Endoskope sind Instrumente, die durch winzige Öffnungen in den Körper gebracht werden. Ersetzt das bald auch Operationen?
Ja, zu einem Teil. Bei vielen Erkrankungen muss nicht mehr operiert werden, sondern das wesentlich schonendere Verfahren der Endoskopie kann genutzt werden. Weil wir damit nicht nur ins Körperinnere schauen können, etwa in den Magen oder Darm, sondern sich damit auch Hilfswerkzeuge wie Zangen, Schlingen und Greifer einführen lassen, können wir etwa bei einer Darmspiegelung gleich bestimmte Darmpolypen mit entfernen, die sich zu bösartigen Tumoren entwickeln können. Mit der Methode entfernen wir auch Gallensteine oder Speiseröhrenkrebs in frühen Stadien.
Ist die Technik für den Dünndarm geeignet?
Dessen Untersuchung war bislang nicht so einfach möglich, weil der sechs bis sieben Meter lange Dünndarm schon aufgrund seiner Länge schwer zugänglich ist. Inzwischen wird er vor allem bei der Blutungsquellensuche mit kleinen Videokapseln untersucht, die die Patienten schlucken und später wieder ausscheiden. Diese Kapsel-Endoskopie steht allerdings noch am Anfang, außerdem werden die Kosten nicht regelmäßig von den Krankenkassen übernommen. Ganz neu sind sogenannte Doppelballon-Endoskope, die sich wie Raupen durch den Darm bewegen. Wie erfolgreich sie einsetzbar sind, wird im Moment geprüft. Glücklicherweise kommen Krebserkrankungen im Dünndarm nur sehr selten vor.
Etwa zehn Prozent aller Darmkrebserkrankungen sind genetisch bedingt. Gibt es bald gezieltere Behandlungsmöglichkeiten?
Bisher noch nicht. Wenn wir wissen, dass in der Familie des Betroffenen eine Disposition für Darm- oder auch Brustkrebs vorliegt, weisen wir sie natürlich auf unbedingt notwendige, konsequente Vorsorgeuntersuchungen und im Einzelfall auch auf operative Therapien hin.
Sie und Ihr Team haben herausgefunden, dass die Gene eines Menschen zeigen, warum bestimmte Krebs- und HIV-Medikamente bei einigen Patienten schwere Nebenwirkungen hervorrufen und bei anderen nicht.
Richtig. Dabei ging es um Therapien mit einem Chemotherapeutikum und einem Virenmittel, die 9,6 Prozent der Patienten schlechter über die Enzyme des Verdauungstrakts und der Leber entgiften können. Sie erkrankten durch die Medikamente unter anderem an Gelbsucht und Durchfall. Ursache ist eine genetische Verminderung des Stoffwechsels, die schon im Erbgut festgelegt ist. Wir konnten nachweisen, dass diese Veränderung bei jedem zehnten Deutschen vorkommt. Künftig können Gentests also genutzt werden, um Medikamente für Patienten effizienter und sicher zu machen.
Eröffnet dieses Beispiel nicht neue Wege in der Therapie schwerer Erkrankungen?
Auf jeden Fall. Wir stehen hier zwar noch am Anfang, aber die Ergebnisse sind vielversprechend, dass sie sich hoffentlich auf andere Bereiche übertragen lassen.
Interview: Veronika Thomas
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