Vor welchen Präparaten muss man warnen?
Wir unterscheiden zwei Arten: Frei verkäufliche Präparate seriöser Hersteller wie Extrakte aus der Teufelskrallenwurzel, Auszug aus Weidenrinde gegen Fieber und rheumatische Beschwerden oder das beliebte Wobenzym, das gegen Entzündungen helfen soll, sind in der Regel gut verträglich, aber von begrenzter Wirksamkeit. Regelrecht gefährlich sind dagegen indianische, chinesische oder ähnliche „Wundermittel“, etwa aus dem Internet. Sie können zu Vergiftungserscheinungen führen. Zudem kann es gefährlich werden, wenn der Besuch beim Arzt durch die Selbstmedikation mit diesen Präparaten hinausgezögert wird.
Woran sind gefährliche Mittel zu erkennen?
Sie werden in der Werbung in der Regel als „hochwirksam“, aber „ohne Nebenwirkungen“ beschrieben. Oft tauchen Worte wie „alte Weisheit“ oder „neueste Studien“ auf. Und sie sind immer „natürlich“. Ein Beispiel ist der Noni-Saft, der angeblich gegen so gut wie alle Krankheiten von Schlafproblemen und Verdauungsstörungen über Depressionen und Bluthochdruck bis hin zu Schlaganfall und Krebs helfen soll. Das ist Hokuspokus. Gefährlich sind auch Ayurveda-Weihrauchpräparate wegen ihres hohen Bleianteils. Für diese Mittel wird aggressives Marketing betrieben, und sie sind meist teuer. Die Hersteller versuchen immer wieder, Selbsthilfegruppen zu infiltrieren, und arbeiten mit Verschwörungstheorien, etwa, dass Ärzte nur vor dem Mittel warnten, weil sie damit selbst kein Geld verdienen.
Was kann bei der Einnahme passieren?
Wir hatten eine Arthritispatientin bei uns in der Klinik, die stark unter Übelkeit, Gewichtsabnahme, Knochen- und Kopfschmerzen litt. Nach einer längeren Untersuchung stellten wir eine chronische Bleivergiftung durch ein ayurvedisches Weihrauchpräparat fest, das sie sich selbst „verschrieben“ hatte und seit Monaten nahm. Nach Absetzen des Präparats war sie zum Glück nach 14 Tagen wieder beschwerdefrei.
Und Mittel aus der Apotheke? Die müssten doch wirksam und ungefährlich sein?
Oft handelt es sich dabei nicht um Arzneimittel, sondern um Nahrungsergänzungsmittel. Klinische Studien, die ihre Wirkung nachweisen, fehlen. Auch wenn sie meist nur wenige Nebenwirkungen haben, können sie – unkontrolliert eingenommen – schaden. Schon dadurch, dass der Gang zum Arzt hinausgezögert wird. Es gibt immer wieder Modetrends wie Enzympräparate, die stark nachgefragt werden – wegen der Werbung. Oft profitieren die Käufer dann vom Placeboeffekt. Nachgewiesene Wirkung haben diese Mittel meist nicht. Für verschreibungspflichtige Medikamente gilt noch ein EU-weites Werbeverbot. Momentan wird eine Aufweichung des Verbots diskutiert, was ich mit großer Sorge sehe. Die Leute wollen dann das Medikament haben, das am meisten beworben wird.
Interview: Katrin Wernke
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