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Hannovers Geburtskliniken

Der Qualitätstest

Von Gabi Stief

Gute Arbeit, gute Behandlung – wer wünscht sich das nicht. Doch woran erkennt man eine gute Arbeit? Wer misst die Qualität einer Leistung? Transparenz im Gesundheitswesen war vor Jahren noch unbekannt. Das ändert sich.

Seit 2001 gibt es die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS), in der die Krankenhausgesellschaft, die Krankenkassen, die Bundesärztekammer und der Deutsche Pflegerat zusammenarbeiten. Die BQS hat einen klaren Auftrag: Sie soll die Ergebnisse der medizinischen und pflegerischen Qualität an deutschen Krankenhäusern erfassen und auswerten. Das Verfahren ist kompliziert. Seit 2001 müssen bundesweit alle 1500 Kliniken nach Abschluss einer Behandlung bestimmte Daten an die jeweilige Landesgeschäftsstelle der BQS liefern. Dafür wurden Dokumentationsbögen und sogenannte Qualitätsindikatoren von den BQS-Fachgremien entwickelt. Die „Indikatoren“ sind Merkmale, die für den Heilungserfolg einer bestimmten Krankheit oder einer Operation von zentraler Bedeutung sind.

Da man schlecht von heute auf morgen die Daten von rund 16 Millionen Krankenhausleistungen erfassen kann, hat man zunächst mit einer kleinen Auswahl von Behandlungen begonnen. Im Startjahr 2006 gingen bei der BQS 2,6 Millionen Daten ein. Bis vor wenigen Jahren hat der Patient davon wenig erfahren. Zwar sind die Kliniken seit 2005 verpflichtet, jedes Jahr Qualitätsberichte über Patientenzahlen und medizinische Fachrichtungen zu veröffentlichen. Doch erst seit 2007 müssen diese Berichte auch Informationen über einige der bei der BQS erfassten Leistungsbereiche enthalten. Mittlerweile müssen die Ergebnisse zu 26 Indikatoren veröffentlicht werden, zwei weitere werden zur Veröffentlichung empfohlen – der Rest ist von der Bereitschaft der Kliniken abhängig.

In der Geburtshilfe hat die Erfassung von Qualitätsdaten eine lange Tradition. Die „Mutter“ aller deutschen Qualitätssicherungsverfahren ist die sogenannte Münchner Perinatalerhebung aus den siebziger Jahren, die nach und nach in allen Bundesländern eingeführt wurde. Drei Qualitätsmerkmale müssen mittlerweile verpflichtend von allen Geburtskliniken veröffentlicht werden: Wie schnell sind die Ärzteteams im Fall eines Notfallkaiserschnitts? Wie oft ist ein spezialisierter Kinderarzt bei der Geburt von Frühchen dabei? Wird bei drohenden Frühgeburten eine Kortisonbehandlung zur Unterstützung der Lungenreife durchgeführt, die bei korrekter Anwendung ohne negative Folgen für Mutter und Kind ist?

Die hannoverschen Kliniken haben sich entschieden, weitere Daten aus dem Jahr 2007 zu veröffentlichen – ohne gesetzliche Verpflichtung, trotz der Vorbehalte gegen eine vergleichende Statistik. Dass am Ende alle gut abschneiden, ist kein Manko. Im Gegenteil. Im Folgenden dokumentieren wir die Ergebnisse von vier „Indikatoren“, die mit Grafiken im Internet (www.krankenhausspiegel-hannover.de) nachlesbar sind.

Untersuchung Nabelschnurblut
Wird nach der Geburt das Nabelschnurblut untersucht, kann schnell und objektiv der Gesundheitszustand des Kindes bewertet werden. So lässt sich im Blut ablesen, wie gut das Baby während der Geburt mit Sauerstoff versorgt war. Blutwerte können unter Umständen auch etwas über bleibende Defekte aussagen.

Das Ergebnis: Bei fast jeder Geburt fand diese Untersuchung statt. Alle hannoverschen Geburtskliniken verdienten sich damit die Auszeichnung „Gute Behandlungsqualität“.

Ausreichende Sauerstoffversorgung
Wird das Kind während der Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, steigt das Risiko für gesundheitliche Schäden. Die Kontrolle erfolgt durch eine Bestimmung des Säuregehalts (des sogenannten pH-Werts) im Blut. Liegt der pH-Wert unter der kritischen Grenze von 7, liegt eine Risikogeburt vor. Eine Klinik arbeitet gut, wenn die Rate der Neugeborenen, die mit einem sehr niedrigen ph-Wert zur Welt kommen, gen null tendiert.

Das Ergebnis: Fast alle Kliniken in Hannover erreichten das Ziel „Gute Behandlungsqualität“. Einzig die MHH verzeichnete 2007 in acht von 1158 Geburten kritische pH-Werte und schnitt schlechter ab. Der Grund: Die MHH betreibt ein Perinatalzentrum für Hochrisikofälle und Frühgeburten. Damit ist das Risiko für niedrige pHh-Werte zwangsläufig höher.

Verletzungen der Mutter

Auch bei einer normalen Geburt ohne Einsatz von Zange oder Vakuumglocke kann es zu Verletzungen der Mutter kommen, vor allem zum Dammriss. Die Gefahr, dass während der Geburt ein schwerer Dammriss droht, kann ein erfahrenes Geburtsteam oft frühzeitig erkennen und die Folgen mindern. Je seltener es zu dieser schwerwiegenden Komplikation kommt, desto besser arbeitet die Klinik.

Das Ergebnis: Nur wenige Frauen erlitten 2007 in Hannovers Krankenhäusern während einer normalen Geburt einen schweren Dammriss. Am besten schneidet das Vinzenzkrankenhaus (in einem Fall von 253 Fällen) ab. Am schlechtesten die Henriettenstiftung (in 38 von 405 Fällen) und die Klinik Neustadt am Rübenberge (in 20 von 173 Fällen). Allerdings gibt es bei diesem Qualitätsmerkmal keine bundesweite Vorgaben für die Auszeichnung gut oder befriedigend.

Wundheilstörungen

Bei den meisten Geburten entstehen Wunden. Diese werden in aller Regel genäht und heilen unkompliziert ab. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Wundinfektionen kommen. Wundheilungsstörungen sind ernsthafte Komplikationen, die den Genesungsprozess der Mutter verzögern. Gute Behandlungsqualität liegt vor, wenn es nur selten zu Wundheilungsstörungen kommt.

Das Ergebnis: In den meisten hannoverschen Geburtskliniken traten 2007 keine Fälle von Wundheilungsstörungen nach einem Kaiserschnitt auf. Nur in der MHH (in 5 von 587 Fällen) und in der Klinik Neustadt am Rübenberge (in 2 von 145 Fällen) kam es dazu – die Überprüfung ergab, dass dennoch keine Qualitätsmängel vorlagen.

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