Erst im Nachhinein sei ihr klar geworden, dass sie ihre Beschwerden lange Zeit verdrängt habe. Da waren nicht nur die ständigen Schwindelanfälle. Auch das Treppensteigen fiel ihr schwerer als früher, und bei der gewohnten Radtour musste sie immer häufiger absteigen, um zu verschnaufen.
„Ich dachte, das wird wohl das Alter sein“, erinnert sich die 77-Jährige. Sie sei auch nicht besonders beunruhigt gewesen, als sie ihrem Hausarzt von den Vorfällen erzählt habe. Der aber sah sofort Handlungsbedarf. Mit einem Langzeit-EKG prüfte er die Herzfrequenz seiner Patientin. Und als das Ergebnis feststand, überwies er sie umgehend ins Krankenhaus Siloah – damit die Kardiologen ihr einen Herzschrittmacher einsetzen.
Dieser Gedanke habe ihr anfangs regelrecht Angst gemacht, erzählt Eva-Maria Ahlendorf. „Ich dachte, ich kann dann nicht mehr ganz normal sterben, weil mein Herz einfach immer weiter schlägt.“ Es gebe häufiger Patienten, die diese Sorge äußerten, sagt Oberarzt Achim Flake. Doch er konnte der 77-Jährigen schnell verständlich machen, dass ein Herzschrittmacher das Leben eines Menschen keineswegs künstlich verlängert.
Vor dem Eingriff selbst habe sie keine Angst gehabt, betont Eva-Maria Ahlendorf. „Die Ärzte haben mir alles Schritt für Schritt erklärt, und ich habe ihnen voll und ganz vertraut.“ Auch dass sie die Operation bei örtlicher Betäubung bewusst miterlebte, war für sie kein Problem: „Ich lag unter so einer Art Zelt, habe die Schattenrisse der Ärzte gesehen und ihre Stimmen gehört – das hat mich irgendwie sogar beruhigt.“
Nach weniger als einer Stunde war alles überstanden, und am übernächsten Tag konnte Eva-Maria Ahlendorf schon wieder zurück in ihr Haus in Bissendorf. Etwas mulmig sei ihr dabei schon gewesen, berichtet die verwitwete Seniorin. Anfangs habe sie sich gesorgt, dass der Schrittmacher nachts beim Schlafen verrutschen könnte – und sie keine Nachtschwester zu Hilfe rufen könne. Auch diese Bedenken konnten die Ärzte im Gespräch ausräumen. „Sie waren jederzeit ansprechbar und hatten für alles ein offenes Ohr“, lobt die Patientin.
Die Schmerzen nach dem Eingriff wurde sie nicht so schnell los. Auch Mitte April klagte Eva-Maria Ahlendorf noch über Beschwerden in der Brust. Doch Oberarzt Achim Flake konnte sie bei ihrem ersten Kontrollbesuch nach der OP beruhigen: „Das ist normal. Es gibt Patienten, die noch längere Zeit ein Schmerzgefühl haben.“ Andere wiederum spürten schon kurz nach dem Eingriff keine Folgeerscheinungen mehr.
In Kooperation mit einem niedergelassenen Kardiologen hat das Siloah eine Herzschrittmacher-Ambulanz direkt in der Klinik eingerichtet. Auf diese Weise könnten die Patienten in der gewohnten Umgebung betreut werden, in der sie operiert wurden, sagt Flake. Das sei ein Vorteil, findet Eva-Maria Ahlendorf, so fühle sie sich „rundum sicher“.
Seit ihr der Herzschrittmacher eingesetzt wurde, habe sie keine Schwindelanfälle mehr gehabt, freut sich die 77-Jährige. Auch Radfahren und Treppensteigen fallen ihr wieder leichter. Allerdings müsse sie sich im Alltag schon etwas umstellen. Sie achte genau darauf, das Handy nicht zu nah an das Aggregat in ihrer Brust zu halten. Auch elektromagnetische Sicherheitsschleusen in Kaufhäusern, die die Funktion des Schrittmachers beeinträchtigen können, hat sie stets im Blick: „In der Nähe würde ich keinen Klönschnack mehr halten.“ Die Metalldetektoren am Flughafen wiederum schädigen das Gerät nicht, können aber einen Fehlalarm auslösen, wenn ein Schrittmacherpatient hindurchgeht. In diesen Fällen muss Eva-Maria Ahlendorf künftig ihren Patientenausweis vorzeigen.
Auf das Reisen aber will sie auch in Zukunft auf keinen Fall verzichten. Die nächste große Tour ist schon fest eingeplant: Dann geht es mit ihrem Neffen nach Norwegen.
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