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Möbelbranche Kaufst du noch oder wohnst du schon?

„Der schärfste Wettbewerb weltweit“: Hannovers Möbelmarkt ist seit jeher hart umkämpft. Jetzt ist mit Höffner der nächste Konkurrent auf den Plan getreten.

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Mit 40.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gehört Möbel Staude zu den größten Möbelhäusern in der Region.

Quelle: Möbel Staude

Robert Andreas Hesse gehört nicht zu der Gattung Unternehmer, die zu Übertreibungen neigen. Seine diplomatische Art hat den 53-Jährigen bis zum Vizepräsidenten der deutschen Einzelhändler getragen. Wenn es allerdings um sein Kerngeschäft geht, greift der Inhaber von Möbel Hesse in Garbsen schon mal zu Superlativen. Er kenne keinen Großraum mit einer vergleichbaren Dichte an Möbelhäusern wie Hannover, sagte er einmal. „Es ist der wettbewerbsintensivste Markt Europas“, glaubt Hesse, „wenn nicht weltweit.“

Diese These kann der Unternehmer jetzt mit noch mehr Nachdruck vertreten. Denn zu den bereits vorhandenen gut 320 000 Quadratmetern Möbel-Verkaufsfläche in der Region Hannover sind Anfang November noch einmal 38 000 hinzugekommen – nach 15 Jahren Vorbereitung hat Deutschlands Nummer zwei nach Ikea, der Berliner Konzern Möbel Höffner, sein bundesweit 19. Haus eröffnet. Ausgerechnet in Altwarmbüchen, wo die Branche mit Porta, Möbel Boss, Multipolster, Dänischem Bettenlager, Küchen Aktuell und weiteren ohnehin schon gut vertreten ist.

Was für das Fachmarktzentrum an der Autobahn 2 gilt, lässt sich leicht auf den gesamten Großraum übertragen. Innerhalb der Regionsgrenzen liegt die Verkaufsfläche mit 0,31 Quadratmeter pro Einwohner zwar im Landesschnitt. Das Einzugsgebiet großer Möbelhäuser erstreckt sich heute allerdings auf gut 60 Kilometer. Deshalb leben Regionalgrößen wie Möbel Heinrich in Bad Nenndorf und Möbel Wallach in Celle zu einem Gutteil von hannoverschen Kunden.

Hannover noch wesentlich stärker vertreten als andernorts in Deutschland, sagt Guido Langemann, Handelsexperte der IHK Hannover. Und prominenter: Möbel Heinrich kommt auf 35 000, das hannoversche Urgestein Möbel Staude auf 40 000, Möbel Hesse auf mehr als 50 000 und Möbel Wallach sogar auf 60 000 Quadratmeter. Sie alle haben in den vergangenen Jahren Millionen investiert, um ihre Häuser für den verschärften Wettbewerb zu rüsten. Zum Teil sind an ihren Standorten längst kleine Möbelstädtchen mit mehreren Filialen für unterschiedliche Zielgruppen entstanden. „Wir erleben gerade einen Clash der Kulturen“, beschreibt es Langemann. Gut aufgestellte Familienbetriebe, die in Hannover lange den Markt bestimmt hätten, träfen auf große Ketten, die sich bundesweit ausbreiteten. Die Wettbewerbssituation am jeweiligen Ort interessiere Letztere nur am Rand. Dabei sei im Großraum Hannover „nicht mehr viel Luft im System“. Das sieht auch Hans-Ralf Großkord so. Der Hannoveraner ist Geschäftsführer bei Poco, Deutschlands sechstgrößter Möbelkette. „Der Kuchen ist genauso groß wie zuvor. Und jetzt kommt noch einer hinzu, der ein Stück abhaben will“, sagt er. In der Branche habe der Verdrängungswettbewerb zwar später eingesetzt als in anderen Handelssegmenten – dafür sei er nun aber umso schärfer. Andernorts hätten viele der „alten Platzhirsche“ bereits das Feld geräumt. In Hannover seien die Familienbetriebe jedoch professionell geführt und stark genug mitzuhalten.

Die Discounter Roller, Poco und die Porta-Tochter Möbel Boss gehen bei der Expansion besonders aggressiv vor. Nicht ohne Grund gehören sie zur Spitzengruppe in Deutschland und verfügen allein im Großraum Hannover über sieben Häuser. Gern siedeln sie sich in direkter Nähe zu einem klassischen Möbelhaus an.

