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Sport als Geschäft Eine andere Liga

Handball ist Sport – aber auch Geschäft. Vor allem wenn ein Verein in der 1. Bundesliga spielt und internationale Weihen anstrebt. So wie der TSV Hannover-Burgdorf. Manager Benjamin Chatton erläutert, inwiefern das Budget auch die Strategie beeinflusst.

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Studierter Sportwissenschaftler: Jens Bürkle ist Trainer der TSV Hannover-Burgdorf.

Quelle: Treblin

Benjamin Chatton denkt immer voraus. „Im Sport steht zwar das aktuelle Spielergebnis der Mannschaft im Vordergrund“, sagt der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf. „Aber im Hintergrund beschäftigt man sich schon frühzeitig mit der Zukunft.“ Chatton weiß, dass Planung im Profisport eine ganz entscheidende Rolle spielt – analog zu Wirtschaftsunternehmen. Trends zu erkennen und Entwicklungen vorherzusehen sind zentrale Anforderungen an den modernen Sportmanager. Aber der Diplom-Kaufmann zitiert auch die sogenannte Unsicherheitshypothese. Diese wurde bereits in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts von dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Simon Rottenberg aufgestellt. Sie besagt, dass der Wert einer Liga mit dem Grad an Unsicherheit über den Ausgang eines sportlichen Wettbewerbs steigt. Was im ökonomischen Sinn bedeutet: Der Spannungsbogen eines Spiels lässt sich als strategischer Erfolgsfaktor deuten. Professionalität und integriertes Marketing spiegelt sich auch in der Fähigkeit des Sportmanagers wider, im richtigen Maß qualifiziertes Personal einzusetzen – ein Zuviel an Spitzenspielern rechnet sich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr.

Zeitpunkt der Zukäufe ist auch vom Budget abhängig

So weit die Theorie. Aktuell befinden sich die hannoverschen Handballer im Mittelfeld der Tabelle. In der vorangegangenen Spielzeit wurden die Verpflichtungen der Neuzugänge Morten Olsen, Erik Schmidt und Malte Semisch bereits vor der Winterpause perfekt gemacht. „Es gibt im Sport immer zwei Szenarien. Wenn man über ein kleines Budget verfügt, muss man bei Transfers schneller als die Konkurrenz sein. Hat man viel Geld zur Verfügung, stehen einem mehr Möglichkeiten zur Verfügung, und man kann auch mal länger warten. In unserer Situation kommt es also eher auf die Schnelligkeit an“, sagt Chatton.

Die Strukturen des einzigen niedersächsischen Handball-Erstligisten wurden unter anderem wegen der zunehmenden Professionalisierung bereits im Jahr 2005 entscheidend geändert.

Aus der Vereinssparte wurde eine GmbH

Aus dem klassischen Sportverein TSV Burgdorf e. V. wurde die TSV Hannover-Burgdorf Handball GmbH ausgegliedert, die im Jahre 2012 um den Markenzusatz „Die Recken“ ergänzt wurde. An der Gesellschaft hält der Mutterverein die Stimmmehrheit. Chatton vergleicht die „Historie unserer GmbH mit einer jungen Frau, die in die größere Stadt gezogen ist, geheiratet hat, aber trotzdem den Kontakt ins Elternhaus hält“.

Insgesamt sind außer dem Geschäftsführer noch 22 weitere Angestellte bei der GmbH beschäftigt, 14  Handballprofis, fünf Geschäftsstellenmitarbeiter sowie je ein Trainer, Physiotherapeut und Jugendkoordinator. Dabei kümmert sich die Geschäftsstelle um Marketing, Vertrieb, Kommunikation, Ticketing und Spieltagorganisation. Doch auch ein Profibetrieb wie die Handball-GmbH braucht ehrenamtliche Helfer „vor allem am Spieltag“, sagt Chatton. Ohne sie könne der Ablauf der Veranstaltung nicht gewährleistet werden.

