Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Einmal Welt und zurück
HAZ Wirtschaftszeitung

Porträt Einmal Welt und zurück

Dorf geht gar nicht, Lehramt am Ende auch nicht. Carola Schwennsen wollte immer raus und hat Messen von Moskau bis Shanghai organisiert. Inzwischen holt die Chefin von Fachausstellungen Heckmann internationale Produkte nach Hannover. Sie mag England. Und meistens den Blick aufs Parkdeck.

Voriger Artikel
Eine andere Liga
Nächster Artikel
Der HAZ-Titel für Macher und Entscheider

Das hannoversche Messegelände ist ihr Arbeitsplatz. Seit 13 Jahren organisiert Carola Schwennsen hier Veranstaltungen

Quelle: Surrey

Ach ja, das Versenden von Textnachrichten in den frühen Neunzigern. Nach China oder in die Sowjetunion lief das damals noch mit dem Telex. Carola Schwennsen lächelt bei dieser Erinnerung, ihre Hände ruhen auf der Tischplatte. Daneben eine Kaffeetasse und ihr iPad. Mit dem Tablet verfolgt sie heute die Nachrichten aus der Welt, liest darauf täglich die HAZ und die liberale britische Zeitung „The Guardian“. Anfang der Neunziger in Moskau, da gab es nicht mal Telefon. Sie hätte nach ihrem Studium – Englisch und Geschichte auf Lehramt – bereits ein sicheres Arbeitsleben als Lehrerin führen können. Aber die Welt lockte. Und die junge Frau beschritt einen Weg, der sie vom Bauernhof in den flachen Weiten Schleswig-Holsteins auf das internationale Messeparkett führte.

Die Kindheit auf dem Familienhof bei Kappeln, die Ostsee ist nur wenige Hundert Meter entfernt. Schwennsen und ihre beiden Schwestern helfen beim Unkrautjäten und bei der Kartoffelernte. Es gibt Schweine und Kühe und viel Platz zum Spielen. Aber als Grundschülerin merkt die junge Carola, dass ihr manches fehlt. In knackigen Wintern, wenn sich der Schnee unter dem Seewind türmt, fährt der Bus nicht, der Unterricht fällt aus. Irgendwann gibt der Vater den Hof auf, die Familie zieht in die Stadt Wolfenbüttel. „Ich war glücklich. Das Land bietet keinen Lebensentwurf für mich.“

Zu ihrem Faible für Geschichte würde Archäologie passen. Aber Schwennsen studiert in Braunschweig Lehramt und lernt dort ihren späteren Mann kennen. Und sie will die Welt sehen. Ein Jahr lang unterrichtet sie im nordenglischen Halifax junge Briten. „Ich hatte viel Spaß in Großbritannien, aber der Lehrerberuf war nichts für mich.“ Die Eltern drängen sie, das Studium dennoch abzuschließen. Schwennsen ist 27, als sie ihr Staatsexamen ablegt – ein bisschen spät, wie sie selbst sagt. Britische Studenten seien viel eher fertig, mit 23 oder 24 Jahren. „Das finde ich gut.“

Die Lehrerin orientiert sich neu, mit einem Marketing-Fernstudium und dem ersten Job in der freien Wirtschaft. Die Firma vertreibt Verpackungen – und Schwennsen hat ein Büro in London. Vor dem Fenster steht eine Magnolie. Auf diesen Baum starrt sie im November 1989, als die Nachricht vom Fall der Mauer durch die Nachrichten läuft und ihr vor Freude die Tränen kommen. Die DDR war für jemanden, der in Wolfenbüttel aufwuchs, stets präsent. „Die Zonengrenze und die Kontrollstation Marienborn waren ja in der Nähe.“

Und die Grenzöffnung bietet neue Möglichkeiten. Ihr Mann arbeitet in Hannover, und die Deutsche Messe AG sucht dort 1990 jemanden für das Auslandsgeschäft. Ob sie sich denn auch zutraue, nach China und in die Sowjetunion zu reisen? Sicher – sie bekommt den Job. Es geht auch in die USA, aber in der Sowjetunion seien das schon harte Zeiten gewesen, erzählt sie. „Es gab manchmal nicht genug Telefone bei den Partnern.“ Die Deutsche Messe bereitet in Moskau eine Fachmesse für Kommunikations- und Informationstechnologie vor; viel läuft über Telex und persönliche Gespräche vor Ort. Die Delegation, der Schwennsen angehört, lernt alte Sowjet-Strukturen hautnah kennen. Hallen anmieten, Aussteller zusammentrommeln – schön und gut, aber „Sie brauchen auch die richtigen Besucher für so etwas“. Und für die sorgen im zentral gelenkten Staat Ministerien und das Sowjetische Staatskomitee für Wissenschaft und Technik. Nach langen Verhandlungen verordnet das Komitee russischen Unternehmen den Besuch der Messe. Ein paar Mal findet sie statt, dann werden die Bedingungen unübersichtlich, die Hannoveraner ziehen sich zurück. Erst zehn Jahre später wird die Deutsche Messe zurückkehren.