Die Sortimente der einzelnen Händler hätten sich in den vergangenen Jahren stark ausdifferenziert, sagt Höffner-Chef Thomas Dankert. Deshalb könnten sich Häuser in direkter Nähe sogar befruchten. In München hatte Höffner einst mit Widerständen zu kämpfen, weil man kein weiteres großes Möbelhaus für nötig hielt. „Heute sind alle hochzufrieden“, sagt der Manager. „Ich glaube, dass das in Hannover auch so sein wird.“

Zumal in der Region – wie auch bundesweit – das Möbelgeschäft floriert. In den Konjunkturumfragen der IHK Hannover sind die Möbelhändler seit Monaten bester Stimmung. Durch die teils kräftigen Lohnzuwächse und die gesunkenen Kraftstoffpreise haben die Menschen wieder Geld für größere Anschaffungen. Und die aktuellen Null-Zinsen machen eine Finanzierung lukrativ. Unter diesen Bedingungen lässt es sich womöglich auch am Ort des schärfsten Möbelwettbewerbs der Welt aushalten.

Der Mann hinter Höffner

Kurt Krieger hat schon als Student in den späten Sechzigern seinen ersten Möbelhandel in Berlin eröffnet. Heute ist er mit den Ketten Höffner und Walther sowie einer Beteiligung bei Kraft der größte Möbelunternehmer im Land. Das Projekt in Altwarmbüchen plante er 15 Jahre lang, was nach seiner Überzeugung an den hiesigen Behörden lag: „In Hannover zu bauen ist eine der höchsten Herausforderungen in Deutschland, wenn nicht die höchste.“ Nicht nur die Höffner-Filiale gehört Krieger, der Berliner hat das gesamte umliegende A2-Center gebaut. Für die Planung waren nicht nur Isernhagen und Hannover zu beteiligen, sondern weil es um übergeordnete Interessen ging auch noch die Region. „Drei kommunale Körperschaften an einem Tisch – das habe ich noch nie erlebt“, sagt Krieger. Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann erinnert dagegen daran, dass das Unternehmen seine Pläne dreimal „in gravierender Weise“ geändert habe. Krieger jedenfalls verdankt die Baugenehmigung nach eigener Einschätzung allein dem SPD-Politiker Gerd Andres. Der habe die Sache nach einem gemeinsamen Essen am Maschsee beschleunigt.

 

Neue Konkurrenten aus dem Internet

Das Internet spielt als Absatzkanal für die Möbelbranche bislang eine untergeordnete Rolle – und doch steigt auch hier der Konkurrenzdruck. Die Online-Möbelhändler rüsten auf. Gerade hat Home24, eine Tochter von Rocket Internet, in Walsrode ihr europaweit größtes Logistikzentrum eröffnet. Auf 60 000 Quadratmetern sollen vor allem große Möbel gelagert und per Spedition an die Kunden geliefert werden. 250 Jobs wurden geschaffen – wie bei Amazon nicht tarifgebunden. „Die Nachfrage nach Möbeln aus dem Netz steigt stark“, sagt Home24-Vorstand Axel Hefer. „Daher bauen wir unsere Logistikkapazitäten massiv aus.“ Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) geht davon aus, dass sich der Anteil der im Internet getätigten Möbelumsätze von derzeit rund 8 auf 16 Prozent im Jahr 2025 verdoppeln wird. Der Versand von Möbeln ist dabei keine Online-Erfindung. Schon zu Katalogzeiten machten Otto, Quelle und Co. damit erkleckliche Erlöse. Otto ist bis heute der neuntgrößte Möbelhändler in Deutschland. Trotz Wachstums bleiben Online-Möbelhändler auch mittelfristig eher eine Randnotiz. Die Kunden wollten Möbel vor dem Kauf anfassen und ausprobieren, sagte unlängst Möbel-Wallach-Inhaber Thomas Preuhs. Die Ergebnisse von Home24 haben bislang auch Luft nach oben. Im ersten Halbjahr kam das Unternehmen bei 118 Millionen Euro Umsatz auf einen operativen Verlust von 37 Millionen Euro.

Von Lars Ruzic

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