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Interview Messen stärker mit Hannover verbinden

Messe-Aufsichtsrat Olaf Lies und Vorstandschef Wolfram von Fritsch sprechen über den Investitionsbedarf am Standort, eine engere Verknüpfung der Messe mit der Region und Barack Obama.

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Olaf Lies (2. v. l.), niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Wolfram Freiherr von Fritsch (r.), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG in Hannover, im Gespräch mit HAZ-Redakteuren.

Quelle: Foto: Marta Krajinovic

Herr Lies, Herr von Fritsch, noch zum Anfang des Jahrtausends platzte Hannover zu Messezeiten aus allen Nähten, heute merkt man in der Stadt kaum noch etwas von den Ausstellungen. Wie weit geht der Bedeutungsverlust?

Olaf Lies: Das ist nun wirklich übertrieben. Natürlich sind die Zeiten vorbei, als die Stadt angesichts von 800 000 und mehr Cebit-Besuchern fast schon vibrierte. Aber die hannoverschen Messen bringen der Stadt noch immer eine große Internationalität und haben eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung für die Region. Immerhin hängen daran 15 000 Arbeitsplätze und 550 Millionen Euro Wertschöpfung im Jahr. Die Reputation der großen Messen und des Messestandorts Hannover im Ausland ist enorm.

Wolfram von Fritsch: Unsere Kolle- gen von anderen Messegesellschaften beneiden uns um die Veranstaltungen in Hannover - wir sind Marktführer bei internationalen Investitionsgütermessen - und um das Zusammenwirken mit der Landesregierung. Beide Seiten wissen um die wirtschaftspolitischen Chancen und können sie nutzen, indem sie über Bande spielen.

Große zählbare Erfolge scheint das aber bislang noch nicht gebracht zu haben.

Lies: Dass wir hier noch mehr tun können, wissen wir. Und das ist übrigens auch ein Ziel von mir für die Zukunft: Wir müssen die vielen ausländischen Topmanager, die nach Hannover kommen, viel offensiver umwerben, in der Region auch zu investieren. Da werde ich mich künftig auch stärker selbst einbringen. In diesem Jahr haben wir einen Aus- stellerabend für die niedersächsischen Unternehmen veranstaltet. Künftig wollen wir uns auch noch intensiver um die internationalen Aussteller kümmern. Ich will damit gezielt auch die Firmen erreichen, die noch nicht hier in Niedersachsen vertreten sind. In Hannover findet die wichtigste IT-Messe der Welt statt - aber unter den Start-ups der Digital- und Kreativwirtschaft läuft die Stadt leider noch unter ferner liefen, wenn es um die Frage geht, wo sie sich ansiedeln wollen. Wir müssen die Cebit stärker mit Hannover verbinden. Da gibt es noch großes Potenzial. Wenn wir in Niedersachsen ein IT-Cluster entwickeln können, dann sind durch die Cebit die Voraussetzungen hier in der Region doch ideal.

Die Cebit hat zuletzt ja nicht wirklich als Magnet getaugt. Sie schrumpft und schrumpft und schrumpft. Andere IT-Messen wie etwa in Las Vegas oder Barcelona haben der Cebit inzwischen den Rang abgelaufen.

von Fritsch: Die Cebit bleibt die wichtigste IT-Messe für das Fachpublikum weltweit. Während anderswo nur geguckt wird, fallen hier die Investi-tionsentscheidungen. Darauf haben wir die Veranstaltung ganz bewusst konzentriert und sie um einen großen Kongressteil ergänzt. Der ist gerade in diesem Jahr - unter anderem mit einer Liveschaltung zu Edward Snowden - auf große Resonanz gestoßen.

Lies: Noch gibt es keinen Grund zur Jubelstimmung, aber die Cebit hat sich stabilisiert. Die Ausrichtung auf das Fachpublikum wird allerorten als richtig gelobt. Dann kann ich auch damit leben, dass einige Gästegruppen nicht mehr da sind. Allein an Besucherzahlen lässt sich der Erfolg einer Messe nicht messen.

Böse Zungen meinen, man könnte die Cebit bald einfach wieder in die Hannover Messe integrieren, so wie das schon vor mehr als 30 Jahren der Fall war. Die Digitalisierung ist schließlich mittlerweile auch das wichtigste Thema der Industrieschau.

von Fritsch: Das ginge ja schon vom Platz her nicht. Aber darüber hinaus sind die Zielgruppen auch andere. Die Cebit bildet alle Auswirkungen der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle und -prozesse ab. Die Hannover Messe fokussiert sich auf die industrielle Wertschöpfungskette und die vernetzte Fabrik ...

Lies: ... und hat damit das Mega-Thema Industrie 4.0 für sich besetzt. Gerade in den USA, die an ihrer eigenen Reindustrialisierung arbeiten, ist das nicht verborgen geblieben. Ich war mit einer Delegation dort, um für die Teilnahme von US-Firmen auf der Hannover Messe 2016 zu werben. Das Interesse war äußerst groß. Und die Bundeskanzlerin arbeitet derzeit noch daran, auch Barack Obama nach Hannover zu locken.

