Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Gewitter

Navigation:
Das leuchtende Orange
HAZ Wirtschaftszeitung

KWS Saat Das leuchtende Orange

Familienunternehmen, Innovationsführer, Partner der Landwirtschaft: Die Einbecker KWS Saat SE hat sich ihre Identität als bodenständiges, mit ruhiger Hand und auf lange Sicht geführtes Unternehmen bewahrt.

Voriger Artikel
Das schnelle Internet ist zu langsam
Nächster Artikel
Volles Programm

Die Saatgutbranche ist im Umbruch. Die Konsolidierungswelle hat in den vergangenen zwei Jahren an Fahrt und Dynamik gewonnen – und mit den jüngsten Megafusionen vor allem die Größten der Branche erfasst. Dass es auch anders geht, zeigt die Einbecker KWS-Gruppe. Als Unternehmen unter den weltweiten Top 5 behält KWS unaufgeregt und unbeirrt seinen Wachstumskurs bei. Ohne Fusionen und hin und wieder mit passenden Zukäufen. „Wir sind auf Kurs“, sagt KWS-Vorstandssprecher Hagen Duenbostel. Mit „Kurs“ ist profitables und vor allem nachhaltiges Wachstum gemeint. Und das ist dem nach wie vor familiengeprägten Unternehmen bislang auch gelungen.

Während die Branche zuletzt Rückgänge bei Umsatz und Ertrag hinnehmen musste, ist die KWS-Gruppe in den vergangenen 15 Jahren gewachsen: „Kontinuierlich, moderat und organisch“, wie Duenbostel betont. Der Umsatz ist in jedem Jahr um rund 9 Prozent gestiegen, und auch im Geschäftsjahr 2016/17, das Ende Juni zu Ende ging, riss der Trend nicht ab. Mehr als 900 Millionen Euro Umsatz in den ersten drei Quartalen bedeuteten erneut fast 9 Prozent Wachstum, und das operative Ergebnis sprang um ein Drittel.

Das ist keine Selbstverständlichkeit angesichts volatiler Märkte. Wechselkursschwankungen, ein Überangebot an Agrarrohstoffen, fallende Endverbraucherpreise und rückläufige Anbauflächen wichtiger Kulturarten prägen die internationalen Märkte. Dazu kommen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten, unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen und eine rasant zunehmende Digitalisierung der Geschäftsprozesse.

Unabhängigkeit durch Familienprägung

„Konsolidierungswellen gab es auch schon früher. Und bislang ist KWS immer gestärkt aus diesen Veränderungen hervorgegangen“, sagt Duenbostel. „Wir sehen gute Chancen, unsere Position als unabhängiger Saatgutspezialist zu festigen und unseren eigenen, erfolgreichen Weg weiterzugehen.“ Ein Grund für dieses Selbstbewusstsein: KWS ist ein Unternehmen mit kräftigen Wurzeln und unverrückbaren Werten, die durch die Familienaktionäre geprägt werden. Dieses Selbstverständnis und die gelebte Haltung werden im Unternehmen als zentrale Erfolgsfaktoren gesehen. Ein weiterer: die Unabhängigkeit, die KWS seit nunmehr sechs Generationen bewahrt. Und trotz Börsennotierung deutet nichts darauf hin, dass sich daran etwas ändern könnte. Ganz im Gegenteil: Unabhängigkeit soll das Fundament bleiben, auf dem der KWS-Erfolg beruht.

„In zwei Punkten unterscheiden wir uns wesentlich von unseren Mitbewerbern“, sagt Duenbostel. „Zum einen konzentrieren wir uns ausschließlich auf Pflanzenzüchtung und Saatgut, sind also in der Agrarchemie nicht aktiv. Zum anderen haben wir eine besondere Eigentümerstruktur: Die Mehrheit der Aktien liegt in den Händen der Familien Büchting und Arend Oetker. Die Philosophie eines Familienunternehmens, in Generationen zu denken und entsprechend nachhaltig zu handeln, prägt KWS und schafft die Voraussetzung für Kontinuität und profitables Wachstum.“ Ein Beleg dafür sei auch die vergleichsweise geringe Ausschüttung von 20 bis 25 Prozent des Jahresüberschusses; der Löwenanteil wird reinvestiert. „Dieses Verantwortungsbewusstsein der Eigentümer und unsere Unabhängigkeit schaffen den Freiraum, intensiv forschen und neue Sorten entwickeln zu können und das Sortenportfolio auf den Bedarf der Landwirte optimal zuzuschneiden.“

