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12:43 24.11.2016
Arbeiten gern unkonventionell: Timo Kohlenberg und seine Schwester Julia Kurz schlagen neue Wege in der Reisebranche ein. Quelle: Küstner

Julia Kurz und Timo Kohlenberg sitzen in den Räumen von America Unlimited an der Leonhardtstraße, unweit des Amtsgerichts in Hannovers Innenstadt. Auf dem Tisch liegt eine Karte vom US-Bundesstaat Florida. Sie kennen die Orte, die Strände, die Ausflugsziele. Seit fast zehn Jahren leiten die Geschwister America Unlimited mit heute 15 Mitarbeitern. Es ist kein klassisches Reisebüro, sondern ein Reiseveranstalter, der mit Partnern individuelle Reisen in die USA, nach Kanada oder auf die Bahamas organisiert.

Julia Kurz, 29, und ihr zwei Jahre älterer Bruder Timo Kohlenberg waren schon immer gegenüber der Reisebranche aufgeschlossen. Doch der Einstieg erfolgte früher, als ihnen lieb war: 2007 starb ihr Vater und Firmengründer Michael Kohlenberg überraschend. Timo Kohlenberg studierte in Hamburg Marketing und machte nebenbei Werbeprojekte, seine Schwester Julia Kurz hatte gerade die Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau begonnen. Schock und Trauer bestimmten die ersten Tage nach dem Tod. Aber es war auch klar: Es muss weitergehen. Die Geschwister wurden die neuen Geschäftsführer. Das Unternehmen war noch nicht gefestigt, schrieb rote Zahlen. Eine Situation, die für Nachfolger besonders schwierig ist. Für eine Strategie blieb kaum Raum. „Wir haben einfach das gemacht, was anfiel“, sagt Julia Kurz. Kataloge fertig machen, auf Messen gehen, Reisen zusammenstellen. Als Familie, die Mutter arbeitet ebenfalls im Unternehmen, haben sie schließlich die schwere erste Zeit überstanden. Die IHK, ältere Mitarbeiter, Partner aus den USA – viele halfen. „Unser Vater hatte einen guten Namen in der Branche“, sagt Julia Kurz, das habe sicher geholfen. Nachdem das Gröbste überstanden war, erkannten die Geschwister, welches Potenzial im Geschäfts steckt. Sie konnten nun ihren eigenen Weg einschlagen.

Anders sein, das ist den Geschäftsführern wichtig. So gründeten sie 2011 das Tochterunternehmen Feinreisen, eine Marke für Luxusreisen in der ganzen Welt. Ein Trip für zwei Personen kann schon mal mehr als 100 000 Euro kosten. Auch im Management probieren sie gern Neues aus. Sie stellen bewusst junge Mitarbeiter ein, wollen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen. Jeder soll hier so arbeiten, wie er das gern möchte. „Ein kleines Google“, sagt Timo Kohlenberg und schmunzelt. Wie es sich für ein junges Unternehmen gehört, ist es auch im Netz aktiv: Mehr als 63 000 Facebook-Follower hat die Firma, ist auf Instagram und anderen Plattformen unterwegs. Aber auch analog lassen sich die Geschwister einiges einfallen. An der Mönckebergstraße in Hamburg haben sie auch schon mal einen Strand aufbauen lassen – mit echtem Sand. Gleich mehrere Radiosender berichteten über dieses Guerilla- Marketing.

Ihre Strategie geht auf, das Unternehmen macht seit vielen Jahren Gewinn. Der Umsatz liegt heute nach Angaben der Geschäftsführer im fast zweistelligen Millionenbereich. den Großteil machen dabei Reisen in die USA aus. Dem Firmengründer Michael Kohlenberg, der das Fundament legte, würde der Kurs der Kinder gefallen. Da ist sich Timo Kohlenberg sicher. „Er war innovativ drauf “, sagt der Sohn über den Vater. Auf ihn sind die Kinder heute noch stolz. Sie freuen sich aber auch darüber, was sie aus ihrem Erbe gemacht haben.

Gerd Schild