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Ottobock Ein Handschlag für Generationen

Was Hans Georg Näder aus dem Familienunternehmen Ottobock gemacht hat.

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Das Science Center von Ottobock am Potsdamer Platz in Berlin.r

Quelle: diephotodesigner.de

Leger im schwarzen Polo-Shirt gekleidet sitzt Hans Georg Näder in seinem Büro im Science Center in Berlin. Durch die hohen Fenster des futuristischen Gebäudes fällt der Blick auf die moderne Architektur der Hochhäuser am Potsdamer Platz. Weit unten sind die vielen Menschen zu sehen, die emsig ihrem Tagewerk nachgehen. Hier im sogenannten Hub laufen viele Fäden des Unternehmens Ottobock zusammen. „Wir sind hier sehr unkompliziert miteinander, wer kommt, setzt sich einfach an einen freien Arbeitsplatz und legt los“, erklärt Näder. Berlin sei neben Duderstadt für Näder und Ottobock von großer Bedeutung. Nicht nur weil der Orthopädiemechaniker Otto Bock die Firma 1919 in Berlin unweit des heutigen Standortes gegründet hat. „In Berlin herrscht Aufbruchsstimmung“, sagt Näder. An kaum einem Ort der Welt sammeln sich laut Näder derzeit so viele junge Menschen mit innovativen Ideen, an kaum einem anderen Ort lassen sich diese auch noch umsetzen.

„Wenn ich in die USA fliege, spricht man über Berlin“, sagt Näder. Pioniergeist ist auch ihm nicht fremd, im Gegenteil. Als Enkel des Firmengründers übernahm er 1990 bereits im Alter von 28 Jahren die Regie von seinem Vater Max Näder, dem Schwiegersohn von Otto Bock. Näders Bilanz kann sich sehen lassen: Er hat seitdem die Zahl der Mitarbeiter mehr als verfünffacht. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Duderstädter Unternehmer sprüht immer noch vor Ideen. „Im Jahr 2019 könnte der Börsengang der Duderstädter Ottobock HealthCare anstehen“, berichtet der Firmenchef bei einem Treffen. Das Flaggschiff der Gruppe zeichnete im Geschäftsjahr 2016 mit 872 Millionen Euro für mehr als 80 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich, für sie arbeiten mehr als 6800 Angestellte weltweit. Die Firma soll dazu in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (SE & Co. KGaA) umgewandelt werden, die es der Familie Näder ermöglicht, weiter den Ton anzugeben. Sitz der Aktiengesellschaft soll weiter Duderstadt bleiben.

Für alle Eventualitäten

Der Vollblutunternehmer wählt seine Worte mit Bedacht. Näder lässt es dabei bewusst offen, ob er tatsächlich 2019 an die Börse gehen wird. „Möglicherweise ist die Stimmung im Jahr 2019 allgemein schlecht für einen IPO dieser Größenordnung, dann wäre der Schritt an die Börse auch später denkbar“, so Näder. Man wolle aber auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Schon jetzt laufen deshalb im Hintergrund die Vorbereitungen für ein neues Kapitel in der Firmengeschichte der Ottobock-Gruppe.

Das Thema Börsengang des Familienunternehmens ist dabei kein ganz neues. Im Jahr 2000 gab es erste Überlegungen und viele Diskussionen mit der Finanzwirtschaft. Letztlich hatte sich Max Näder, der Vater des jetzigen Unternehmenschefs Hans Georg Näder, gegen einen Börsengang ausgesprochen, weil man noch nicht bereit dafür war. Heute ist die Situation anders. Der größte direkte Konkurrent der Otto Bock HealthCare, das isländische Prothetik-Unternehmen Össur, ist bereits börsennotiert. Ebenso gebe es in den USA viele Unternehmen in der Branche, die sich über die Börse Geld für Investitionen organisieren. Um das Unternehmenswachstum zukunftssicher aufzustellen, hätten die Familie Näder und die Geschäftsführung sich daher für den Börsengang entschieden.
Ottobock wird derzeit mit rund 
3 Milliarden Euro bewertet. „Doch allein die Produkte sind mehr wert“, sagt Näder schmunzelnd. Die Aussichten sind besonders für die Otto Bock HealthCare ausgezeichnet. Für den eventuellen Börsengang macht Näder das Unternehmen fit. Er will zum Beispiel bis Mitte des Jahres 20 Prozent der Anteile an dem Medizintechnik-Unternehmen aus Duderstadt an Finanzinvestoren, Family Offices oder Technologiefonds verkaufen. Näder erhofft sich dadurch Erlöse von 600 Millionen Euro. Zudem verkauft er Firmen aus der Ottobock-Gruppe. Kürzlich gab Näder bekannt, die Firma Sycor, eine 100-Prozent-Tochter von Ottobock, zu veräußern. Im Jahr 1998 war Sycor aus der Ottobock-Gruppe hervorgegangen und erwirtschaftet heute mit 650 Mitarbeitern rund 71 Millionen Euro pro Jahr.