Der 34-Jährige vereint in seinem Amt als Geschäftsführer die Aufgabenbereiche Sport und Wirtschaft, die sich beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 Martin Kind und Martin Bader mittlerweile teilen.

Die Recken wollen international mitspielen

Sein Ziel ist es, die erfolgreiche sportliche und wirtschaftliche Entwicklung fortzuführen. „Wenn wir dauerhaft um die internationalen Plätze mitspielen wollen, brauchen wir einen Etat von 5 Millionen Euro. Davon sind wir momentan noch ein gutes Stück entfernt“, sagt der Geschäftsführer. Deshalb reagierte er auch souverän, als Bernd Gessert, Geschäftsführer von Hauptsponsor CP-Pharma, 2014 Träume von der Champions League öffentlich äußerte. „Das ist eine Vision, die uns alle antreibt: Wohin wollen wir mal?“, sagte er damals in einem HAZ-Interview. „Ein solches Leitbild ist aber auch immer mit einem längeren Zeitraum verbunden.“

Damit der Traum irgendwann Wirklichkeit werden kann, bedarf es nicht nur harter Arbeit, sondern auch eines guten Netzwerkes. Die langfristig angelegten Partnerschaften mit CP-Pharma oder den Premium-Partnern Enercity und der Sparkasse Hannover bilden die Spitze einer Sponsorenpyramide, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbreitert hat – jetzt setzt sich der Etat der Bundesliga-Handballer zu 70 Prozent aus Einnahmen im Bereich Sponsoring zusammen. „Wir haben mittlerweile ein Partnernetzwerk, in dem mehr als 100 Firmen vertreten sind. Wenn wir weiter wachsen wollen, müssen wir mehr Wirtschaftsunternehmen für unser Projekt begeistern“, sagt Chatton.

Interessant sein für möglichst breite Zielgruppe

Die „Recken“ konkurrieren bei ihren Auftritten mit zahlreichen anderen Freizeitveranstaltungen in Hannover. Dazu Chatton: „Unternehmen wie Individuen unterliegen gleichermaßen Budgetrestriktionen. Wir müssen den Spagat schaffen, ein erfolgreiches und zugleich individuelles Produkt anzubieten, dass für eine möglichst breite Zielgruppe interessant ist“, erklärt der 34-Jährige. Dieser Satz fällt typischerweise in der Führungsetage eines Wirtschaftsunternehmens – und als solches muss man die TSV Hannover-Burgdorf mittlerweile bezeichnen.

Der Verein

Gründung : 2005

Sportliche Erfolge: 2005 Aufstieg aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga, 2009 Aufstieg aus der 2. in die 1. Bundesliga, 2013 6. Platz in der Bundesliga und Qualifikation für den EHF-Europa-Pokal.

Etat : 3,2 Millionen (geschätzt), von der GmbH gibt es keine offiziellen Angaben.

Gesellschafter : Mehr als 50 Prozent hält der „Mutterverein“ TSV Burgdorf, dazu kommen vier Personen, die dem Verein langjährig verbunden sind.

Geschäftsführer : Benjamin Chatton. Der 34-Jährige ist Diplom-Kaufmann und hat in der Regionalliga Handball beim MTV Braunschweig gespielt. Chatton ist seit dem 1. Juli 2011 bei der TSV Hannover-Burgdorf GmbH im Amt und damit der jüngste Geschäftsführer in der Handball-Bundesliga. Zuvor war der gebürtige Helmstedter kaufmännischer Leiter beim Handball-Bundesligisten TBV Lemgo und Geschäftsführer beim Handball-Erstligisten HBW Balingen-Weilstetten. Chatton ist Mitglied im Präsidium des Ligadachverbandes HBL, sein Vertrag in Hannover läuft bis 2018.

Adresse : Leo-Sympher-Promenade 65 im Ortsteil Groß-Buchholz.

Spielstätte der Handballer : Swiss-Life-Hall, Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 8, Hannover (früher AWD-Hall und Stadionsporthalle). Fassungsvermögen: etwa 4500 Zuschauer.

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