KWS ist ein Teil der Landwirtschaft

Landwirte stehen ohnehin seit nunmehr 160 Jahren im Zentrum aller Aktivitäten. Der Grund: KWS kommt aus der Landwirtschaft und fühlt sich den Menschen, die mit und von ihr leben, in besonderer Weise verbunden. Das ist so, seit Matthias Christian Rabbethge im Jahre 1856 in Klein-Wanzleben in der Magdeburger Börde den Grundstein für das Unternehmen legte. Jedem Landwirt genau die Produkte anbieten zu können, die für ihn die richtigen sind, ist seitdem der Anspruch Das schließt die Öko-Landwirtschaft ausdrücklich mit ein. Damit ist auch ein hoher Anspruch an die Kommunikation mit dem Kunden verbunden, da die weite Spanne von konventionellem über gentechnisch verändertes Saatgut bis zum Öko-Saatgut glaubwürdig vertreten werden muss. „Wir begegnen dem Landwirt partnerschaftlich, sehen in ihm einen gleichberechtigten Unternehmer und achten sein Wissen und seine Erfahrung. Unser Ziel ist es, ihn bestmöglich zu unterstützen“, sagt Duenbostel. Und dieser Geist prägt das Unternehmen bis heute.

Von Bernhard Marks

"Wir glauben an moderne und nachhaltige Landwirtschaft"

Pflanzenzüchtung ist forschungsintensiv. Bis zu zehn Jahre dauert es, bis eine neue Sorte zugelassen wird und auf den Markt kommt. KWS investiert jedes Jahr rund 17 Prozent des Umsatzes in Forschungs- und Entwicklungsprojekte und eröffnet der Landwirtschaft damit bis zu 2 Prozent Ertragsfortschritt pro Jahr. KWS-Vorstand Dr. Léon Broers erläutert, worauf es in den nächsten Jahren ankommt.

Warum investiert KWS so viel in die Forschung und Züchtung?

Wir glauben an eine moderne und nachhaltige Landwirtschaft. Ziel unserer Züchtungsarbeit ist es, Landwirten genau die Sorten zur Verfügung zu stellen, die ihre Anforderungen erfüllen. Ob konventionelle oder ökologische Landwirtschaft, spielt dabei keine Rolle. Wir bieten Saatgut an, das dem Klima und den Bodenverhältnissen der verschiedenen Regionen angepasst ist, den Ertrag steigert und mit dem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden kann.

Welche Rolle spielen innovative Technologien?

Angesichts des wachsenden Bedarfs an pflanzlichen Rohstoffen sind wir auf Innovationen angewiesen. Denn der größte Teil der Produktionssteigerung wird heute durch technologische Innovationen sichergestellt. Statt einer Erweiterung der Anbaufläche, über die früher die Anbaumenge vergrößert wurde, geht es heute darum, Ernteverluste zu minimieren und Sortenerträge zu maximieren. Daher wird es immer wichtiger, Erfolg versprechende Forschungsthemen und Technologien zu identifizieren.

Welche Schwerpunkte setzt KWS?

Ein Fokus liegt auf einer gut gefüllten Produktpipeline. Wir haben rund 400 neue Vertriebsgenehmigungen jedes Jahr. Ein anderer Schwerpunkt sind neue Züchtungsmethoden wie Genome Editing.

Welche Vorteile bietet Genome Editing?

Die Methoden des Genome Editing ermöglichen eine schnellere und präzisere Pflanzenzüchtung. Wir können Gene gezielt ein- oder ausschalten oder austauschen. Die Produkte, die dabei entstehen, könnten auch von selbst in der Natur oder durch klassische Kreuzungs- und Kombinationszüchtung entstehen und sind somit naturidentisch. Sie sind von konventioneller Züchtung nicht zu unterscheiden. Aber mit Genome Editing geht es erheblich einfacher und vor allem schneller. Mit der klassischen Selektionsund Kombinationszüchtung dauert das Einführen spezieller Eigenschaften in eine Sonnenblume mindestens sieben Pflanzengenerationen. Mithilfe von CRISPR/Cas sind nur zwei Generationen nötig. Dies lässt erahnen, was die neuen Methoden leisten können. Zukunftstechnologien werden in der Öffentlichkeit häufig kritisch gesehen, vor allem dann, wenn es dabei auch um Gene oder DNA geht.