Großen Coup gelandet

„Wir wollen uns einerseits auf unser Kerngeschäft konzentrieren“, sagt Näder. Andererseits soll das durch den Verkauf eingenommene Geld in die Gesundheitssparte investiert werden. Auch die Kunststoffsparte in Duderstadt, die rund 330 Mitarbeiter beschäftigt, will Näder aus diesem Grund veräußern. „Wir wollen weiter wachsen“, sagte er. Einen großen Coup landete der Duderstädter Unternehmer mit dem Kauf der bionischen Hand BeBionic vom britischen Spezialisten 
Steeper.

„Mit der Übernahme der BeBionic-Hand begegnen wir einer neuen Generation von Anwendern,“ sagt Hans Georg Näder. Mit der Michelangelo verfügt Ottobock damit über eine zweite spektakuläre Handprothese. „Mit BeBionic will das Duderstädter Unternehmen seine Marktposition in der Armprothetik weiter ausbauen“, kündigt Näder an. Zugleich biete BeBionic sowohl dem Anwender als auch dem Techniker ein neues Segment und fülle zugleich eine Lücke im Produktportfolio. Die Beweglichkeit mehrerer Finger spielt nicht nur aus emotionalen Gründen eine große Rolle bei Patienten. Vor allem auch im Hinblick auf die zunehmend digitale Arbeits- und Freizeitwelt hätten sich die Bedürfnisse und Anforderungen der Menschen geändert, die auf eine Armprothese angewiesen sind.

Während die Michelangelo-Hand sich durch kraftvolle Griffvarianten auszeichnet, liege der Vorteil der BeBionic-Hand in der Vielfalt der Griffmuster, zum Beispiel in der Alleinstellung des Zeigefingers. Prothesenträgern werde dadurch zum Beispiel die Benutzung einer Tastatur erleichtert.

Fühlende Prothesen

Näder wäre nicht Näder, wenn er nicht weit in die Zukunft blicken würde. „Der Markt der Orthobionik steckt erst in den Anfängen“, sagt er. Künftig werde es die „fühlende Prothese“ geben, die warm und kalt unterscheiden könne. Prothesenlösungen für Knie und Fuß werden miteinander kommunizieren können, die Kommunikation zwischen Mensch und Prothese deutlich erleichtert werden, glaubt Näder.

Auch im Bereich Robotik werde der technische Fortschritt bisher ungeahnte Möglichkeiten für die Industrie eröffnen. „Fühlende künstliche Hände in der industriellen Fertigung wäre für viele Firmen äußerst interessant“, so Näder. Entsprechend groß sei das Entwicklungspotenzial der Otto Bock 
 HealthCare.

Von Bernhard Marks

Das Fab Lab in Berlin

Der Open Innovation Space ist eine offene Plattform - ein Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs zwischen innovativen Köpfen aus aller Welt. Initiiert von Hans Georg Näder und betrieben vom Fab Lab Berlin ermöglicht er Open Research sowie Open Education und stellt eine marktnahe Infrastruktur für Unternehmungen, Services und Forschungen bereit. Genutzt wird diese von Ottobock-Entwicklungsingenieuren ebenso wie von akademischen Einrichtungen, Privatpersonen oder Start-ups. Ziel dieser interdisziplinären Zusammenarbeit sind Ideen und Konzepte, aus denen Erfindungen und Produktentwicklungen hervorgehen.

Das Fab Lab ist aber nur einer der künftigen Mieter der ehemaligen Bötzow-Brauerei in Berlin-Prenzlauer Berg. Hier hat Näder Großes vor. In den nächsten Jahren sollen auf dem ehemaligen Brauereigelände unter anderem das „FutureLab“ des Konzerns, ein Schwimmbad, zahlreiche Mietwohnungen und auch wieder eine Brauerei mit Biergarten entstehen. Dazu werden die alten unter Denkmalschutz stehenden Backsteingebäude saniert und durch Neubauten ergänzt.

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