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Interview Besser essen, schneller denken

Holger Stromberg, Koch der Nationalelf, erklärt, wie man sich bei der Arbeit richtig ernährt.

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Holger Stromberg, Koch der Nationalelf, weiß, welches Essen gut tut. Und zwar nicht nur Profifußballern.

Quelle: dpa

Herr Stromberg, Sie kochen seit 2007 für die Nationalelf. Wie groß ist Ihr Anteil am WM-Sieg?

(Lacht) Das lässt sich nicht messen. Um einen Titel zu gewinnen, müssen sehr viele Zahnräder ineinandergreifen. Ein kleines davon ist die Ernährung.

Kicken Fußballer besser, wenn sie aufs Essen achten? Gerade geniale Spieler gelten oft als disziplinlos.

Diese Zeiten sind vorbei. Sicher gibt es Mannschaften, in denen der eine oder andere raucht oder beim Essen über die Stränge schlägt. Aber solche Teams schaffen es in großen Turnieren nie unter die letzten Vier. Was es bringt, auf Körper und Ernährung zu achten, sieht man an den wirklichen Profis.

Wie zum Beispiel … ?

… an Miroslav Klose. Ich kenne ihn seit Jahren, er verfügt über eine unglaubliche Selbstdisziplin.

Dass ein Profisportler bei guter Ernährung mehr leisten kann, leuchtet ein. Aber lässt sich das auf Normalsterbliche übertragen?

Natürlich! Jeder Mensch stellt unterschiedliche Anforderungen an seinen Körper. Und jeder kann ihm mit der passenden Ernährung helfen, sie zu erfüllen. Es kommt nur darauf an, zu verstehen, was für Nährstoffe der Körper braucht.

Gehen wir mal einen Tag vom Aufstehen bis zum Zubettgehen durch. Es heißt, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages...

Jein. Manche Menschen fühlen sich nach dem Frühstück eher schlecht – die sollte man nicht dazu zwingen. Für alle anderen geht es morgens darum, dem Körper die Nährstoffe zuzuführen, die ihn bestmöglich auf den Tag vorbereiten.

Welche sind das?

Vor allem Ballaststoffe, etwa in Form eines Vollkornmüslis. Dann ist eine Eiweiß-Komponente wichtig, nehmen Sie meinetwegen Quark oder ein Hühnerei. Auch Vitamine und Mineralstoffe gehören dazu. Fette sollten Sie nicht komplett meiden. Sie sind zwar verpönt, aber in Maßen lebenswichtig – etwas Butter darf schon dabei sein. Oder Leinöl. Und achten Sie bei allem darauf, dass die Nahrungsmittel so natürlich gewonnen werden wie nur möglich.

Sie meinen, ein Ei aus einer Legebatterie ist weniger wertvoll als eines von frei laufenden Hühnern?

Auf jeden Fall! Man muss die gesamte Nahrungskette betrachten: Ein Huhn, das mit dem Schnabel in der Erde scharrt, nimmt viel mehr Mineralstoffe in sich auf als ein Käfighuhn, das womöglich noch mit Antibiotika vollgestopft ist.

Nun zum Mittag. Für die meisten Büroarbeiter heißt das: Currywurst, Schnitzel-Pommes oder Spaghetti Bolognese in der Betriebskantine.

Wir haben immer mehr Single- und Doppelverdiener-Haushalte in Deutschland, in denen kaum gekocht wird. Diese Menschen nehmen einen entscheidenden Teil ihrer Mahlzeiten in der Firma ein. Leider machen sich viele Arbeitgeber nicht bewusst, wie wichtig eine gute Kantine ist.

Wie meinen Sie das?

Nehmen wir die Spaghetti Bolognese – sie gehört zu den beliebtesten Kantinengerichten. Das Problem: Die Pasta besteht meist aus Weißmehl, dazu kommt dunkles Fleisch, zubereitet mit schlechtem Olivenöl oder Fett. Kein Wunder, wenn die Leute anschließend ins 12-Uhr-30-Loch fallen.

Aber die wenigsten haben die Zeit, zu Hause selbst zu kochen.

Viele nehmen sich aber auch nicht die Zeit! In solchen Fällen empfehle ich das Salatbüfett. Vielleicht gibt es auch gedünstetes oder gedämpftes Gemüse. Noch besser wäre natürlich, die Betriebe würden ihre Kantinen umstellen.

Und dann gibt es nur noch Salat und Gemüse und die Angestellten pilgern zum nächsten Fastfood-Tempel.

Unsinn! Ich nehme niemandem die Pasta oder Currywurst weg – ich bereite sie nur anders zu, mit hochwertigen Lebensmitteln, ohne Geschmacksverstärker.

Das dürfte ziemlich teuer sein. Die Firmen müssten ihre Kantinen noch stärker subventionieren.

Studien haben gezeigt, dass jeder Euro, der ins betriebliche Gesundheitsmanagement oder in die Firmenkantine geht, 6 Euro an Produktivitätsgewinnen bringt. Das lohnt sich also.

Aber schmeckt das, so gesund… ?

Wer 20 Jahre lang von der Kantine an Geschmacksverstärker gewöhnt wurde, muss sich erst mal umstellen. Aber ich versichere Ihnen, nach drei Monaten möchte keiner zum alten Speiseplan zurück.

Es folgt der lange Nachmittag, die Zeit der Schokoriegel...

Auch am Nachmittag brauchen Sie Energie. Sonst kommt irgendwann der Hunger, das Gehirn schaltet sich aus, und sie greifen wahllos zum Nächstbesten.

Was empfehlen Sie?

Ich würde dazu raten, immer eine kleine Energieration parat zu haben, zum Beispiel eine Handvoll Nüsse, ein gekochtes Ei oder auch eine Dose Makrelen.

Was? Ich soll im Büro eine Dose Fisch aufmachen?

Sie werden sehen, es zahlt sich aus. Anders als unsere Muskeln kann unser Gehirn keine Energie speichern, es braucht Glukose, Proteine, Omega-3-Fettsäuren – am besten als steten Zufluss in kleiner Dosis. Von Traubenzucker-Drops rate ich ab, sie überschwemmen uns nur mit Glukose.

Kommen wir zum Abendessen. Nicht zu schwer und nicht zu spät?

Genau. Ich würde empfehlen, mal ein Ernährungstagebuch zu führen: An einem Abend essen Sie eine Pasta mit etwas Parmesan, am nächsten braten Sie sich ein Steak, am übernächsten gibt es gedämpftes Gemüse usw. Dazu notieren Sie sich: Wie fühle ich mich damit – und wie gut komme ich morgens aus dem Bett? Sie müssen individuell für sich herausfinden, was Ihnen gut bekommt.

Haben Sie kein Rezept nach dem Motto: morgens Müsli, mittags Salat, abends Vollkornbrot – und schon steigt die Leistung um 20 Prozent?

Schön wär’s, aber so läuft das nicht. Jeder Mensch ist anders, jeder sollte selbst versuchen, ein Verständnis dafür zu gewinnen, was sein Körper benötigt. Es gibt Grundregeln, die ich Ihnen genannt habe, aber darüber hinaus tue ich mich mit pauschalen Ratschlägen schwer. Einen Masterplan für alle gibt es einfach nicht.

Interview: Volker Kühn

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