Wie steht KWS dazu?

In dem Punkt ist es wichtig, zu differenzieren. Methoden, die ohne den Transfer von artfremden Genen und Genbestandteilen auskommen, sind naturidentisch und vom Gesetzgeber wie traditionelle Züchtungsverfahren einzustufen. Sie sind keine Gentechnik. Aus unserer Sicht kann Genome Editing einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren und ertragsstarken Landwirtschaft leisten und die genetische Variation für eine größere Sortenvielfalt erweitern. Züchtungsziele wie eine verbesserte Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten, Schädlinge und abiotischen Stress können wir schneller erreichen.

Was ist dann das Problem?

Der Weg zu einer neuen Technologie wie dem Genome Editing ist weit – und das nicht nur aufgrund von technischen Hürden. Ein viel wichtigeres Kriterium ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Wie sieht der Verbraucher die neuen Methoden und wie schätzt er sie ein? Wir entziehen uns der gesellschaftlichen Debatte nicht, sondern haben Plattformen geschaffen, um solche Themen zu diskutieren. Im Februar hatten wir 60 renommierte Vertreter aus aller Welt zum ersten Stakeholder-Dialog eingeladen, um das Thema Genome Editing im Kontext einer nachhaltigen Landwirtschaft zu beleuchten. Das sind intensive Diskussionen, die wissenschaftliche, regulatorische, ethische und gesellschaftliche Fragestellungen aufgreifen. Dieser Dialog ist für uns als Unternehmen sehr wichtig. Dabei sind zurzeit aber von rechtlicher Seite noch einige Fragen offen, beispielsweise, wie diese Methoden in der EU künftig regulatorisch bewertet werden. Als Unternehmen brauchen wir unbedingt Rechtssicherheit, um für unsere Investitionen langfristig die Weichen richtig zu stellen.

Was sind die Herausforderungen für KWS?

Züchtung wird immer komplexer und anspruchsvoller. Die großen Herausforderungen sind die sehr schnelle technologische Entwicklung und immer kürzere Produktzyklen. Die Wahl der richtigen Projekte ist für KWS daher sehr wichtig. Wir müssen uns bewusst sein: Wenn wir einen Euro zu vergeben haben, haben unsere großen Mitbewerber das Vielfache zur Verfügung. Wir müssen also die richtigen Entscheidungen treffen.

Interview: Bernard Marks

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Mehr aus Wirtschaftszeitung
Dossiers

Wichtige Themen aus dem Bereich der Wirtschaft betrachten wir aus unterschiedlichen Blickwinkeln und bündeln daraus für Sie informative Dossiers. mehr

DAX
Chart
DAX 13.174,50 -0,54%
TecDAX 2.646,75 -0,18%
EUR/USD 1,2227 -0,24%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

BEIERSDORF 97,32 +1,19%
CONTINENTAL 243,50 +0,83%
HEID. CEMENT 92,24 +0,46%
VOLKSWAGEN VZ 180,48 -1,07%
MERCK 91,56 -0,89%
LUFTHANSA 29,06 -0,82%

Aktienkurse regionaler Unternehmen

VOLKSWAGEN VZ 180,48 -1,07%
CONTINENTAL 243,50 +0,83%
TUI 17,99 +0,42%
SALZGITTER 50,30 +0,62%
HANNO. RÜCK 111,60 +1,09%
SYMRISE 68,74 +0,61%
TALANX AG NA... 35,70 +0,28%
SARTORIUS AG... 88,25 -0,11%
CEWE STIFT.KGAA... 87,50 +1,04%
DELTICOM 11,35 ±0,00%

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 293,96%
Commodity Capital AF 259,23%
SEB SICAV 2 SEB Ea AF 113,09%
BlackRock Global F AF 108,47%
BlackRock Global F AF 104,65%

mehr

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte