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HAZ Wirtschaftszeitung

Designgeschichte Besser in Form

Aussehen ist nicht alles. Wo die Sinne des Kunden auf Empfang sind, greift der Designer ein. Das iF International Forum Design fühlt der Szene den Puls. Sein Netzwerk spannt sich um die Welt, der Knoten ist Hannover.

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So können Autos eines Tages aussehen.

Quelle: Faurecia

Karl Marx irrte. Das Sein bestimmt das Bewusstsein? Von wegen. In der heutigen, vom Massenkonsum und immer kürzeren Produktlebenszyklen geprägten Welt muss es wohl eher heißen: Design bestimmt das Bewusstsein. Gerade in Gesellschaften, in denen die materiellen Bedürfnisse der meisten Menschen weitgehend gedeckt sind. Wie also bringt man Konsumenten dazu, sich alle paar Jahre einen neuen Geschirrspüler, ein neues Auto oder die neueste Version von Photoshop zuzulegen? Aber auch: Wie macht man Vorzüge des eigenen Produkts im unüberschaubaren Angebot sicht- und spürbar? Und wie schafft man Identität im Markendschungel? Man muss all diese Produkte beständig besser, nutzerfreundlicher und schöner gestalten.

„Heutzutage ist alles Design“, behauptet Ralph Wiegmann. „Selbst wenn es für den Verbraucher nicht immer offensichtlich ist.“ Ein Mähdrescher, die Benutzeroberfläche von Geldautomaten, das Konzept für eine Kaffeehauskette, das Geräusch, mit dem eine Autotür zuklappt: „All das ist von A bis Z durchdesignt.“ Der großgewachsene Mann mit dem perfekt sitzenden Anzug ist Geschäftsführer der iF International Forum Design GmbH. Ihren Sitz in der Landeshauptstadt verdankt sie der Gründung auf der Hannover Messe, aber das ist längst Vergangenheit. Das 16-köpfige Team steuert von der hannoverschen Bahnhofstraße aus ein weltweites Netzwerk mit Dependancen in München und Hamburg, in Taiwan, China, Korea, Japan, Indien, Brasilien, den Niederlanden und der Türkei.

Es begann in den Fünfzigerjahren mit dem Verein „Die gute Industrieform“. Eine Gruppe um den Porzellanunternehmer Philip Rosenthal suchte mit der Deutschen Messe Wege, mehr Aufmerksamkeit auf das Design von Industrieprodukten zu lenken – eine Stärke der gerade wieder Tritt fassenden deutschen Unternehmen. Es entstanden ein Verein, das iF-Logo, der iF Design Award und eine – inzwischen nach Hamburg verlagerte – Ausstellung in einem Pavillon auf dem Messegelände. Bis heute gehört die iF GmbH dem Verein iF e.V., der vom ehemaligen Messevorstand Ernst Raue geführt wird. Rund 50 Unternehmen, etwa 40 Designer und zwei Dutzend Privatleute haben sich dort zusammengeschlossen.

Rund 6000 Beiträge wurden zum diesjährigen iF-Wettbewerb eingereicht. Das ist auch geschäftlich nicht unwichtig, denn die Anmeldegebühr sichert die Einnahmen des Unternehmens. Tagelang arbeitet sich eine internationale Jury im Hamburger Schuppen 52 durch die Exponate, bis abgestimmt wird, was eine Auszeichnung verdient. Mancher Hersteller oder Designer aus Niedersachsen ist dabei, aber der Puls der Zeit schlägt in Asien. „Die Asiaten sind viel designorientierter“, sagt iF-Sprecherin Annegret Wulf-Pippig. „Die wollen wissen, wie sie im Markt dastehen.“ Und so kommen die Gäste aus aller Welt, wenn 75 iF Gold Awards in München überreicht werden.

Ralph Wiegmann mag die Klassiker. In seinem hannoverschen Büro stehen sie aufgereiht auf einem Wandregal von Dieter Rams, Godfather des deutschen Produktdesigns. Der „Spirale“-Aschenbecher Achille Castiglionis ist da und natürlich die „Tizo“-Schreibtischlampe Richard Sappers. Als „Wow-Produkte“ bezeichnet Wiegmann solche hochästhetisch gestalteten Dinge, die bei designvernarrten Konsumenten unweigerlich den Haben-wollen-Reflex auslösen. „Die Schöpfer solcher Klassiker – ein Rams, ein Eames, ein Panton, ein Saarinen – hatten es leichter als heutige Designer“, sagt Wiegmann. „Sie konnten sich noch ganz der Formgebung widmen. In der digitalen Gesellschaft sind Designer vor allem Problemlöser.“ Als eine Art Dolmetscher, einen Mittler zwischen technischer Avantgarde und dem durchschnittlich versierten Anwender, betrachtet Wiegmann die Rolle heutiger Designer: „Überzeugendes Design muss komplizierte Technik intuitiv verständlich machen. Deshalb sind Benutzerschnittstellen eine der Großbaustellen im gegenwärtigen Design.“

Die Branche ist ein Wirtschaftsfaktor. Mit rund 150.000 Freiberuflern und Festangestellten bundesweit, die nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums einen Umsatz von jährlich rund 19 Milliarden Euro erwirtschaften, gehört die Designbranche zu den größten Teilmärkten der Kreativwirtschaft. Dennoch sieht Wiegmann noch deutlich Luft nach oben: „Längst nicht alle Unternehmen haben begriffen, dass gutes Design mehr als nur eine Formfrage ist. Es ist die vielleicht klügste Investition in ihre Zukunft.“

Von Daniel Behrendt
 und Stefan Winter

Der iF Design Award

Der älteste Designpreis der Welt stammt aus einer Zeit, als das Wort Design hierzulande längst noch nicht in der Alltagssprache angekommen war. Anfang der Fünfzigerjahre residierte in Hannover die Zentralstelle zur Förderung deutscher Wertarbeit e. V., die jährlich der Produktgestaltung gewidmete Ausstellungen auf der Hannover Messe ausrichtete. Von 1959 an hießen die Schauen Die gute Industrieform – woraus sich das bis heute bestehende Kürzel des Awards ableitet. Der Wettbewerb existiert seit 1954. Bis 2014 war der Award in verschiedene Untermarken gegliedert, seither heißt er schlicht iF Design Award. Diese Vereinfachung ist auch dem Umstand geschuldet, dass sich Design im Digitalzeitalter nicht mehr nur an leicht zu kategorisierenden Gegenständen festmacht, sondern auch für übergreifende Lösungen wie Benutzerschnittstellen und Kommunikationsstrategien relevant ist. Längst würdigt der iF Award dementsprechend nicht mehr nur „greifbare“ Produkte, sondern etwa auch Corporate Designs, Architektur und Softwarelösungen.

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