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13:01 22.11.2016
Kompetenz und Verantwortung: Uhe-Chef Hermann Strathmann junior (r.) im Dialog mit Mitarbeitern. Quelle: Eberstein
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Hermann Strathmann junior ist stolz auf sein Unternehmen und zeigt das auch. 1932 hat sein Großvater Erich Uhe die Feinmechanikfirma gegründet, der Enkel führt sie seit 2003 in dritter Generation. Der Betrieb aus Hemmingen baut Fahrkartenautomaten und die Mechanik für die Kästen, die an den Autobahnen mautpflichtige Fahrzeuge erfassen, modernste Produktionsanlagen sind Standard: superschnelle Laser, intelligente Stanzmaschinen. Doch für Strathmann kommt das nur an zweiter Stelle.

Der Chef – Brille, Bluejeans, kein Schlips – greift zur Fernbedienung. Auf dem leinwandgroßen Monitor erscheint die Uhe-Homepage. Strathmann klickt sich durch. „Früher haben wir hier unsere Maschinen gezeigt. Heute ist das anders“, sagt er und zeigt Fotos von Mitarbeitern aus der Fertigung. Oben drüber steht: „Unser wichtigstes Kapital.“

Hermann Strathmann ist offen und kommunikativ, er lacht gern. Seine Angestellten sind für ihn keine Zahlen oder Kostenfaktoren, sondern Menschen mit Herz, Kopf und Fähigkeiten. Und so behandelt er sie auch. Sozialleistungen, kostenloses Wasser, Firmenfeste, bei Uhe sind das Selbstverständlichkeiten. Im Gegenzug erwartet Strathmann, dass die Mitarbeiter sich vor technologischem Wandel nicht wegducken, sondern ihn mitgehen. „Hier weiß jeder: Wenn ich den Anschluss verliere, bin ich nach ein paar Jahren raus.“ Daher geht er mit seinen 38 Beschäftigten regelmäßig auf Messen, schickt sie auf Schulungen. „Damit sie wissen, was auf sie zukommt.“

Aber auch wenn einer das Tempo nicht mitgehen kann, findet sich eine Lösung. Einem langgedienten Mitarbeiter hatte noch Vater Hermann Strathmann senior versprochen, dass es die eine Blechverarbeitungsmaschine, an der er arbeitete, bis zu seiner Pensionierung 2015 geben werde. Strathmann junior hielt Wort.

Uhe hat die ersten CD-Hüllen gefräst und schon Fernbedienungen hergestellt, als die Menschheit noch zehnmal am Abend aufstand. Das Unternehmen kann Gehäuse für Hörgeräte in Brillenbügel einbauen und die Fassungen für Positionsleuchten von Flugzeugen herstellen. All das läuft heute über vollautomatische, computergesteuerte Fräsen, die aus Aluminiumblöcken filigrane Gebilde zaubern. Oder mithilfe von Lasern, die rasend schnell Bauteile aus Blechen herausschneiden, der neueste hat 700 000 Euro gekostet. Aber ohne seine Leute, sagt er, sei das alles nichts wert.

Kompetenz und Eigenverantwortung sind die Schlüsselbegriffe für den Unternehmer. Früher, sagt Strathmann, hätten ihn seine Angestellten oft gefragt, wie sie ein Problem lösen sollen. Heute bringen sie den Lösungsvorschlag meist selbst mit. Und wenn das Problem aus der Welt geschafft ist, haben sie nicht nur der Firma genützt, sondern sind stolz auf sich, auf ihre Arbeit, auf ihren Chef. Und er auf sie.

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