzkrise Euro-Länder gehen schärfer gegen Spekulanten vor
Nachrichten Wirtschaft Themen Weltweite Finanzkrise Euro-Länder gehen schärfer gegen Spekulanten vor
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14:15 12.08.2011
Mehrere Euro-Länder, u.a. Frankreich und Spanien, wollen schärfer gegen Spekulanten und falsche Gerüchte vorgehen. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Die Börsen bleiben nervös - nach der dramatischen Talfahrt holen Dax & Co. einen Teil ihrer Verluste nun aber wieder auf. Positive Vorgaben aus den USA und der Kampf gegen Spekulanten im Euroraum dürften den Markt gestützt haben. Der deutsche Leitindex Dax lag trotz kräftigen Schwankungen nach Handelsstart gegen Mittag mit mehr als 2,5 Prozent im Plus, ehe er wieder etwas an Fahrt verlor. Auch an den Börsen in Paris und Madrid ging es am Freitag bis zum Mittag kräftig aufwärts. Tokio ist im späteren Handel leicht ins Minus gerutscht.

Am Donnerstagabend hatte die Europäische Börsenaufsichtsbehörde ESMA in Paris mitgeteilt, dass in mehreren Ländern Verbote von sogenannten Leerverkäufen eingeführt oder ausgedehnt werden. Damit reagierten die Behörden auf die heftigen Börsenturbulenzen der vergangenen Tage. Mit dem Verbot soll die Möglichkeit eingeschränkt werden, aus der Verbreitung falscher Gerüchte Profit zu schlagen.

Die strengeren Regeln gelten nun auch in Frankreich, Italien, Spanien und Belgien - vor allem für Aktien von Banken und Versicherungen. In Griechenland wurde das umstrittene Finanzinstrument bereits am Dienstag für zwei Monate gestoppt, in Deutschland sind bestimmte Leerverkäufe von Aktien der zehn größten deutschen Finanzinstitute verboten, seit sich Staatsschuldenkrise im Mai 2010 zuspitzte.

Leerverkäufe (short-sellings) stehen im Ruf, Aktienkurse kräftig ins Rutschen bringen zu können: Mit dem Instrument wetten Spekulanten auf sinkende Kurse einer Aktie, die sie gegen eine Gebühr lediglich leihen und dann weiterverkaufen. Geht ihre Wette auf, können sie später die Papiere günstiger erwerben und dem Verleiher zurückgeben. Ihr Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und Rückkaufpreis.

In nervösen Zeiten wie derzeit können solche Geschäfte eine Lawine auslösen. US-Investmentlegende Warren Buffett hatte die Instrumente deshalb einst als «Massenvernichtungswaffen der Finanzmärkte» bezeichnet. Andere sprechen bei Leerverkäufen von «Brandbeschleunigern». Zuletzt hatten Gerüchte um eine mögliche Abwertung Frankreichs und die Stabilität des französischen Bankensektors die Märkte in Panik versetzt und die Kurse abstürzen lassen.

Am Freitag schien die Rechnung der Börsenaufsicht aufzugehen, die Märkte zu beruhigen. «Das Verbot von Leerverkäufen in einigen Ländern treibt den Dax an und im Zuge der steigenden Kurse kaufen auch die Investoren eifrig, die zuvor auf weiter fallende Kurse gesetzt haben», sagte etwa Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital.

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte im Deutschlandradio Kultur: «Ich glaube, dass wir klar machen müssen, dass wir das Wetten auf finanzielle Krisen, auf finanzielle Abstürze, dass wir das generell in Europa und nach Möglichkeit international verbieten müssen.» Auch die Union begrüßte den Vorstoß zur Eindämmung der Marktturbulenzen. «Es ist erfreulich, dass jetzt auch andere Euro-Länder beim Leerverkaufsverbot nachziehen», saget der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), in Berlin. Deutschland habe Spekulanten bereits im letzten Jahr einen Riegel vorgeschoben.

Für Rückenwind sorgten am Freitag auch die Vorgaben aus Amerika. An den US-Börsen war es am Donnerstag nach den jüngsten Kurseinbrüchen wieder deutlich bergauf gegangen. Börsianer begründeten dies mit erfreulichen Konjunkturdaten, vor allem vom Arbeitsmarkt. Auch überraschend gute Unternehmensdaten hätten die Stimmung aufgehellt.

Dennoch waren die Händler in Frankfurt am Freitag zunächst nervös. Die Kurse schwankten stark. Am Vortag war das wichtigste deutsche Aktienbarometer erstmals mit einem Gewinn aus dem Handel gegangen, nachdem es zuvor an elf Minustagen in Folge bis zu 25 Prozent an Wert verloren hatte.

dpa

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