Schwennsen bleibt lange im Auslandsgeschäft. Sie macht das so gut, dass Sepp Heckmann auf sie aufmerksam wird. Der Mann prägt das Messegeschäft in der Leine-Metropole wie kaum ein anderer, sitzt seit dem Verkauf seiner Firma – Fachausstellungen Heckmann – an die Deutsche Messe in deren Vorstand. 2002 wird für die Fachausstellungen ein neuer Geschäftsführer gesucht. Jemand, der etablierte Veranstaltungen trotz schnelllebiger Trends auf Kurs hält – und dennoch den Blick für Neues nicht verliert. „Sepp Heckmann fragte mich, ob ich das machen wollte.“ Schwennsen sagt Ja, sie ist jetzt Anfang vierzig.

Inzwischen ist sie 13 Jahre bei Heckmann. „Es ist meine beste Zeit. Ich darf mehr gestalten als sonst.“ Sie hat Verantwortung für Mitarbeiter und prestigeträchtige Messen. Das Team stemmt Infa, ABF, Pferd & Jagd und noch viel mehr. Sie delegiert viel. „Es wäre nicht gut, wenn ich meinte, alles allein bestimmen zu müssen.“ Sie trifft Entscheidungen, das ja. Aber neue Ideen werden von Projektleitern geformt, die traditionsreiche Verbrauchermessen weiterentwickeln. Mit Onlineplattformen oder aktuellen Themen wie Computerspiele. Eigene Kinder hat Schwennsen nicht, „aber mir ist wichtig, auch für Kinder etwas bieten zu können“. Unter ihrer Führung entstand die neue Fachmesse B.I.G. (Bauen, Immobilien, Garten). Es ist der Versuch, das große Thema Immobilien in ein Konzept zu packen. Im März kamen 17 500 Besucher – ganz gut, sagt sie, aber es könnten mehr sein. Einige Jahre dauere es eben, bis sich eine Messe etabliere.

Die Chefin ist gern im schwarzen Kostüm und mit schwarz umrandeter Brille auf ihren Messen unterwegs. Die formale Strenge mildern häufiges Lächeln, eine ruhige Stimme und offenes Haar. So sitzt sie auch jetzt in ihrem Büro. Der Blick geht auf das Messe-Parkdeck Nord an der Europaallee. „Da sehe ich sofort, ob viel Publikum kommt. Alles ist gut, wenn sich das Parkdeck füllt.“ Papierstapel und Ordner liegen sauber sortiert auf dem Ledersofa. An der Wand hängt klassische Moderne, Schwennsen mag Theater und Kunst. Sie hat auch ein Bild von David Hockney im Büro. Der Künstler spielt mit Formen und Farben und ist – ein Engländer. Britisches Understatement hat sie geprägt, draußen steht ein Mini, Baujahr 1997. Und immer wieder reist sie auf die Insel. Silvester in London ist eher ruhig, an Neujahr sind die Museen offen. Genau so mag sie es.

Das Unternehmen

Fachausstellungen Heckmann GmbH entstand 1928. Die Gründer Heinrich und Berta Heckmann organisierten Messen in Süddeutschland. Ihre Kinder Lislott Zieg und Sepp Heckmann bauten in den Sechzigerjahren das Messegeschäft in Hannover auf. Sie verkauften das Unternehmen 1981 an die Deutsche Messe AG, deren Chef Sepp Heckmann von 2004 bis 2008 war. Seit 1954 gilt die Infa – damals noch Niedersächsische Hauswirtschaftliche Landesausstellung – als Leitmesse unter den Verbrauchermessen. Die Veranstaltung zieht 190.000 Besucher und gut 1400 Aussteller an. Neben ABF und Pferd & Jagd organisiert die Firma auch Fachmessen wie „Altenpflege“ oder die id infotage dental. Die Ausstellungen finden in Hannover, aber auch in Nürnberg, Bremen, Frankfurt, Köln oder Düsseldorf statt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaftszeitung
Dossiers

Wichtige Themen aus dem Bereich der Wirtschaft betrachten wir aus unterschiedlichen Blickwinkeln und bündeln daraus für Sie informative Dossiers. mehr

DAX
Chart
DAX 10.529,50 +0,15%
TecDAX 1.687,00 +0,03%
EUR/USD 1,0567 +0,30%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. TELEKOM 14,69 +0,71%
BAYER 87,21 +0,71%
HEID. CEMENT 83,50 +0,67%
DT. BANK 14,73 -1,98%
VOLKSWAGEN VZ 118,37 -0,71%
LUFTHANSA 12,14 -0,50%

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 78,90 -1,25%
CONTINENTAL 165,61 -0,46%
DELTICOM 16,30 -1,24%
HANNO. RÜCK 99,50 +0,47%
SALZGITTER 30,76 -1,03%
SARTORIUS AG... 68,75 -0,36%
SYMRISE 56,29 +1,17%
TALANX AG NA... 29,91 -0,02%
TUI 12,35 -0,80%
VOLKSWAGEN VZ 118,37 -0,71%

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 166,72%
Structured Solutio AF 154,79%
Stabilitas PACIFIC AF 142,96%
AXA IM Fixed Incom RF 139,36%
Polar Capital Fund AF 103,07%

mehr

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte