„Sehen Sie: Bei der modernen Schlittenprothese haben die Metallkappen auf den Gelenkköpfen nur ganz kurze Stifte, die im Knie ein Verschieben der Prothese verhindern sollen.“ Heide Seiffert nickt. „Wichtig ist, dass Sie daran denken, das künstliche Knie nicht zu stark zu beugen“, warnt Gossé. „Bei 120 Grad sollte auf jeden Fall Schluss sein, sonst geht der Kunststoffmeniskus zwischen den Gelenkköpfen schneller kaputt.“
Kurz darauf spannt der Orthopäde das operierte Bein der 64-Jährigen wieder in die Mobilisierungsschiene ein. Mit seinem eingebauten Motor sorgt das Gerät dafür, dass das Kniegelenk der Hannoveranerin immer wieder ohne Muskelkraft in verschiedenen Geschwindigkeitsstufen sanft gebeugt und gestreckt wird. „Das mag im ersten Moment unangenehm sein“, sagt Gossé. „Aber durch den Bewegungsreiz wird die Schmerzempfindung reduziert.“ Tatsächlich hat auch Heide Seiffert nach sieben Tagen nur noch wenig Schmerzen im Knie. Kein Vergleich jedenfalls zu der vorherigen Situation.
Dass sie Arthrose hat und dass ihr Kniegelenk verschlissen ist, wusste die 64-Jährige schon länger. Doch die Schmerzen waren immer noch irgendwie auszuhalten. Vor sechs Wochen wurde es dann plötzlich schlimmer. „Ich bin nur noch an Krücken gelaufen und hatte höllische Schmerzen“, erzählt Heide Seiffert. „Das Knie fing bei jedem Schritt an zu knirschen und zu knacken.“ Ihr Orthopäde riet ihr nach einer gründlichen Untersuchung mit Röntgenbild schließlich dazu, das Knie ersetzen zu lassen.
Ins Annastift kam Heide Seiffert über die Empfehlung eines Bekannten. „Ich bin bei Operationen ein eher ängstlicher Typ“, sagt sie. „Aber das Haus und die liebevolle Betreuung haben gleich einen guten Eindruck auf mich gemacht.“ Bei der Aufnahme kam die Hannoveranerin automatisch in das Programm zur integrierten Versorgung beim Einsatz von Endoprothesen, das die Klinik seit drei Jahren anbietet. Dabei rechnen das Annastift und seine Partner den Eingriff mit einigen Kassen samt Voruntersuchung, Operation, Rehabilitation, Nachbehandlung und Gewährleistung als Gesamtpaket ab. Für Vor- und Nachbetreuung stehen dabei verschiedene Vertragspartner zur Verfügung. Heide Seiffert beispielsweise hat sich dafür entschieden, nach ihrer Entlassung nicht in eine Reha-Klinik zu gehen, sondern eine ambulante Physiotherapie in Hannover in Anspruch zu nehmen.
Mit dem Service im Annastift ist die 64-Jährige rundum zufrieden. Gegen einen Aufpreis hat sie ein Einzelzimmer mit Fernsehanschluss gebucht, das in freundlichen Farben gehalten ist. Morgens, mittags und abends können die Patienten aus mehreren in der klinikeigenen Küche zubereiteten Menüs auswählen, und es gibt sogar einen Internetanschluss für die „Kunden“. „Ich jedenfalls fühle mich hier rundum wohl“, sagt Heide Seiffert.
Trotzdem kann es die Hannoveranerin kaum erwarten, wieder so richtig auf die Beine zu kommen. „Schon jetzt kann ich ohne Beschwerden laufen und das Knie um 90 Grad beugen“, erklärt sie. Am allerliebsten jedoch würde sie wieder Sport treiben: Tennis oder auch Abfahrtsski. „Mal sehen, ob das mit dem künstlichen Knie so gut wird, dass das wieder geht“, sagt sie.
HAZ.de Anmeldung