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Wirtschaftszeitung Ein Mann brennt für seine Ideen
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00:15 14.09.2014
Bis hierher und nicht weiter: Fernando Tahmouresinia demonstriert seinen Flammschutz. Quelle: Moras
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Hildesheim

Er hat alles dabei. Fernando Tahmouresinia wühlt tief gebeugt in seiner Tasche, und als er wieder auftaucht, hält er Gläschen mit Probematerial in der Hand – Holzspäne, Papierfetzen, Watte. Das Feuerzeug hat er auch zur Hand und würde gleich hier zur Tat schreiten. Man geht dann doch lieber nach draußen, aber es wäre tatsächlich nicht nötig gewesen: Der Erfinder zündet eine Probe nach der anderen an, und eine Flamme nach der anderen erstirbt. „Sehen Sie? Die Firmen sind alle begeistert!“ Nur ins Geschäft kommt er nicht und versteht es nicht.

Der gebürtige Iraner brennt für seine Ideen. Der Jubel sprudelt genauso aus ihm heraus wie der Ärger über Banken, die ihn angeblich nicht finanzieren wollen, und Fördereinrichtungen, die nur Geld für Sanierungsfälle hätten. Wer das Geld nicht gleich mitbringe, habe keine Chance, ist er überzeugt, Jetzt sucht er Investoren für sein Flammschutzmittel, mit dem die Holzspäne und Papierfetzen behandelt wurden.

2924 Patente

... haben niedersächsische Erfinder im vergangenen Jahr angemeldet. Damit belegen sie bundesweit den vierten Platz.

Die Patentanmeldung läuft, und glaubt man dem in Hildesheim lebenden Erfinder, ist das weiße Pulver konkurrenzlos. Billig in der Herstellung, rückstandsfrei, ohne giftige Substanzen. Die Bestandteile behält Tahmouresinia für sich, „verschiedene Salze“ lässt er sich entlocken. Es wird in Wasser aufgelöst und der zu schützende Gegenstand eingetaucht oder damit bestrichen. Nach dem Trocknen demonstriert er es ein ums andere Mal mit nahezu beliebigen Stoffen – der Holzspan brennt bis zu jener Stelle, wo er präpariert wurde, dann geht die Flamme aus.

Die Grundidee stamme von einem Freund in den USA, erzählt Tahmouresinia, gemeinsam habe man sie weiterentwickelt. Für die Anwendung sieht der Bauingenieur praktisch keine Grenzen. Tapeten könne man damit feuerfest machen und Teppiche, Holz ebenso wie Textilien. „Das ist das einzige Mittel, das überall ohne Bedenken eingesetzt werden kann.“ Die einschlägigen Anwenderfirmen hat er längst abgeklappert und berichtet von großem Interesse. Die möglichen Kunden wollen das Mittel natürlich auf Herz und Nieren testen, „ich muss für alles Zertifikate besorgen“. Einige hat er schon, aber das genüge nicht, „und die sind teuer“. Doch Geld ist knapp, zu lange schon brennt der Erfinder für seine Ideen. Aus der Hand geben will er sie aber auch nicht, sein Traum ist zu groß, um sich mit ein paar Prozent für eine Lizenz zu begnügen.

Die Berater der IHK halfen, Tahmouresinia ist voll des Lobes – aber die Kooperationsbörse brachte bisher keinen Erfolg. Die NBank steuerte 30 000 Euro bei, suchte aber vergeblich Investoren. Das Erfinderzentrum Norddeutschland finanzierte zum Teil den Patentantrag. Doch die Hürde zur Massenproduktion ist höher, und kein Förderprogramm hilft darüber hinweg. Jetzt werden Partner gesucht, die Kapital und kaufmännisches Know-how mitbringen – und dem Erfinder seine Idee nicht aus der Hand nehmen.

Tahmouresinia kennt die Lage, es ist nicht seine erste Erfindung. Vor einigen Jahren hat er eine neuartige Fußmatte entwickelt. Was banal klingt, hat einen Trick: „Cleanmat“ reinigt sich selbst. Eine Filzmatte mit Löchern ist in eine flache Kunststoffwanne eingepasst. Durch die Löcher rieselt der Schmutz in die Wanne und kann ausgekippt werden – selbst eine kleine Bürste zum Reinigen hat der Erfinder untergebracht. Rund 4000 Stück seien verkauft worden, sagt Tahmouresinia, vor allem an Camper. Denen gefalle das kleine Format, doch für den Rest der Welt müsse die Matte größer sein. Also wollte er in neue Maschinen investieren, 400 000 Euro. Eine Förderbürgschaft hätte 320 000 Euro abgesichert, doch für den Rest fand er keinen Kreditgeber – es fehlt am Eigenkapital.

So schwankt der 56-Jährige zwischen Euphorie und Resignation. Er ahnt, dass das Problem auch mit ihm zu tun hat, mit dem Akzent, seinem Misstrauen und dem Temperament. Und mit dem Anspruch, denn natürlich will er die Fäden in der Hand behalten. Doch Tahmouresinia gibt nicht auf. Unermüdlich reist er durchs Land, schwärmt von Cleanmat und dem Flammschutz. Und erfindet weiter.

www.wundermatte.de

www.bfr-flameresistance.com/

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