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Früherkennung

Screening rettet Leben

Von Nicola Zellmer

Manchmal geht es um Millimeter. Beispielsweise beim Brustkrebs. Wenn die kleinen, invasiven Tumoren erst wenige Millimeter groß sind, stehen die Chancen gut, den Krebs zu heilen.
Vorbereitung einer Patientin auf die Mammographie

Die Mammographie ist ein aussagekräftiges Verfahren zur Früherkennung.

© Frank Wilde

Aber die von den Medizinern als B5b bezeichneten Tumoren werden sehr schnell bösartig und siedeln dann Tochtergeschwulste (Metastasen) in andere Organe wie die Lymphdrüsen, die Lunge oder die Knochen ab. Dann ist eine Heilung sehr viel seltener möglich.

Beim flächendeckenden Mammographie-Screening in Niedersachsen haben die Ärzte von März 2006 bis Dezember 2007 insgesamt 416 Brusttumoren entdeckt, 80 Prozent davon gehörten zur Kategorie B5b, 19 Prozent waren Krebsvorstufen und ein Prozent sonstige Tumoren. „Den Frauen, die kleine B5b-Karzinome hatten, haben wir mit dem Screening vermutlich das Leben gerettet“, sagt Regine Rathmann, programmverantwortliche Ärztin für die Region Hannover-Schaumburg.

Mit seinen Daten liegt das hannoversche Screeningteam verblüffend nahe an den statistischen Vorgaben der EU. So liegt die Tumorentdeckungsrate exakt bei acht Karzinomen auf 1000 Frauen. In 4,9 Prozent der Fälle haben die Mammographie-Experten weitere Untersuchungen angeordnet. Vorgegeben ist eine Abklärungsquote von fünf Prozent. „Damit liegen wir richtig gut“, betont Rathmann und weist auf den höheren Bundesdurchschnitt hin. „Das liegt aber auch daran, dass Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Vorreiter beim Mammographie-Screening sind, während es in einigen ostdeutschen Regionen immer noch kein flächendeckendes Angebot gibt“, sagt Rathmann.
In den ersten zwei Jahren haben die Untersucher insgesamt 92 135 Frauen in den „Mammo-Mobil“ genannten Röntgen-Truck oder das Zentrum am Schwarzen Bären in Hannover eingeladen. Davon kamen 52 895 Frauen, das entspricht einer Teilnahmequote von 61 Prozent. „Da wollen wir unbedingt noch besser werden“, sagt die programmverantwortliche Ärztin. „Erst wenn wir 70 Prozent der Frauen zur Untersuchung mobilisieren können, erreichen wir die angestrebte Senkung der Sterblichkeit.“ Es sind bestimmte Gruppen, die die Ärzte nur schwer erreichen können. „Während in ländlichen Gegenden, wo die sozialen Netzwerke funktionieren, fast jede Frau zur Mammographie kommt, ist die Teilnahmequote in bildungsfernen Schichten oder bei ausländischen Frauen noch zu niedrig“, betont Rathmann. Spezielle Angebote sollen das künftig ändern.

Das Screening-Team will zudem den Umgang mit den Frauen, die eine positive Diagnose erhalten, auf den Prüfstand. „Da brauchen wir noch mehr psychosoziale Betreuung“, meint Rathmann. Zufrieden ist die Ärztin dagegen mit der Zahl der weiteren Untersuchungen: „Wenn wir Gewebeproben nehmen, kommen auf eine gutartige Geschwulst zwei Tumoren. Wir beproben also nicht zu schnell.“ Aufgefallen ist den Mammographie-Experten, dass in der Region viele Brusttumoren bei Frauen im Alter von 69 Jahren gefunden wurden. Eingeladen werden bisher Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. „Die Kollegen in Holland screenen inzwischen alle Frauen zwischen 45 und 75 Jahren, weil es laut Statistik ab 45 einen deutlichen Sprung in der Häufigkeit von Brustkrebs gibt“, erklärt Rathmann, die auch in Deutschland die Diskussion über ein erweitertes Screening befürwortet.

Weitere Informationen zum Mammographie-Screening in Niedersachsen bietet die Internetseite des zuständigen Referenzzentrums Bremen unter www.rz-bremen.de. Terminabsprachen zum Screening sind per E-Mail unter termin-mammascreening@gesundheitsamt.bremen.de oder unter Telefon (04 21) 36 11 40 93 möglich.

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