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12:41 24.11.2016
Katja Tegtmeiers Hofladen mit Café und Spielplatz ist für Kunden schon zu einer Erlebniswelt geworden. Quelle: George

Petra Rempe verkauft mittlerweile auch Ohrfeigen. So nennt die Inhaberin der Backstube Bundschuh die süßen Teilchen aus Dinkelmehl und Zimt. Angefangen hat der Hofladen in Stöckendrebber bei Neustadt aber mit Brot. „Wir sind mit sieben Sorten gestartet“, erzählt sie. Auch an den Eröffnungstag kann sie sich erinnern. Es war der 17. Oktober 1993, „zu Beginn haben mein Mann und ich das Brot alleine gebacken“. Dass die Kundschaft aus dem Dorf nicht reichen würde, um das Unternehmen profitabel zu machen, war beiden schon bei der Planung klar gewesen.

Deshalb entwickelten sie eine Strategie, ihre Backwaren auf Märkten zu verkaufen und andere Geschäften damit zu beliefern. Dennoch gibt Petra Rempe zu: „Wir mussten immer auch dazulernen. Nicht jedes Produkt entsprach sofort unseren Erwartungen, die ersten Brötchen zum Beispiel waren sehr klein und sehr fest.“ Wenn sie „wir“ sagt, dann sind das sie, die Ernährungswissenschaftlerin, und ihr Mann, der Biobauer Friedrich Bohm. Beide diplomiert, beide mit einem ausgeprägten Respekt vor der Natur. Er baut „(ohne den Einsatz von Fungiziden und Herbiziden) Dinkel, Weizen und Roggen an, das später für die Backstube Bundschuh in einem besonders schonenden Verfahren gemahlen wird. Während sich das Angebot im Hofladen zu Beginn auf Brot und Wein beschränkte, ist die Auswahl heute deutlich größer. Zum sogenannten Beisortiment zählen auch Käse, Brotaufstriche, Öle, Nudeln, Milchprodukte und Naturkosmetik. Vor 20 Jahren gehörten Rempe und Bohm zu den Mitbegründern des ersten Bauernmarktes in Hannover. Damals bauten sie dafür noch Tische auf und schützte ihre Waren durch einen Schirm. „Ganz schön umständlich“, meinen sie im Rückblick.

Mit zwei Wagen zum Markt

Als die Umsätze stiegen, entschloss sich das Ehepaar, einen Verkaufswagen anzuschaffen, tiefergelegt mit einer großen Sichtfläche, um die Produkte attraktiv und appetitlich präsentieren zu können. Inzwischen besitzt die Backstube Bundschuh sogar zwei, die regelmäßig auf Märkten vertreten sind. Außer dem Hofladen als Verkaufsstelle beliefert der Betrieb 20 weitere Geschäfte und Anbieter. Auch das Team ist auf zwölf Mitarbeiter angewachsen. „Was uns alle zusammenhält, ist das klare Bekenntnis zu Qualität und Nachhaltigkeit“, so die Backstuben- Besitzerin. Sie selbst ist froh, dass die Last nun besser verteilt ist. „Wenn man nachts backt und tagsüber dann selbst die Ware verkauft, kann das ganz schön müde machen.“ Die Mühe lohnt sich: Bundschuh wächst stetig. Bereits zum zweiten Mal wurde ein Produkt der Backstube ausgezeichnet – in diesem Jahr das Leinedinkelbrot als „Kulinarischer Botschafter des Landes Niedersachsen“.

