Mehr als drei Jahre lang hatte Marianne P. Beschwerden. „Immer wenn ich zu viel gegessen hatte, wurde mir übel, es piekte auf der rechten Bauchseite, oder ich bekam Durchfall“, erzählt die 65-jährige Rentnerin aus Vahrenwald. Jahrelang nahm sie an, einen empfindlichen Magen zu haben, obgleich ihr Hausarzt schon seit Längerem Gallensteine im Verdacht hatte. Doch davon wollte Marianne P. nichts wissen. „Dass ich einen Stein hatte, wusste ich seit einigen Jahren. Aber der machte doch nichts.“ Dann bekam sie im Oktober vergangenen Jahres eine Kolik mit rasenden Schmerzen im rechten Oberbauch, die bis in Rücken und Schulter ausstrahlten. Da dachte sie noch, sie hätte etwas am Herzen. Ein Besuch bei ihrem Hausarzt brachte rasch Klarheit: Es handelte sich eindeutig um Gallensteine, die die Kolik verursacht hatten. Darunter befand sich auch ein recht großes Exemplar von zwei Zentimetern Durchmesser. Das ließ sich zweifelsfrei durch eine Ultraschalluntersuchung feststellen. Zur Sicherheit ließ die Seniorin noch eine Magenspiegelung machen, um auszuschließen, dass nicht doch eine Erkrankung des Magens vorliegen könnte.
Mit ihrem Mann ist sie vor einer Stunde ins DRK-Krankenhaus Clementinenhaus gekommen, wo die Ursache ihres Leidens entfernt werden soll: ihre Gallenblase. „Ein bisschen Angst habe ich schon“, gesteht sie. „Aber es muss ja gemacht werden.“ Die Operation hätte eigentlich schon eher stattfinden sollen, aber auf eine lange geplante Urlaubsreise hatte sie nicht verzichten wollen. Jetzt steht der Termin fest, am nächsten Morgen wird sie operiert, minimalinvasiv, per schonender Schlüssellochchirurgie. Bei der sogenannten Laparoskopie werden über vier kleine Hautschnitte in der Bauchdecke ein Spezialendoskop (Laparoskop) mit einer Videokamera sowie Greif- und Schneideinstrumente in ihren Bauchraum eingeführt. Um Platz zum Arbeiten zu bekommen, wird dieser anschließend mit Kohlendioxid aufgepumpt.
„Das Entfernen der Gallenblase wird etwa eine Stunde dauern.“ Der Chefarzt für Allgemein-, Unfall- und Viszeralchirurgie im Clementinenhaus, Andreas Kuthe, erklärt Marianne P. in der Vorbesprechung ausführlich, wie die Operation ablaufen wird. „Unsere Patienten bekommen bei geplanten Operationen einen genauen Plan, damit sie wissen, was wann mit ihnen geschieht“, erläutert Kuthe. Dazu gehört auch ein Gespräch mit dem Narkosearzt. In Kuthes Abteilung wurden im Jahr 2006 so viele Gallenblasen operativ entfernt, in der Fachsprache Cholezystektomien genannt, wie in keinem anderen niedersächsischen Krankenhaus: 333-mal. Nur das Krankenhaus Siloah reichte mit 231 Patienten an diesen Wert heran.
Für Mediziner ist Marianne P. eine klassische Gallenstein-Patientin. 70 Prozent aller Betroffenen sind weiblich, älter als 40 Jahre, hellhäutig, leicht bis stark übergewichtig und Mutter eines oder mehrerer Kinder. Warum das so ist, steht noch nicht eindeutig fest. „Bei meiner 40-jährigen Tochter musste die Gallenblase im Januar auch entfernt werden“, erzählt die Mutter dreier Kinder.
Am Nachmittag nach der Operation kann Marianne P. schon aufstehen, zum Abendessen bekommt sie eine Suppe mit püriertem Schweinefleisch, Kartoffeln und Blumenkohl. In der Nacht schläft sie prima. Am nächsten Morgen trinkt sie schon wieder Kaffee und darf essen, worauf sie Appetit hat. Am dritten Tag nach der Operation kann sie die Klinik verlassen, nach sieben Tagen werden die Fäden gezogen.
Sechs Wochen später. „Ich fühle mich pudelwohl, alle Beschwerden sind wie weggeblasen“, erzählt die Rentnerin. „Ich kann wieder alles essen, ohne Beschwerden zu bekommen. Ich gehe zum Schwimmen und zur Gymnastik, und ich bin unendlich froh, mich zu diesem Eingriff durchgerungen zu haben.“ Trotz ihrer Angst sei er überhaupt nicht schlimm gewesen.
Sie rät allen, die unter ähnlichen Beschwerden leiden, sich bei ihrem Arzt auf Gallensteine hin untersuchen zu lassen. „Ich hätte ja nie gedacht, dass meine Galle der Grund für all die Beschwerden war. Ich dachte immer, es sei der Magen. Aber jetzt, wo sie raus ist, fühle ich mich wie befreit.“ Allerdings habe ihr Hausarzt geraten, nur noch kleine Portionen und nicht zu viel auf einmal zu essen. Daran will sie sich halten – und vielleicht sogar noch etwas abnehmen.
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