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17:17 16.04.2014
„Früher war der Wald die Sparkasse der Bauern“: Waldbesitzer Heiner Beermann investiert viel in den Umbau der alten Monokultur. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Wer in Niedersachsen zu den rund 60 000 privaten Waldbesitzern zählt, blickt in diesen Tagen optimistisch in die Zukunft - und durchaus zufrieden zurück. Der Rohstoff Holz ist begehrt wie selten zuvor. Er gewinnt immer mehr Bedeutung als Energieträger, die Bauwirtschaft und die Möbelindustrie haben Konjunktur, Zellstoffwerke boomen, weltweit steigt die Holznachfrage. Dies hat sich längst auf die Preise ausgewirkt. „Sie sind seit 2010 auf einem guten Niveau“, heißt es beim Waldbesitzerverband Niedersachsen in Hannover. Alle Holzarten ließen sich derzeit gut vermarkten, sagt Geschäftsführer Mark von Busse.

Nur wenige Betriebe stellen sich allein dem Wettbewerb. Die meisten gehören zu einem der etwa 100 forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse und kooperieren bei der Bewirtschaftung der Flächen genauso wie bei der Holzvermarktung. Dabei werden sie meist von Förstern der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unterstützt. Nur wenige große Betriebe haben eigene Förster angestellt. Andere nutzen die Dienstleistungen der Landesforsten.

Ungefähr 675 000 Hektar Wald werden in Niedersachsen bewirtschaftet. Nach Bayern und Baden-Württemberg ist Niedersachsen das Bundesland mit der drittgrößten Waldfläche. Sie ist rund 1,16 Millionen Hektar groß und gehört zu 59 Prozent Privateigentümern, wobei rund die Hälfte von ihnen weniger als 20 Hektar besitzt.

Auch weil es seit Jahren keine Sturmkatastrophen gegeben hat, die zu einem Überangebot führen, klettern die Preise. Fichten- und Kiefernstammholz ist aktuell pro Festmeter drei bis fünf Euro teurer als im vergangenen Jahr. Besonders groß ist die Nachfrage beim Buchenindustrieholz. Hier konkurrieren Zellstoffwerke mit Hackschnitzelherstellern und Kaminholzvermarktern.

Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes, schätzt, dass in Niedersachsen derzeit jährlich fünf Millionen Kubikmeter Holz geerntet werden. Den Umsatz des Wirtschaftssektors Forst und Holz beziffert er mit 15 bis 20 Milliarden Euro. Rund 10 000 kleine und mittlere Unternehmen mit etwa 77 000 Mitarbeitern seien hier aktiv. Dabei hat er nicht nur die forstlichen Lohnunternehmen im Blick, sondern auch die Holzspediteure, Sägewerker, Tischler, Zimmerleute, Möbel- und Palettenhersteller.

Fragt man den obersten Repräsentanten der niedersächsischen Waldbauern, wie er die Zukunft der Forstwirtschaft einschätzt, so antwortet Leben ohne Umschweife: „Unsere zentrale Herausforderung ist es, die Wälder für den Klimawandel fit zu machen und ihn für künftige Generationen zu bewahren.“ Für ihn gilt es auch, den Wald als „Produktionsstätte eines wirtschaftlich erfolgreichen Betriebes“ zu sichern und zu fördern.

Sosehr es den Privatwaldbesitzern auf wirtschaftlichen Erfolg ankommt, treten sie auch dafür ein, dass der Wald zum Klimaschutz und zur Sicherung der Artenvielfalt beiträgt. Sie möchten die Jagd als Eigentumsrecht erhalten und Menschen das Naturerlebnis ermöglichen. Aber eines möchten sie nicht: Auflagen des Staates, die auf Stilllegung bestimmter Flächen hinauslaufen oder den Ertrag dauerhaft schmälern. „Wir brauchen keinen fremdbestimmten Wald“, sagt Leben.