Auch Katja Tegtmeier kennt keinen Stillstand. Sie führt gemeinsam mit ihrer Familie Kochs Hofladen in vierter Generation. Während ihre Urgroßmutter in Liethe bei Wunstorf noch vom Pferdewagen verkaufte, bieten sie heute ihre Produkte in einer Gemüsehalle an. Aktuell haben Katja Tegtmeier und ihr Mann die Ladenfläche neu strukturiert, auch ein Café integriert und einen umzäunten Spielplatz geschaffen. Das gefällt vor allem Familien, die nicht nur nach Gemüse, sondern nach Erlebnissen suchen. „Man muss immer neue Angebote und Ideen entwickeln“, erklärt die Unternehmerin. Die 31-Jährige sieht es als Vorteil, dass sie internationales Management studiert und eine Ausbildung zur Hotelfachfrau abgeschlossen hat. Zeitgemäßes Marketing ist ihr wichtig, dazu zählt auch eine neue Homepage mit professionellen Fotos, ein schickes Logo und der Slogan „Qualität frisch vom Hof “. Der landwirtschaftliche Betrieb befindet sich gleich nebenan, geführt wird er von Katja Tegtmeiers Bruder Hannes. Auf einem Foto, das in die Website integriert ist, posieren vier Generationen. „Ziel ist, den landwirtschaftlichen Betrieb so zu betreiben, dass er uns alle ernährt“, erläutert die Geschäftsfrau. Ihre Kundschaft setzt sich aus höchst unterschiedlichen Zielgruppen zusammen: Da sind alte Stammkunden aus dem Dorf, Familien mit Kindern, Veganer, außerdem Urlauber auf der Fahrt zum Steinhuder Meer. Spargel, Kohl, Kürbisse, „das lockt die Menschen“. In Kochs Hofladen wurde der Gemüsebereich erweitert, das Bio-Sortiment vergrößert. Engagement zahlt sich aus, Katja Tegtmeier lässt eingelegte Gurken schon im Laden probieren oder überreicht auch mal ein Rezept für die Zubereitung von Spitzkohl. Sogar eine Floristin ist in der Gemüsehalle tätig. Da zum landwirtschaftlichen Betrieb auch ein Blumenfeld gehört, bindet sie täglich frische Sträuße. Ein Angebot, so die Chefin, „das bei den Kunden gut ankommt“.

Wartelisten für Filet

Während Kochs Hofladen an einer großen Straße liegt und damit auch „Laufkundschaft“ anzieht, befindet sich das Geschäft von Familie Bosse ein wenig versteckt im alten Dorfkern von Braunschweig-Rautheim. Die Bosses, das sind Mutter Gudrun und Tochter Andrea, eine gelernte Landwirtin. In den Abendstunden hilft auch ihre Schwester Britt mit. Über 100 Jahre besteht der Hof schon, der Schwerpunkt liegt im Ackerbau. Im Laufe der Jahre wurde mit der Aufzucht von Galloway-Rindern und Leine- Schafen, einer Rasse aus der Region, begonnen und immer weiter ausgebaut. Für das Fleisch der Tiere kommen Käufer auch aus der Stadt, die Nachfrage nach Filet ist so groß, dass Gudrun Bosse mitunter Wartelisten führt.

Neben Fleisch verkauft sie im Hofladen auch selbst gebackenes Brot, dazu saisonales Obst und Gemüse. Manches stammt aus eigenem Anbau, andere Produkte kommen aus der Nachbarschaft. Das Sortiment umfasst außerdem Eier, Milch, Käse, Schinken, Gewürze und Tee. Bei den Fruchtaufstrichen finden sich neben Klassikern auch seltene Kompositionen wie Quitte-Schoko-Ingwer oder Pflaume- Blaubeer-Tomate. „Man darf nicht nur das ewig Vertraute anbieten“, so Gudrun Bosse. „Den Fruchtsecco haben wir auf einer Messe entdeckt“, ergänzt Tochter Andrea.

Während der Hofladen nur an drei Wochentagen geöffnet hat, kann sie selbst keine Pause machen. Die Bewirtschaftung von 56 Hektar Ackerland und 20 Hektar Grünland, vor allem aber die Tiere – dazu zählen auch Masthähnchen und ab Sommer noch Enten und Puter – verlangen nach einem Nonstop-Einsatz. Urlaub macht Andrea Bosse nur alle zwei Jahre, dann verreist sie eine Woche im Winter. Für diese kurzen Phasen bereitet die Landwirtin alles optimal vor, damit ihre Mutter es schafft, das Vieh allein zu versorgen. Dennoch wirkt die Tochter nicht so, als ob ihr die viele Arbeit schwerfällt. Von der Entscheidung, einen Hofladen zu eröffnen, ist sie noch heute überzeugt. „Das lohnt sich“, erklärt sie – obwohl sich Andrea Bosse über manchen Kunden wundert: Einige kommen extra wegen des guten Fleisches der Galloway- Rinder rausgefahren, „aber wissen noch nicht einmal, wie man ein Gulasch kocht“. Ihre Mutter lächelt darüber: „Es gibt eben solche und solche Kunden.“ Mit anderen kann man dafür richtig fachsimpeln – das ist dann der Ausgleich.

Prem Lata Gupta

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