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Griechenland und die Angst vor „Lehman Brothers zwei"

Finanzkrise Griechenland und die Angst vor „Lehman Brothers zwei"

Im September 2008 ist die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen und hätte fast das gesamte Weltfinanzsystem mit in den Abgrund gerissen. Zur momentanen Lage in Griechenland sind Parallelen denkbar. Droht im Falle einer Pleite ein ähnliches Desaster?

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Quelle: dpa

New York. Ein nicht unrealistisches Horrorszenario: Es ist September 2011. Griechenland ist pleite. Und die Welt steckt mitten in einer neuen schweren Finanzkrise. Investoren ziehen in wilder Panik ihr Geld ab - aus Angst vor weiteren Verlusten. Wer kann noch sicher sein, dass morgen nicht Spanien, Portugal oder Irland umkippen? Nur Bares auf dem eigenen Konto scheint in dieser Lage noch einen wahren Wert zu haben. Der Finanzmarkt friert ein. Griechenland wird zum Lehman Brothers Europas.

So oder so ähnlich könnte es sich abspielen, wenn die europäischen Rettungsmaßnahmen für die gebeutelten Hellenen scheitern. Die heutigen Finanzmärkte sind zu vernetzt, als dass eine Pleite wie die von Griechenland nicht auch den Rest der Welt in Mitleidenschaft ziehen würde. Das hat der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 schmerzhaft gezeigt. Was folgte, war die schlimmste Rezession seit Generationen. Die Frage ist: Hätte ein Kollaps von Griechenland genauso dramatische Folgen?

Der Chef der einflussreichen US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, warnte erst am Mittwoch eindringlich vor den Auswirkungen einer Staatspleite mitten in Europa. Sollte die Rettung des schwer verschuldeten Landes scheitern, sei auch das globale Finanzsystem bedroht, sagte er. Der designierte Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zog bereits Vergleiche zwischen Griechenland und Lehman und fügte hinzu: „Wir möchten diese Erfahrung nicht wiederholen.“

In der Tat sind Parallelen denkbar, auch wenn es damals um eine Firma ging - und heute um einen Staat. Zum einen geht es dabei um das Thema Vertrauen. Auch 2008 hatte es kaum jemand für möglich gehalten, dass eine derart große Bank wie Lehman Brothers einfach zusammenbrechen kann. Der Staat würde schon rettend eingreifen, war der Glaube. Doch die US-Regierung blieb tatenlos - und schürte damit die Angst, dass auch andere Banken umkippen könnten. Die Kreditinstitute misstrauten sich plötzlich gegenseitig, die Geldströme versiegten, die Krise war da. Investoren würden sich nach einem Zusammenbruch von Griechenland sicherlich die Frage stellen, ob ihr Geld in Spanien, Portugal oder Irland noch sicher ist.

Sind die Märkte auf eine Griechenland-Pleite vorbereitet?

Zum anderen sind es damals wie heute die unvorhersehbaren Dominoeffekte. Der Großteil der Griechenland-Schuldner sitzt zwar in Europa - darunter auch viele deutsche Banken -, doch die wiederum haben zahlreiche Verbindungen nach Übersee. So hätten sich die Europäer etwa im großen Stil bei US-Finanzfirmen gegen den Ausfall von griechischen Krediten rückversichert, merkte das Finanz-Blog „The Street Light“ an und verwies auf den jüngsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Demnach stünden alleine die USA mit satten 41,4 Milliarden Dollar im Risiko (Stand Ende 2010).

Die Lehman-Pleite hat nach Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg bei den großen Finanzfirmen weltweit zu Abschreibungen und Verlusten von unvorstellbaren 2 Billionen Dollar geführt. Dass es im Falle von Griechenland so schlimm werden könnte, glauben viele Experten nicht. Ihr Hauptargument: Die Märkte seien drauf vorbereitet und auch die Regierungen hätten Vorsorge getroffen.

„Eine mögliche Pleite von Griechenland wäre kein unvorhersehbare Ereignis“, erklärte der Chefökonom der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Und die Analysten der Société Générale ergänzten, die Investoren hätten reichlich Zeit gehabt, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Zudem sei Lehman Brothers anders als Griechenland eng mit den meisten anderen wichtigen Spielern des Finanzsystems verwoben gewesen - bis heute dröselt der Lehman-Insolvenzverwalter die vielfältigen Geschäftsbeziehungen auf.

Die „New York Times“ führte jüngst ins Feld, dass das globale Finanzsystem auch vorherige Staatskrisen wie im Falle von Russland 1998 und Argentinien 2001 überlebt habe. „Die Insolvenz eines EU-Staates wäre hingegen ganz was Neues“, sagte aber der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower. Er gab die wahrscheinlich einzig richtige Antwort auf die Frage, was im Falle einer Griechenland-Pleite passieren würde: „Die Folgen sind nicht absehbar.“

dpa/jhf

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