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HAZ Wirtschaftszeitung

Betriebe Gesundheitsförderung ist jeden Euro wert

Ergonomische Arbeitsplätze, Physio-Training im Büro – wer in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investiert, wird mit einer leistungsfähigeren Belegschaft belohnt.

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"Eine Frage der Haltung"

Fit for Work: Bei Atlastitan gibt es für Mitarbeiter wöchentlich eine Trainingsstunde unter Anleitung. Eine geschulte Physiotherapeut assistiert bei unvertrauten Übungen.

Quelle: Michael Heck

Sechs Menschen im Vierfüßlerstand, ihr Büro-Outfit haben sie gegen Leggins und Sporthosen getauscht. Sie sollen die Hände auf den Boden stützen, nach innen zum Körper drehen - und dabei vor- und zurückwiegen. „Na, das merkt ihr auf der Seite, mit der ihr die Maus bedient, oder?“ Physiotherapeut Christian Roos erntet zustimmendes Seufzen.

Er leitet das einstündige Training mit dem Titel „Fit am Arbeitsplatz“ bei der Firma Atlastitan. Das Angebot findet wöchentlich statt, die Teilnahme ist freiwillig. Heute sind unter anderem der Abteilungsleiter Gerrit, Marketing-Fachfrau Andrea und Simone, die Assistentin der Geschäftsführung dabei. Atlastitan aus Vechelde bei Braunschweig realisiert technische Projekte im Auftrag von Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Dafür setzt die Firma qualifizierte Fachkräfte wie Ingenieure ein. Ihre Mitarbeiter sind also ihr wichtigstes Kapital. Die Zahl ist seit der Gründung im Jahr 2006 von zwei auf 280 angewachsen. Eine prima Perspektive für die Firma - und auch für die Angestellten.

Ein Manko ist allerdings nicht zu leugnen: „Bei unserer Tätigkeit sitzen wir viel am Schreibtisch. Und wenn unsere Leute unterwegs sind, sitzen sie im Auto. Das belastet den Rücken“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter, Franz Vollmer. Der schlanke Chef weiß, wovon er redet. „Früher war ich von der Statur - nennen wir es - kompakt.“ Nach zwölf Stunden Arbeit wollte er seine Ruhe. „Am Ende des Tages war ich ein Couchpotatoe, noch dazu mit der Chipstüte in der Hand.“ Das ist nun vorbei. Der Wendepunkt kam, als wegen einer chronischen Infektion vor einigen Jahren sein Körper streikte. Vollmer hat aus den Versäumnissen der Vergangenheit gelernt. „Warum sollen andere dasselbe erleben wie ich?“ Gemeinsam beschloss er 2011 mit dem zweiten Gesellschafter, bei Atlastitan eine betriebliche Gesundheitsförderung einzuführen. „Unsere Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen. Nur dann sind sie so leistungsfähig, wie wir und wie sie es selbst sich wünschen.“

Atlastitan ist das, was man einen vorausschauend agierendes Unternehmen nennt. Denn betriebliche Gesundheitsförderung ist kein Luxus, der nur dazu dient, die Belegschaft bei Laune zu halten. Tatsächlich können beide Seiten - Unternehmen und Belegschaft - profitieren. Laut AOK sinken krankheitsbedingte Fehlzeiten um durchschnittlich ein Viertel, wenn sich Arbeitgeber um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern. Die Krankenkasse ist Mitherausgeber eines Reports, der 2400 Studien ausgewertet hat. Einige davon belegen auch, dass sich bei Mitarbeitern die körperliche und psychische Verfassung insgesamt verbessert. Doch für ein effizientes Gesundheitsmanagement reicht es nicht, nur neue Bürostühle anzuschaffen.

Bei Atlastitan sind viele Arbeitsplätze mit höhenverstellbaren Tischen ausgestattet - auch in den Niederlassungen Hannover, Berlin, Bayreuth, Hamburg, Bremen, Dortmund und Paderborn. Die Angestellten können die für sie komfortabelste Position frei wählen - oder abwechselnd im Sitzen und im Stehen arbeiten. Wer mag, bekommt für seine Arbeit am Rechner eine Vertikalmaus, ein ergonomisch geformtes Gerät, das Reizungen und Entzündungen im Unterarm vorbeugt. „Auch wenn ein besser ausgerüsteter Arbeitsplatz 1000 Euro mehr kostet, ist dies gut investiertes Geld“, begründet der Gesellschafter.

