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Politiker verbieten Leerverkäufe

Stimmung an den Börsen beruhigt Politiker verbieten Leerverkäufe

Um den massiven Absturz von Bank- und Versicherungsaktien zu bremsen, haben die vier Euro-Länder Frankreich, Spanien, Italien und Belgien ein vorübergehendes Verbot von Leerverkäufen verhängt. Damit haben sie am Freitag zumindest die Stimmung an den Börsen beruhigen können.

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Politiker haben ein vorübergehendes Verbot von Leerverkäufen verhängt.

Quelle: dpa

Frankfurt. Nachdem die Kurse in den Morgenstunden noch auf Talfahrt gegangen waren, drehte sich der Trend im Tagesverlauf deutlich. Der Deutsche Aktienindex Dax kletterte zeitweise sogar über die Marke von 6000 Punkten.

Allerdings bezweifeln Experten, dass die Wirkung der Maßnahme von Dauer sein wird. Es gebe für Spekulanten ausreichend Möglichkeiten, diese Verbote zu umgehen, hieß es. Nach wie vor würden die Finanzmärkte überzeugende Lösungen für die Schuldenkrise in Europa erwarten. Auch die Sorgen, dass die Abschwächung der Konjunktur zu einer Rezession führen könnte, seien noch nicht verschwunden.

Die Europäische Börsenaufsichtsbehörde ESMA hatte am Donnerstagabend in Paris mitgeteilt, dass auch in Frankreich, Italien und Spanien vorübergehend ein Verbot von sogenannten Leerverkäufen eingeführt wird. Bei diesen Geschäften setzen Investoren auf fallende Kurse eines Wertpapiers. Sie leihen es sich gegen eine Gebühr und verkaufen zu einem bestimmten Termin – in der Hoffnung, dass der Kurs bis dahin unter den vereinbarten Preis gefallen ist. Dann bekommen sie vom Käufer den höheren Preis, kaufen es am Markt zum niedrigeren Kurs, geben es an den Verleiher zurück und streichen die Differenz ein. Neben diesen „gedeckten“ Leerverkäufen gibt es auch die „ungedeckten“, bei denen das Wertpapier nicht einmal geliehen wird.

Ursprünglich wurden Leerverkäufe zur Absicherung gegen Kursschwankungen erdacht, doch inzwischen dienen sie großenteils der Spekulation. Mit relativ geringem Kapitaleinsatz werden so Kurse massiv bewegt.

Dabei ist der Gewinn fast sicher, wenn der Spekulant das Verbot der Marktmanipulation ignoriert und mit der Verbreitung falscher Gerüchte dafür sorgt, dass der jeweilige Kurs tatsächlich fällt. So wurden in den vergangenen Tagen Gerüchte über eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs gepflegt, obwohl die großen Ratingagenturen nichts in dieser Richtung angedeutet haben. Doch klar ist, dass bei einem solchen Schritt die französischen Banken massiv leiden würden, die ohnehin schon in Griechenland stark engagiert sind. Entsprechend rutschten ihre Kurse in dieser Woche ab – wer darauf gewettet hatte, verdiente viel Geld.

Leerverkäufe sind in den drei Jahren seit Beginn der Finanzkrise mehrmals in verschiedenen Ländern eingeschränkt worden. Deutschland wurde 2009 von anderen europäischen Regierungen heftig kritisiert, als es einen solchen Schritt im Alleingang unternahm. Am Freitag kündigte die EU-Kommission an, dass sie sich für ein europaweites Verbot von ungedeckten Leerverkäufen einsetzen wolle. Die Bundesregierung unterstützte das. „Nur so kann einer destruktiven Spekulation überzeugend begegnet werden“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Der Gesetzgebungsprozess in Brüssel stockt allerdings, weil es vor allem aus Großbritannien Vorbehalte gegen ein pauschales Verbot gibt. Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) sprach sich gegen eine pauschale Untersagung aus, plädiert aber für eine gesamteuropäische Regelung. Verbote in einzelnen EU-Ländern führen aus Sicht von BdB-Hauptgeschäftführer Michael Kemmer zu einem „Flickenteppich“ unterschiedlicher Regelungen. „Sie sind nur vorübergehend akzeptabel zur Beruhigung der Märkte in Ausnahmesituationen“, warnte Kemmer.

Experten halten allerdings das Leerverkaufsverbot für einen „zahnlosen Tiger“. „Wenn ich die Aktien in meinem Land nicht mehr leer verkaufen kann, dann tue ich das eben im Ausland“, betonte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. In London sind diese Geschäfte beispielsweise weiter erlaubt.

Händler verwiesen am Freitag allerdings auch darauf, dass anders als in früheren Phasen weniger Hedgefonds mit Leerverkaufs-Strategien auf Kursverfall setzten. Vielmehr sicherten sich vor allem gewöhnliche Investmentfonds damit gegen Verluste ab. Sie warteten auf Beschlüsse zur Lösung der Schuldenprobleme. Hier müsse das Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Dienstag Signale bringen.

Klaus Dieter Oehler und Stefan Winter

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