Ein Mann, der auf seinen Körper achtet, sich gesund ernährt, nicht raucht, selten und wenig Alkohol trinkt und regelmäßig Sport treibt. Er vermutet daher eher eine Zerrung im Brustmuskel. Zudem ist Sonntag, da will er keinen Arzt bemühen. Seine besorgte Frau fährt ihn dennoch ins Krankenhaus, vorsichtshalber. Dort trifft Werner Lampe die Diagnose wie ein Schlag: Infarkt in der Herzvorderwand.
Er wird operiert, bekommt einen sogenannten Stent als Gefäßstütze in das linke Herzkranzgefäß. Ein paar Monate später verspürt er erneut Schmerzen. Bei einer Herzkatheteruntersuchung in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stellt Prof. Helmut Drexler, Leiter der Abteilung Kardiologie und Angiologie, eine weitere hochgradige Verengung fest und setzt einen zweiten Stent in das rechte Herzkranzgefäß ein. Vier Jahre später liegt Lampe wieder im Krankenhaus. „Mir war morgens übel, ich hatte Schmerzen in der Brust und kalten Schweiß auf der Stirn“, erinnert er sich. Diesmal hat er sofort zum Telefon gegriffen, den Notarzt alarmiert und sich in die MHH bringen lassen. „Das war genau richtig“, urteilt Christian Templin, Stationsarzt an der Kardiologischen Intensivstation. „Hätte er erst abgewartet, wäre der Herzmuskel viel stärker geschädigt worden.“ Wegen eines akuten Herzinfarktes bekommt Lampe weitere Stents.
„Ich bin unheimlich froh, dass alles so glimpflich abgelaufen ist“, sagt Werner Lampe fünf Tage nach dem großen Eingriff. Auf den ersten Blick ist der große, vitale 54-Jährige kein typischer Herzinfarktkandidat. Lampe war Hochleistungsschwimmer, holte eine Bronze- und eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1972 in München, war mehrfacher deutscher Meister, Europameister, Weltmeister. Und er habe nach Ende seiner Schwimmkarriere nicht nur „vorbildlich abtrainiert“, sondern auch weiterhin täglich anderen Ausdauersport betrieben.
Und das war gut so. Denn gerade sein gut trainierter Herzmuskel habe Lampe vor Schlimmerem bewahrt, sagt Drexler. Trotz des vitalen Eindrucks steht mit der Gesundheit des ehemaligen Spitzensportlers nicht alles zum Besten. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und beruflicher Stress gehören zu seinen Risikofaktoren. Hinzu kommt eine erbliche Veranlagung zu Herz-Kreislauf-Problemen.
„Das genügt, um trotz Bewegung und gesunder Lebensweise eine koronare Herzerkrankung entstehen zu lasen“, sagt Templin. Regelmäßige Medikamenteneinnahme sei für den Patienten daher dringend erforderlich. Die ihm verordneten blutverdünnenden Mittel hat Lampe auch regelmäßig eingenommen. Wegen einer bevorstehenden Operation hatte er diese allerdings eine Woche vorher abgesetzt. Das Risiko eines Blutverlustes sei zu groß, meinte der behandelnde Arzt. Ein Fehler, denn nach der Venenoperation entwickelte das verdickte Blut eine Thrombose, die schnell zum Gefäßverschluss führte. Doch künftig weiß Lampe es besser.
von Kirsten Allée
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