Atlastitan leistet sich auch eine Gesundheitsmanagerin. Margret Poth war jahrelang im Gesundheitswesen großer Konzerne beschäftigt, bevor sie zu dem Mittelständler kam. Hier schätzt sie, dass sie ihre Vorschläge direkt bei der Geschäftsleitung vortragen kann

Erst vor Kurzem hat sie zwölf farbige Pezzi-Bälle als Alternative zu Schreibtischstühlen bestellt. Sie organisiert Gesundheitstage, lädt Ernährungsberater ein, lässt Wirbelsäulen vermessen oder die Muskelbalance checken. Als Nächstes sind ein Haut­screening und die Anschaffung eines Kickers sowie eine Tischtennisplatte geplant. Zudem zahlt Atlastitan seinen Mitarbeiter den regelmäßigen Besuch eines Fitnessstudios. Dabei hilft der Staat mit: Zuschüsse zum Gehalt sind bis zu 500 Euro pro Person und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei.

Poth ist auch Vertrauensperson, wenn Mitarbeiter über gesundheitliche Probleme sprechen wollen, und kümmert sich sogar um einen passenden Reha-Platz, falls ein schwer erkrankter Kollege einen braucht.

Die Angestellten wissen das Engagement der Firma zu schätzen, das Feedback sei durchgängig positiv - auch die Auswirkung auf ihre Gesundheit. Andrea Bartoli etwa, Marketingexpertin bei Atlastitan, hat einen Rückenkurs im Betrieb absolviert und macht seitdem Gymnastikübungen zu Hause. „Dadurch habe ich meine Beweglichkeit wiedergefunden“, sagt sie. Ihr Chef, Franz Vollmer, der ebenfalls regelmäßig Sport treibt, fühlt sich bestätigt: „Mit der Gesundheitsförderung wollen wir ja nicht nur Fehltage senken, unsere Angebote wirken sich auch positiv auf Zufriedenheit und die Motivation unserer Leute aus.“

Schon die alten Lateiner sagten „Mens sana in corpore sano“, soll heißen: ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Doch was ist, wenn die Seele streikt? Psychische Erkrankungen machen laut einer aktuellen Erhebung der DAK beim Krankenstand inzwischen 15,9 Prozent der Fälle aus. Die Kosten der Ausfalltage beziffern Krankenkassen und das Statistische Bundesamt auf 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich.

Das ist auch dem Flughafen Hannover bewusst - deshalb bietet das Unternehmen schon seit Jahren eine betriebliche Sozialberatung für seine rund 1200 Mitarbeiter an. Partner dabei ist das Beratungsunternehmen Sopra. Seine Mitarbeiter - Sozialpädagogen, Therapeuten und sogar Schuldnerberater - sind jeden Dienstag zwei Stunden vor Ort. Hilfesuchende können in die Geschäftsräume von Sopra kommen. „Ganz wichtig ist die Vertraulichkeit, wir leiten keine personenbezogenen Informationen weiter“, betont Geschäftsführer Uwe Reichertz-Boers.

Das Team berät bei Konflikten am Arbeitsplatz, bei Depression, Alkoholsucht und auch bei Geldsorgen. Aufgabe der Sopra-Experten ist, eine Bestandsaufnahme zu machen: Manchmal braucht es nur einige intensive Gespräche, um einem Problem auf den Grund zu gehen und Lösungsansätze aufzuzeigen. In Einzelfällen raten die Coaches zu einer Kur oder sind behilflich, einen Therapieplatz zu finden. Dabei beobachtet Uwe Reichertz-Boers, dass die Scheu, sich Hilfe zu holen, abnimmt. „Sich seelisch belastet zu fühlen, ist weniger stigmatisiert als noch vor fünf oder zehn Jahren.“ Es kommen immer wieder neue Themen hinzu. „In jüngster Zeit bieten wir auch ein Lerncoaching für Auszubildende. Wir begleiten diejenigen, denen es schwerfällt, den Übergang vom Schulalltag in die Arbeitswelt zu bewältigen.“

Der Flughafen Hannover „kommuniziert das Angebot über eine Vielzahl von Kanälen“, erklärt Sandra Ritter, Leiterin des Personalwesens. Neben einer festen Rubrik im Intranet werden die Beschäftigten über Fachvorträge, Beiträge in der Mitarbeiterzeitung und über Informationsbeileger in der Entgeltabrechnung aufgeklärt. Eine wichtige Maßnahme ist außerdem, Vorgesetzte zu sensibilisieren. Ritter verweist auf das Online-Unterweisungstool SAM: „Damit werden per eLearning die Führungskräfte fortlaufend geschult, auch zu psychosozialen Themen wie Mobbing. Die externe Sozialberatung nutzt allen Beteiligten, dem Betrieb und den Mitarbeitern. Uwe Reichertz-Boers hat oft genug mit Beschäftigten gesprochen, die froh sind über die Unterstützung und sagen: „Ich weiß es zu schätzen, dass mein Unternehmen das anbietet.“

Von Prem Lata Gupta

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