Full Service für den Forst

Traditionsbewusstsein und modernes Betriebsmanagement können auf ein und demselben Stamm gedeihen. Wer es nicht glaubt, kann sich bei der Hofos GmbH der Familie von Oldershausen umsehen. Sie betreibt einen Holz- und Forstservice, der zumindest in Norddeutschland einzigartig ist. 26 große Forstbetriebe in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen mit einer Waldfläche von insgesamt mehr als 17 500 Hektar werden von der Oldershausen Hofos GmbH betreut, weitere 5000 Hektar sind es in Österreich.

Philip Freiherr von Oldershausen, Mitgesellschafter und Eigentümer von 900 Hektar Wald in Südniedersachsen, bietet mit elf ständigen Mitarbeitern Dienstleistungen von der Bewirtschaftung eines Forstbetriebes über die Beratung bei Investitionsvorhaben bis hin zum Ökomanagement in Wäldern an. „Unsere Auftraggeber haben uns ihren Wald zur treuhänderischen Bewirtschaftung anvertraut. Wir setzen die Eigentümerziele dank einer großen Identifikation mit dem Gesamtunternehmen ‚Forstbetrieb‘ um und sind damit erfolgreich. Wir bieten Full Service“, sagt von Oldershausen, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Ludolf aufgebaut hat und dabei auf den Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, den die Familie seit mehr als 700 Jahren auf dem eigenen Rittergut gesammelt hat. Zu den Kunden gehören Gutsforsten in Niedersachsen, Alteigentümer, die seit der Wende in der DDR wieder über ihren Wald in Thüringen und Sachsen-Anhalt verfügen, sowie Kapitalanleger, die ein besonderes Faible für den Wald haben.

Neben dem Dienstleister Hofos gibt es in dem Familienunternehmen seit 2010 eine zweite Firma, die Oldershausen Holzmarketing GmbH (Homa). Sie vermarktet jährlich etwa 100 000 Festmeter Holz an Kunden im In- und Ausland. „Wir haben das komplette Programm im Angebot“, sagt von Oldershausen. Die Möbelindustrie werde genauso beliefert wie der Brennholzhändler. Dabei komme den Kunden zugute, dass die Homa vertrauensvoll und langfristig mit ihren Geschäftspartnern zusammenarbeite.

Der Dienstleister will seinen Kunden  helfen, mit ihrem Wald Geld zu verdienen. Deshalb müsse der Wald hochprofessionell bewirtschaftet werden, und die Verantwortung des Managements dürfe nicht an der Waldstraße enden, sondern müsse das Gesamtunternehmen im Blick haben. Wer eine solide Rendite anstrebe, müsse allerdings auch in sein Eigentum investieren. Nachhaltigkeit sei nun einmal seit 300 Jahren das oberste Prinzip in der Forstwirtschaft.
Und auf welche Baumarten kommt es an, wenn man eine möglichst gute Kapitalsverzinsung anstrebt? „Das Geld wird nicht mit der Buche verdient“, sagt von Oldershausen, „Fichten sind die Umsatzbringer.“ Auch deshalb setzt er gegen den Trend auf Nadelholz und rät zum Anbau des „Brotbaums“ Fichte, aber auch zur Douglasie und zur Kiefer.

Gewinn fürs Land

Größter Waldeigentümer im Land sind die Niedersächsischen Landesforsten (NLF). Der landeseigene Betrieb bewirtschaftet rund 330 000 Hektar, auf denen pro Tag knapp 6000 Festmeter Holz nachwachsen. Entsprechende Mengen können gefällt werden, ohne die nachhaltige Entwicklung des Waldes zu gefährden. Das Unternehmen setzte 2012 rund 128 Millionen Euro um und machte dabei 18,9 Millionen Euro Gewinn. Den Landesforsten gehören 24 Forstämter und 230 Förstereien, sie beschäftigen insgesamt 1300 Mitarbeiter.

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