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INI-Gründer Madjid Samii steht im Zentrum eines internationalen Netzwerks von Neurochirurgen - und er hat sein Fachgebiet maßgeblich gefördert.

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Neurochirurg Madjid Samii bei der Präsentation des neuen Iran-INI in Theran im April 2010.

Quelle: Handout

Geboren wurde Prof. Madjid Samii in der iranischen Hauptstadt Teheran. Tatsächlich aber ist der renommierte Neurochirurg schon sehr lange ein Weltbürger, der in vielen Ländern die höchsten Auszeichnungen für sein Engagement erhalten hat.

Wie viele Kongresse er besucht hat, wie viele Operationsworkshops geleitet und wie viele Vorlesungen gehalten, kann der Gründer des International Neuroscience Institute (INI) in Hannover nicht mehr zählen. Lange Jahre war Samii der Leiter der weltweiten Gesellschaft für Neurochirurgie (WFNS) und hat nach Auskunft seiner internationalen Kollegen sowohl in dieser Funktion als auch bei seiner eigenen Arbeit entscheidenden Anteil an der Weiterentwicklung der internationalen Neurochirurgie gehabt.

Prof. José Gerardo Martin-Rodriguez vom La Zarzuela Hospital in Madrid ist einer dieser Kollegen, der mit Samii bei der WFNS zusammengearbeitet hat. Er hat ihm bei der Gründung einer Stiftung zur Ausbildung von Neurochirurgen in Entwicklungsländern geholfen. „Sie bekamen ein hervorragendes Training, Operationsinstrumente, Mikroskope und andere Ausstattung“, sagt Martin-Rodriguez. In Russland wird Samii ebenfalls für sein Engagement bei der neurochirurgischen Ausbildung geschätzt.

Zudem gelte er als Vorbild seiner Zunft, betont Prof. Alexander Potapov, der Vizedirektor des Burdenko-Instituts am Russischen Neurochirurgie Institut in Moskau. „Er war der erste, der ein so einmaliges neurowissenschaftliches Institut wie das INI in Hannover gegründet und geleitet hat.“

Tatsächlich erwies sich Prof. Samii in vielen Bereichen seines Arbeitsgebietes als Vorreiter: So hat der gebürtige Perser früher als andere die Bedeutung der Bildgebungstechnik für die Neurochirurgie erkannt und sein Institut in Hannover mit den modernsten Computertomografie- und Kernspintomografiegeräten ausgestattet. Auch bei der Organisation von Telekonferenzen war Samii einer der Ersten. Bereits 1984 hat er mit Prof. Ling Feng vom Xuanwu Hospital in Peking eine erste Telekonferenz organisiert. Zu einer Zeit, als in China noch nicht mal jeder Haushalt einen Telefonanschluss besaß, wie Ling Feng betont.

In der Volksrepublik hat Samii auch Hunderte junger Neurochirurgen ausgebildet – teils vor Ort, teils am INI in Hannover. „Er hat die chinesische Neurochirurgie auf ein internationales Niveau gebracht“, betont Ling Feng in Peking. In der chinesischen Hauptstadt entsteht derzeit nach hannoverschem Vorbild das China-INI, dessen Vizepräsidentin Ling Feng ist. „Der chinesischen Bevölkerungszahl angemessen planen wir das China-INI in einem größeren Maßstab“, sagt Ling Feng. „Es wird 254 Betten und zehn Operationssäle sowie sechs Ausbildungs- und Trainingszentren haben.“

Finanziert wird das rund 100 Millionen Euro teure China-INI zur Hälfte von der Stadt Peking und zur Hälfte von der Universitätsklinik. Den Grundstein für das ehrgeizige Projekt haben der Neurochirurg und Deutschlands Altkanzler Gerhard Schröder ebenfalls bereits 2008 auf dem Gelände der Xuanwu-Universitätsklinik gelegt. In der Zwischenzeit stockte das Projekt, weil auf dem an die Uniklinik angrenzenden Gelände noch bewohnte, alte Gebäude standen. „Inzwischen haben wir die Umsiedelung und Entschädigung der Bewohner aber bewältigt“, erklärt Ling Feng.

Prof. Amir Samii, der Sohn des INI-Gründers, bildet regelmäßig die chinesischen Neurochirurgen an der Universitätsklinik in Peking aus und rechnet damit, dass der Bau nach den Sommerferien beginnt. „Derzeit wird das Gelände noch vorbereitet und planiert“, sagte er. Wegen des Umfangs des chinesischen Projekts geht Amir Samii davon aus, dass die Fertigstellung noch etwa drei Jahre in Anspruch nehmen dürfte. „Das wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Teheran“, erklärt der Neurochirurg.

In der iranischen Hauptstadt Teheran wird zurzeit ebenfalls an einem INI im großen Maßstab gebaut: dem Iran-INI. Mit rund 500 Betten und 54 000 Quadratmetern Fläche wird das iranische INI etwa viermal so groß wie das hannoversche Vorbild sein. Das Hauptgebäude ist ebenfalls wie ein Gehirn gestaltet; darin sowie in den Sockelgeschossen und Nebengebäuden sollen 20 hochmoderne Operationssäle und ein Hörsaal für 800 Studenten Platz finden. Im April 2010 hat Madjid Samii gemeinsam mit Teherans Bürgermeister Mohammad Bagher Ghalibaf auf einem 70 000 Quadratmeter großen Grundstück mit Blick auf das Elburs-Gebirge im Norden Teherans den Grundstein für das Iran-INI gelegt. In knapp 30 Monaten wollen die Iraner das Gebäude fertiggestellt haben.

Neben der Behandlung von Hirntumoren und anderen neurologischen Erkrankungen soll das Iran-INI vor allem forschen. Bereits im Februar 2009 hatte Samii in Teheran die Madjid-Samii-Stiftung für medizinische Forschung gegründet, die von iranischen Ärzten und ehemaligen Schülern des Neurochirurgen initiiert wurde. „Die Spendenbereitschaft ist riesig“, freute er sich damals.

Bei all seinen internationalen Aktivitäten hat Samii stets auch die persönliche Seite der wissenschaftlichen Begegnungen gepflegt. Mit vielen Weggefährten verbindet ihn eine jahrzehntelange Freundschaft. Und diese haben schöne Erinnerungen an die menschliche Seite des Neurochirurgen. Der Spanier Martin-Rodriguez etwa erinnert sich an einen überraschenden Krankenbesuch seines alten Freundes. Dem Amerikaner Peter Black vom Brigham & Womens Hospital in Boston ist im Gedächtnis geblieben, wie Samii bei seiner Geburtstagsfeier während eines Kongress alle Kerzen auf der Torte auf einmal ausblies. Und der Russe Potapov erzählt von einer Bootsfahrt auf der Moskwa, bei der Samii mit einem Donkosakenchor russische Lieder anstimmte. „Obwohl er kein Russisch kann, sang er wie ein echter Donkosake.“

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