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CMD-Zentrum

Schmerzfrei mit dem richtigen Biss

Von Nicola Zellmer

Im Craniomandibulären Dysfunktion Zentrum (CMD) des INI forschen Spezialisten nach den Ursachen von Kieferfehlstellungen.
Spezialisiert auf Kieferschmerz

Spezialisiert auf Kieferschmerz: Prof. Dr. Wolfgang Draf (v.l.) Prof. Dr. Amir Samii, Dr. Alireza Amir Sayfadini und PD Dr. Bahram Mohammadi

© Handout

Wer den richtigen Biss hat, kann sich glücklich schätzen. Denn unser Kauapparat ist ein zentrales Organsystem, das mit vielen anderen Körperteilen verbunden ist. Ein Fehlbiss kann deshalb so unangenehme Folgen für Ohren, Schulter, Nacken oder Rücken haben. „In Deutschland sind etwa sieben Millionen Menschen von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) betroffen“, sagt der Zahnarzt Alireza Amir Sayfadini. Der Professor hat 2008 gemeinsam mit Neurologen, HNO-Ärzten, Orthopäden, Neurochirurgen und Physiotherapeuten das CMD-Zentrum im International Neuroscience Zentrum (INI) eröffnet.

Wie folgenreich eine CMD sein kann, verwundert angesichts des komplizierten Aufbaus des Kiefers nicht: Das Gelenk wird vom Schädelknochen (Cranium) und dem Kieferknochen (Mandibula) gebildet. Starke Bänder fixieren den beweglichen Kiefer am Schädel, im Kiefergelenk selbst puffert eine kleine Bandscheibe die Bewegungen ab. Verschiebt sich diese Bandscheibe, gerät der ganze Kauapparat aus dem Gleichgewicht: Die Kaumuskeln verspannen sich und beeinflussen in der Folge auch weitere Muskeln im Körper. So kann ein Fehlbiss zu Ohren-, Kopf-, Rückenschmerzen, Schwindel, Migräne, Schulterverspannungen, Hüft- und sogar Knieschmerzen führen.

Den meisten Betroffenen ist allerdings gar nicht bewusst, dass ihre Schmerzen von einer Fehlfunktion des Kiefergelenks herrühren. „Häufig haben die Patienten eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt oder von Therapeut zu Therapeut hinter sich – und immer noch quälende Schmerzen“, erklärt Amir Sayfadini. In den meisten Fällen brauche es Jahre, betont der Dentist, bis ein möglicher Zusammenhang mit dem Kauapparat erkannt wird.

Im CMD-Zentrum des INI untersuchen die Spezialisten das Problem von unterschiedlichen Seiten. So wird durch eine umfangreiche Diagnostik zunächst ausgeschlossen, dass es andere Schmerz-ursachen wie entzündete Zähne, Tumoren am Gesichtsnerv, verengte Nervenkanäle oder kranke Nasennebenhöhlen gibt. Dann begeben sich die Experten auf die Suche nach der Ursache für die Fehlfunktion im Kiefergelenk. Sind möglicherweise Kronen zu hoch oder zu niedrig eingepasst? Fehlen Zähne? Oft ist eine frühere Zahnbehandlung der Grund für den schmerzhaften Fehlbiss.

Nach einer ausführlichen Funktionsanalyse des Kiefergelenks passen Amir und seine Kollegen speziell herausnehmbare Aufbissschienen an, die die verspannten Kaumuskeln entlasten und das Kiefergelenk zurück in seine natürliche Haltung bringen. „Normale Anti-Knirsch-Schienen helfen dagegen bei CMD in der Regel nicht“, betont Amir Sayfadini.

Zusätzlich zu der meist nachts getragenen Aufbissschiene können die INI-Spezialisten weitere Korrekturmethoden einsetzen. So ist es möglich, mit elektrischem Strom die Nerven im Schmerzgebiet zu stimulieren. Das bewirkt eine Art „Störlärm“, durch den der eigentliche Schmerz nachlässt. Eine weitere Methode ist die Transkutane Elektro- neurostimulation (TENS). „Mithilfe der Magnetstimulation können einzelne Muskeln direkt in ihrem Tonus manipuliert werden“, erklärt Amir Sayfadini. „Zudem kann auch eine Stimulation direkt am Kieferknochen zur Entspannung der Muskulatur beitragen.

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