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Patientengeschichte

„Schaffe ich das? Ich schaffe es“

Von Gabi Stief

Erst waren es nur Verhärtungen. Sie konnte sie spüren, wenn sie ihre Brust abtastete. Wäre Monika Jensen damals dem Rat ihrer Gynäkologin gefolgt, hätte sie sich viel erspart. Doch Monika Jensen ging nicht zur Mammografieuntersuchung – ein Fehler, aus heutiger Sicht.

„Ich hatte Angst vor den Schmerzen“, erzählt sie. Erst zwei Jahre später, als die Beschwerden in der Brust immer belastender geworden waren, holte sie das Versäumte nach. Am 1. August 2003 – „es war ein heißer Sommertag“ – eröffnete die Ärztin ihr die Diagnose: beidseitiger Brustkrebs der aggressivsten Art. Fünf Tumoren bedrohten ihr Leben. Der größte maß drei mal vier Zentimeter. Unklar war, ob bereits die Lymphknoten befallen waren.

Monika Jensen war damals 45 Jahre alt. „Da war plötzlich ein riesiges schwarzes Loch, in das ich zu fallen schien“, erinnert sie sich. Sie begann, ihre Empfindungen aufzuschreiben – die Ängste, die Panik und all die Fragen, die auf sie einstürmten: „Schaffe ich das, kann ich eine so schwere Krankheit besiegen? Ich, eine lebensfrohe, sozial engagierte Frau.“

Langer, schmerzvoller Weg

Monika Jensen hat es geschafft. Aber es war ein langer schmerzvoller Weg. Nach der Diagnose begann sie, sich Kliniken anzuschauen und sich über Therapien und Operationsverfahren zu informieren. Sie entschied sich für die Frauenklinik der Henriettenstiftung, die in Kirchrode das größte der vier hannoverschen zertifizierten Brustzentren betreibt. Und sie entschied sich, den Kampf gegen den Krebs mit einer Chemotherapie zu beginnen.

„Es war die Hölle.“ Alle drei Wochen suchte sie die Klinik auf, wo ihr die zelltötenden Medikamente über einen Port-Katheter, eine Art Kunststoffkammer unter dem Schlüsselbein, zugeführt wurden. Sechs Mal. Sechs Mal durchlitt sie alle Nebenwirkungen, die eine Chemo verursachen kann. Sie erbrach sich, sie krümmte sich vor Schmerzen, sie wurde hoch empfindlich gegen alle Gerüche. Aber die Behandlung zeigte die erhoffte Wirkung.

Im Dezember, fast fünf Monate nach der Diagnose, waren die Tumore auf Stecknadelkopfgröße geschrumpft. Im Januar wurde Monika Jensen operiert. Beide Brustdrüsen wurden entfernt und durch zwei Implantate ersetzt. „Hurra das Leben wird bunt“, notierte sie, als sie erfuhr, dass keiner der Lymphknoten von Tochtergeschwülsten befallen war. Trotz der Freude sollten es noch lange Wochen dauern, bis die Wundschmerzen in der Brust und in den Armen nachließen. Im Mai fuhr sie mit ihrem Mann zur onkologischen Reha an die Ostsee.
Mittlerweile, vier Jahre später, muss sie nur noch alle halbe Jahre zur ärztlichen Kontrolle. Die Angst, sagt sie, sei an diesen Tagen am stärksten. Aber eigentlich ist die Furcht vor der Rückkehr der Krankheit immer da. „Mal zugedeckelt, mal geht der Deckel hoch.“ 15 begünstigende Faktoren für Brustkrebs gibt es; neun, sagt sie, treffen bei ihr zu.

Selbsthilfegruppe gegründet

Monika Jensen ist neu gestartet – voller Lebensmut und Lebensfreude. Ihren alten Beruf als Erzieherin hat sie an den Nagel gehängt. Auch weil sie überzeugt ist, dass er ihr Kranksein befördert hat. „Viele Krebspatientinnen sind wie ich – sie rudern und rudern und wollen es allen Recht machen“. Mit Hilfe der Rentenkasse hat sie sich umschulen lassen. Heute ist sie ergotherapeutisch tätig. Nebenbei engagiert sie sich in der „Frauenselbsthilfe nach Krebs Gruppe-Hannover“. Sie hat ein eigenes Modell entwickelt, wie man mit der Angst lebt; „Ressourcen aktivieren“ nennt sie das. „Man muss Quellen für Kraft finden.“ Sie hat es geschafft.

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