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Patientengeschichte

Diagnose - Geburt mit Risiko

Von Gabi Stief

Aus zwei mach vier: Familiengründung im Doppelpack. Es war etwa in der sechsten Woche, als Eva-Charlotte Borgaes erfuhr, dass sie mit Zwillingen schwanger ist.
Florian Töpperwien und Eva-Charlotte Borgaes in der "Frühchen-Station" mit ihren Zwillingen Josephine und Luise.

Geteiltes Glück: Florian Töpperwien und Eva-Charlotte Borgaes in der "Frühchen-Station" mit ihren Zwillingen Josephine und Luise.

Die Freude war riesig. Gut zwei Monate später steht fest, dass der Nachwuchs weiblich ist. Nach den Gesetzen der Medizin firmiert das doppelte Glück zwar nun als Risikoschwangerschaft. Aber da die werdende Mutter 26 Jahre alt ist, kommt der Zusatz „leicht“ hinzu.

Noch etwas ist anders: 94 Prozent aller Kinder werden mit dem Kopf zuerst geboren. Der Kopf ist an die Brust gezogen, der Hinterkopf geht den Geburtskanal voran. Bei dieser Lage verläuft die Geburt am leichtesten. Die beiden ungeborenen Mädchen von Eva-Charlotte Borgaes hocken jedoch aufrecht im Mutterbauch – in der sogenannten Beckenendlage. Eine Drehung durch geübte Handgriffe des Arztes ist nicht ausgeschlossen; alle Geburtskliniken in Hannover bieten dies an. Aber Zwillinge? Eva-Charlotta Borgaes, gelernte OP-Schwester, hat sich bereits früh für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden. Termin ist der 7. Juli.

Josephine und Luise wollen nicht so lange warten. In der 32. Woche setzen Vorwehen ein. Am 4. Juni – man feiert den Geburtstag des werdenden Vaters – meldet sich der Nachwuchs an. Blasensprung! Im Rettungswagen geht es am späten Abend in die Frauenklinik der Henriettenstiftung. Um 1.48 Uhr ist Josephine auf der Welt. Eine Minute später folgt Luise. Die Zwillinge kommen auf die Intensivstation im Haus. Jede von ihnen wiegt 2310 Gramm. Luise wird noch 24 Stunden lang ein wenig Unterstützung bei der Atmung brauchen.

Gut eine Woche später verlässt die junge Mutter die Klinik – „die Mädchen zurückzulassen war schon schwer zu ertragen“, sagt sie. Drei Tage später können die Eltern endlich auch Luisa und Josephine nach Hause holen.

Für Anke Siemens (Name geändert) wurde die Schwangerschaft zur harten Geduldsprobe. Per Ultraschall hatte man entdeckt, dass die Plazenta sich im unteren Bereich der Gebärmutter befindet und den Muttermund verdeckt. Zwischen drei und sechs von 1000 Schwangeren haben dieses Problem. Blutungen, eine Loslösung der Plazenta können für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein. Binnen weniger Minuten muss in diesem Fall das Kind per Kaiserschnitt aus dem Mutterbauch geholt werden.

Als Anke Siemens in die Frauenklinik der Henriettenstiftung eingeliefert wird, wiegt ihr ungeborenes Kind gerade einmal 900 Gramm – sie bleibt und verbringt die letzten drei Monate ihrer Schwangerschaft fast durchgängig liegend. Das Laufen und das Sitzen schmerzt. Immer wieder kommt es zu Blutungen. Jeden Tag werden die Herztöne des ungeborenen Kindes kontrolliert. „Die Vorstellung, mein Kind könnte zu früh kommen, an Schläuchen hängen und seine ersten Monate auf der Intensivstation verbringen, haben mich durchhalten lassen“, sagt sie.

Ende Mai kommt Oskar zur Welt, per Kaiserschnitt nach der 39. Woche. Er ist putzmunter, wiegt 3100 Gramm, knapp unter dem Normalgewicht, und ist 51 Zentimeter groß.

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