Sollte der US-Präsident tatsächlich kommen, würde er ein Messegelände besuchen, das nicht mehr ganz taufrisch ist – während die Konkurrenz zuletzt kräftig investiert hat. Droht die Messe den Anschluss zu verpassen?

von Fritsch: Der Wettbewerb richtet sich heute an den Gastveranstaltungen aus – von der IAA des Verbands der Automobilindustrie bis zur EuroBlech von Mack Brooks. Und: Der Wettbewerb schläft nicht. Deswegen müssen auch wir unser Gelände auf dem neuesten Stand halten. Einiges ist dabei schon geschehen: Durch neue Einlasssysteme haben wir das gesamte Gelände modularisiert. Im vergangenen Herbst hatten wir bereits fünf Veranstaltungen parallel auf dem Messegelände – ohne dass die jeweiligen Besucher sich in die Quere kamen. Und der Neubau der Halle 19/20 ermöglicht ganz neue Veranstaltungsformate. Wir werden auch künftig die Spitzenstellung unseres Geländes durch Modernisierung sichern. In den nächsten Jahrzehnten werden wir daher Stück für Stück aus eigener Kraft investieren.

Was sind da die nächsten Schritte?

von Fritsch: Durch einen Übergang vom Convention Center zur Halle 7 können die Gäste dort trockenen Fußes von einer Seite auf die andere kommen. Weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung, bedürfen aber noch der Zustimmung des Aufsichtsrats. Klar ist aber, dass uns die Modernisierung noch mindestens zwei Jahrzehnte beschäftigen und mehrere Hundert Millionen Euro kosten wird.

Stadt und Land als Messegesellschafter müssen nichts dazugeben?

Lies: Nachdem wir das Unternehmen vor einigen Jahren mit einem einmaligen Hilfspaket von 250 Millionen Euro auf solide Füße gestellt haben, kann es sich und seine Projekte aus eigener Kraft finanzieren. Das bleibt auch unsere klare Anforderung.

Die Gesellschafter wollen aber auch schwarze Zahlen sehen. Bislang schafft die Deutsche Messe AG das aber noch nicht in jedem Jahr.

Lies: Die Kennzahlen verbessern sich stetig. Der Vorstand ist damit bislang deutlich schneller vorangekommen als geplant. Deshalb bin ich optimistisch, dass es ihm auch gelingen wird, von 2017 an perspektivisch in jedem Jahr ein positives Ergebnis zu erwirtschaften.

Welchen Beitrag kann dazu das internationale Geschäft leisten?

von Fritsch: Das Auslandsgeschäft ist unser größter Wachstumstreiber. Dort sind wir nicht nur mit unseren Marken zu Gast, wir sind seit 2001 beispielsweise auch Miteigentümer eines Geländes in Schanghai und betreiben komplette Messegelände – wie beispielsweise seit Kurzem in Jakarta. In diesen Rollen ist es wesentlich leichter, sich auch als Veranstalter einen Namen zu machen. Unter den deutschen Messegesellschaften wird keine so oft gefragt wie wir, ob sie nicht ein Gelände im Ausland betreiben will. Im internationalen Messewesen ist das Tempo hoch, die Potenziale müssen schnell gehoben werden. Wir sind als Unternehmen vorn dabei und haben seit 2010 insgesamt 70 Prozent Veranstaltungszuwachs über neue Veranstaltungen im Ausland auf allen Kontinenten erreicht. Und dort können wir dann umso besser auch für unsere Stamm-Messen in der Heimat werben.

Lies: Da zeigt sich die Bedeutung der Messe als Botschafter für die Region. In Euro und Cent wäre das gar nicht zu bezahlen.

Interview: Lars Ruzic, 
Felix Harbart und Hendrik Brandt

 

Olaf Lies

Olaf Lies ist als niedersächsischer Wirtschaftsminister derzeit turnusgemäß Aufsichtsratschef der Deutschen Messe. Stadt und Land wechseln sich mit dieser Aufgabe ab. Er ist Elektrotechnik-Ingenieur und war vor seinem Wechsel in die Politik an der FH Wilhelmshaven tätig – zuletzt als Personalratsvorsitzender. Lies ist seit 2002 SPD-Mitglied und seit 2008 Landtagsabgeordneter.

 

Wolfram von Fritsch

Wolfram von Fritsch steht seit sieben Jahren an der Spitze der Deutschen Messe AG. Der Jurist wirkte einst nach der Wende als Büroleiter des letzten DDR-Außenministers Markus Meckel an den Verhandlungen zum Einigungsvertrag mit. Nach der Promotion wechselte von Fritsch zur Deutschen Bahn. Dort war er vor dem Wechsel zur Messe Regionalchef der DB Regio in Hannover.

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